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Das N-Wort


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Grada Kilomba
Als ich diesen Text schrieb, musste ich zunächst überlegen, wie ich das N-Wort benutzen kann, denn das Wort ist schmerzhaft. Wenn ich in diesem Artikel statt des Euphemismus 'N-Wort' den Begriff 'N.' ausschreibe, dann, um ihn zu dekonstruieren. Das ist eine für mich schwierige Entscheidung, verletzend sogar, denn das N-Wort ist kein neutrales Wort, es ist ein weißes Konzept – ein Begriff, der mich in eine koloniale Ordnung zwingt.

Zur Person
Dr. Grada Kilomba ist Schriftstellerin, Dozentin und Psychologin aus São Tomé e Príncipe und Portugal. Sie ist die Autorin des Buches: "Plantation Memories" Unrast Verlag, 2008. Ihr literarisches Werk verbindet postkolonialen Diskurs und lyrische Prosa auf den Spuren von Sklaverei, Kolonialismus und alltäglichem Rassismus. Sie lehrte an Universitäten in Deutschland und Ghana. www.gradakilomba.com

Der Begriff 'N.' soll alle südlich der Sahara lebenden AfrikanerInnen kategorisieren und wurde während der europäischen Expansion erfunden. Das N-Wort ist also in der Geschichte der Versklavung und Kolonisierung situiert, d.h. es ist ein Begriff, welcher mit Brutalität, Verwundung und Schmerz einhergeht. Diese Erfahrungen werden in der Psychoanalyse als Trauma definiert.

In der Psychoanalyse beinhaltet Trauma die Idee eines gewalttätigen Schocks, der plötzlich die Beziehung mit anderen und mit der Gesellschaft auseinander reißt, und es hinterlässt psychologische Narben in Form von Alpträumen und Flashbacks oder hat zusätzliche körperliche Auswirkung. Ebenso beinhaltet es die Idee einer Zeitlosigkeit, da Gegenwart und Vergangenheit sich vermischen.

Das N-Wort bzw. Rassismus wird aber selten als Trauma wahrgenommen und benannt. Diese Absenz der Benennung liegt daran, dass die Geschichte der rassistischen Unterdrückung und ihre psychologische Auswirkung innerhalb des westlichen Diskurses bisher vernachlässigt wurde. Schwarze Menschen und People of Color sind damit jedoch tagtäglich konfrontiert. Wir müssen nicht nur auf einer individuellen Ebene, sondern auch auf einer historischen und kollektiven Ebene mit den Traumata des Kolonialismus umgehen, da Alltagsrassismus eine Reinitiierung kolonialer Szenen ist, die uns Diskurse der Unterlegenheit und Entfremdung wiederaufzwingt.

In diesem Text beschäftige ich mich daher mit dem N-Wort als eine Form von Verwundung und Trauma, und analysiere ein Interview mit einer Schwarzen Frau – Kathleen –, die über ihre rassistischen Alltagserfahrungen in Deutschland spricht. Das ist eine von 28 Geschichten des Buches "Plantation Memories. Episodes of Everyday Racism", Unrast Verlag 2008.

I. Schwarze Venus vs. Schwarze Sklavin

"Ich erinnere mich daran, dass (mein Freund) eine Klavierlehrerin hatte und ich ihn nach seiner Stunde abholte, und diese Klavierlehrerin hatte ein kleines Mädchen. Das kleine Mädchen fing an zu reden: "Die schöne Negerin, und wie toll die Negerin aussieht! Und die schönen Augen, die die Negerin hat! Die schöne Haut, die diese Negerin hat... ich will auch Negerin sein!" (...) ich hörte immer wieder nur dieses eine Wort: Neger, Neger, Neger, wieder und wieder..."

Die Wortkombination 'schöne N.' ist vieldeutig, da ein positives Wort: 'schön' vor einem traumatischen: 'N.' steht. Es ist ein Spiel süßer und bitterer Worte, das es schwer macht, Rassismus zu identifizieren. Kathleen wird 'schön' und gleichzeitig 'N.' genannt, wobei 'N.' hier ihre Position als minderwertig markiert.

Ursprünglich kommt das N-Wort aus dem Lateinischen als Bezeichnung für die Farbe Schwarz: niger. Am Ende des 18. Jh. war jedoch das N-Wort bereits ein abwertender Begriff mit verletzendem Charakter, der durchaus strategisch genutzt wurde, um das Gefühl von Verlust, Minderwertigkeit und die Unterwerfung unter weiße koloniale Herrschaft zu implementieren.

Also wenn 'N.' gesagt wird, wird nicht nur über die (Haut-) Farbe 'Schwarz' gesprochen, sondern auch über: Animalität – Primitivität – Unwissenheit – Chaos – Faulheit – Schmutz. Diese Reihe von Entsprechungen charakterisiert Rassismus. Wir werden als die Verkörperung jeder dieser Bezeichnungen angesehen, keineswegs, weil sie in unseren Körper eingeschrieben sind oder wirklich und real wären, sondern vielmehr, weil Rassismus diskursiv ist. Rassismus ist nicht biologisch, er funktioniert durch Diskurse, durch Worte und durch eine Reihe von Entsprechungen, welche Identitäten aufrechterhalten.


03. Juni 2009

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Fußball und Gewalt sind in vielen Stadien eine untrennbare Einheit. Und immer häufiger sind die Täter rechtsextrem motiviert. Auch rassistische Beleidigungen gehören vielerorts zum traurigen Fußballalltag.
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