Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index


Themen
Gesellschaft
Islamismus
Was heißt Islamismus?
Aktuelle Situation
Dem Islamismus begegnen
Islamismus in der Schule
Folgen des 11. September
Jugend-
organisationen
Reaktionen des Rechtsstaats
Medien
Interview Theveßen
Islamismus und Jugendkultur
Essay: Rettet Europa!
Weitere bpb-Angebote
Publikationen
Veranstaltungen
Wissen
Lernen
ZMI Universität Giessen Arte netzeitung.de Arte ZMI Universität Giessen taz Kulturstiftung des Bundes Berliner Konferenz Universität Duisburg-Essen Köln International School of Design
Suche
Dossier bpb.de

Dem Islamismus begegnen

Islam, Islamismus und Jihadismus in den Medien


 1 / 2 
weiter
Von Erlaubtem und Verbotenem
Jochen Müller
Wenig ist bekannt über Verbreitungsgrad und Wirkung islamistischer Medien in Europa. Fest steht aber: Zahllose Portale und Websites, Fernsehsender und Zeitungen verbreiten islamistisches Gedankengut. Und ihr Einfluss gerade auf hier lebende Muslime sollte nicht unterschätzt werden.

screen420
Website kalifat.com, Screenshot Oktober 2007
Es gehe um die "Erhaltung der islamischen Werte", heißt es es in der Selbstdarstellung des libanesischen Satellitenkanals Al-Manar. Zudem sei der Sender"die erste arabische Einrichtung, die einen effektiven psychologischen Krieg gegen den zionistischen Feind" führe. Al-Manar ist der Sender der schiitischen Hizbullah und zählt zu den einflussreicheren unter den arabischen Satellitensendern, deren Zahl in den vergangenen Jahren auf beinahe zweihundert angewachsen ist. Die meisten von ihnen strahlen ein Unterhaltungsprogramm aus, das den hiesigen nicht unähnlich ist - Spielfilme, Soap-Operas, Musik-Videos oder Adaptionen von Star-Academy und anderen. Anders Al-Manar: Der Sender versteht sich als politischer Propagandasender gegen Israel und als "Leuchtturm" (arab. manar) für einen politischen Islam. Und mit diesem Programm ist Al-Manar weit über den Libanon hinaus bekannt und populär. [1]

Zur Person
Jochen Müller
Dr. Jochen Müller ist Islamwissenschaftler, arbeitet als freier Publizist und ist Mitarbeiter und Mitbegründer des Berliner Vereins "ufuq.de - Medienforschung & politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft" (www.ufuq.de).

So viel lässt sich sagen – viel mehr aber auch nicht. Denn man weiß kaum etwas über den Verbreitungsgrad und die Wirkung von islamistischen Medien in Europa. Das gilt vor allem für TV-Kanäle und das Internet. Wie viele junge Muslime zum Beispiel in Deutschland welche islamistischen Medien nutzen und inwiefern diese ihre politischen Einstellungen beeinflussen, ist so gut wie unerforscht.

Auch in Deutschland dürfte Al-Manar indes zu den bekannteren Kanälen gehören. Aus zwei Gründen: Zum einen konzentriert sich der Sender mit dem Palästinakonflikt auf ein Thema, das weit über den Libanon hinaus auf großes Interesse bei Arabern und Muslimen stößt. Zum anderen ist es der Tonfall der Berichterstattung. Mit seinen anti-israelischen und oftmals auch anti-semitischen Propagandasendungen spricht der Sender viele Migranten arabischer und muslimischer Herkunft an. Vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen, mehr noch aber unter Einfluss jahrzehntelanger Propaganda in der Region, sind diese mit dem Feindbild Israel "vertraut". Für Viele stellt dieses Feindbild auch in der zweiten und dritten Einwanderergeneration noch einen zentralen Bestandteil ihres arabischen oder muslimischen Selbstverständnisses dar.

Das gilt auch für junge Muslime in Deutschland, die nicht dem islamistischen Spektrum zuzuordnen sind. Unter Jugendlichen ist allerdings weniger das Fernsehen als das Internet das meist genutzte Medium. Vor allem an Jugendliche libanesischer Herkunft wendet sich zum Beispiel das deutschsprachige Internetforum Rache-Engel. Wie Al-Manar bringen auch die Betreiber dieser Seite ihre Sympathie für die Hizbullah und deren Führer Nasrallah deutlich zum Ausdruck. In den Debatten geht es dann aber um ein breites Spektrum von Themen: Neben dem Nahostkonflikt und der allgemeinen Bewunderung für den Kampf der Hizbullah geht es auch um Rechtsradikalismus in Deutschland, die Rolle der Frau und den Versuch, bestehende Ressentiments zwischen Sunniten und Schiiten zu überwinden. Auffällig und typisch dabei ist die meist weniger islamistische als vielmehr anti-imperialistische und USA-feindliche Ausrichtung vieler Kommentare. (www.rache-engel.com)

Typisch für diesen Diskurs ist auch der Muslim-Markt (MM). Das bekannte deutschsprachige Portal der schiitischen Brüder Özoguz aus Delmenhorst sympathisiert mit dem iranischen Regime, wendet sich gegen den "Raubtierkapitalismus" und rief in den vergangenen Jahren zur Al-Quds-Demonstration in Berlin für die "Befreiung von Jerusalem" auf. (Vgl. etwa http://www.muslim-markt.de/
Palaestina-Spezial/demos/quds2004/quds_tag2004aufruf.htm.) [2]

Vor allem aber bietet der Muslim-Markt einen Service, der auch bei anderen islamischen und islamistischen Internetportalen im Mittelpunkt steht: Informationen für den muslimischen Alltag in Deutschland. Wann beginnt der Ramadan? Wo finde ich Halal-Restaurants oder einen muslimischen Arzt, Anwalt oder Friseur? Welche Veranstaltungen finden statt, die Muslime interessieren könnten? Und es gibt Mustertexte. Solche für muslimische Gemeinden, die die örtliche Polizei zu einem Moscheebesuch einladen wollen, ebenso wie Antragsvordrucke zur religiös begründeten Befreiung der Tochter vom Schwimmunterricht. Beigefügt ist hier allerdings ein Kommentar der Redaktion, der allen muslimischen Eltern empfiehlt, ihren Kindern das Schwimmen beizubringen und sie soweit wie möglich am Sportunterricht und an Klassenfahrten teilnehmen zu lassen. Denn:

"Ein muslimischer Bürger dieses Landes trägt auch die Verantwortung zur Mitgestaltung der Gesellschaft in dem ihm möglichen Rahmen (…). Erst in der Auseinandersetzung mit den täglichen Schwierigkeiten, können sich die jungen Muslimas und Muslime zu konstruktiven Bürgern des Landes mit Rückrat entwickeln, die ihren Glauben voller Gottesehrfurcht überzeugt leben." (http://www.muslimmarkt.de/
Mustertext/muslim-mustertext.htm)


20. September 2007

 1 / 2  weiter


 
Druck-Version
Artikel versenden
Redaktion
Externer Link
Initiative Sicherheitspartnerschaft – Gemeinsam mit Muslimen für Sicherheit
Initiative Sicherheitspartnerschaft – Gemeinsam mit Muslimen für Sicherheit
Die Initiative Sicherheitspartnerschaft ist eine Partnerschaft von Sicherheitsbehörden und muslimischen Repräsentanten. Gemeinsam wollen die Partner das friedliche Zusammenleben in Deutschland stärken und gegen Islamismus ankämpfen.
Initiative Sicherheitspartnerschaft – Gemeinsam mit Muslimen für Sicherheit
Dossier
Antisemitismus
Antisemitismus
Antisemitismus ist eine antimoderne Weltanschauung, die in der Existenz der Juden die Ursache aller Probleme der heutigen Welt sieht. Das Dossier beleuchtet Geschichte und Gegenwart der Judenfeindschaft und hilft, sie zu entlarven.
Antisemitismus

Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Datenschutz | Kontakt | Home