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Bilder in Geschichte und Politik

Geschichte der Bildkultur bis zum Visualisierungsschub im 19. Jahrhundert


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Werner Faulstich

Es gibt keine Bilder ohne Medien. Auch das übliche Gemälde bedarf der Lein"wand", um entstehen und präsentiert werden zu können. Deshalb muss die Geschichte der Bildkultur als Teil einer umfassenden Geschichte der Medien verstanden werden. Mediengeschichte und Bildgeschichte reichen zurück bis zu den Anfängen der Kultur- und Menschheitsgeschichte, und nicht zufällig spielt dabei das Medium Wand eine entscheidende Rolle.

Zur Person
Werner Faulstich
Univ. Prof. Dr. Werner Faulstich, Jg. 1946; Promotion 1973 an der Universität Frankfurt; Habilitation 1981 in Tübingen, danach apl-Prof. Universität Siegen ab 1986; Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der Universität Lüneburg seit 1989; Leiter des IfAM-Instituts für Angewandte Medienforschung seit 1990.

Archaische Bilder

Die berühmtesten Bilder der Ur- und Frühgeschichte sind im 19. Jahrhundert unter Stichworten wie Höhlenmalerei oder frühe Anfänge der Kunst bekannt geworden. Dabei handelt es sich um Graphiken und Zeichnungen an Wänden und Decken von Höhlen wie der in Altamira in Nordspanien (ca. 15.000 vor unserer Zeitrechnung entstanden, entdeckt 1869/79), der in Lascaux in Frankreich (ca. 14.500 v. Chr., entdeckt 1940) oder der in Chauvet, ebenfalls in Frankreich (ca. 32.000 v. Chr., entdeckt 1994). Es gibt noch zahlreiche weitere Höhlen- oder Felsbilder, so etwa in Nordafrika, in Skandinavien und in Nordwestrussland.

Bei den Felsbildern handelt es sich um ein globales Phänomen, dem zeitgenössische Bedeutung zugesprochen werden muss. Natürlich sind diese Bilder nicht Kunst im Sinne der Auffassung von Kunst als Selbstzweck, wie sie erst im 19. Jahrhundert ausformuliert wurde. Vielmehr muss die Wand als ein allgemeines Kommunikationsmedium begriffen werden: das erste Schreibmedium der Geschichte, dem zuallererst kultische Funktion zuzuorden ist.

Die heutige Forschung ist von der naiven Interpretation der Felsbilder als Malerei abgerückt und versteht die Tierdarstellungen: Mammuts, Bisons und viele andere als Totems, als verehrte Schutzgeister eines jeweiligen Clans. Zum Teil wurden auch Jagdszenen, Tanzszenen oder Gravuren eines Magiers entdeckt, die als Jagdzauber oder als sonstige Zauberpraktiken gewertet werden. Auch andere Interpretationen wurden geäußert, etwa die Auffassung, die Darstellung unterschiedlicher Tiere in ein und derselben Höhle wäre als eine Fixierung der geschichtlichen Abfolge unterschiedlicher Clans mit verschiedenen Totems zu begreifen. Dementsprechend wird dem Medium Wand weniger kultische als vielmehr tradierende Funktion zugesprochen.


13. Dezember 2005

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