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Krieg, Flucht und Vertreibung

Der Weg in den Krieg

Tschechische Soldaten
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Tschechische Soldaten bringen am 16. September während der "Sudetenkrise" im Südwesten von Prag Geschütze in Stellung. Foto: AP
Die westlichen Nationen deuteten die aggressive Außenpolitik Hitlers lange nur als Auflehnung gegen den Versailler Vertrag. Man baute auf "appeasement". So konnten die Nationalsozialisten die Jahre bis 1938 nutzen und den nächsten Krieg vorbereiten.


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Auszug aus:
Nationalsozialismus II, Informationen zur politischen Bildung (Heft 266)
Thamer, Hans-Ulrich
Inhalt
Einleitung
Programmatische Ziele
Erste Schritte
Putsch in Österreich
Ausbruch aus der Isolierung
Rheinland-Besetzung
Spanischer Bürgerkrieg
Pakt Berlin – Rom – Tokio
Wirtschaftliche Probleme
Kriegsplanungen
Anschluß Österreichs
Sudetenkrise
Entfesselung des Krieges
Vorgehen gegen Polen
Spanischer Bürgerkrieg
Mit dem Rheinland-Coup hatte das Deutsche Reich sich nicht nur eine Sicherheits- und Aufmarschzone erobert und die außenpolitischen Fesseln für eine verstärkte Aufrüstung abgelegt. Die Aktion hatte überdies den beiden faschistischen Mächten, Deutschland und Italien, die Erfahrung vermittelt, daß sie sich in ihrem Streben nach Veränderung der internationalen Konstellationen gegenseitig unterstützen könnten. Hitlers Erfolg gab nun auch Mussolini den Mut zur endgültigen Annexion von Abessinien, ohne daß der Völkerbund seine Sanktionsdrohungen ernsthaft in die Tat umgesetzt hätte. Die gemeinsame Front gegen den Völkerbund führte die beiden ideologisch verwandten Diktaturen zusammen und legte nahe, auch den Streitfall Österreich, der zwischen den beiden noch bestand, vorerst durch eine politische Verständigung zu entschärfen. Mussolini gab zu verstehen, daß er einer innenpolitischen Veränderung in Österreich nicht mehr im Wege stehen werde und strich die finanzielle Hilfe für die befreundeten österreichischen Heimwehren, die in Konkurrenz zur österreichischen NSDAP standen. In einem deutsch-österreichischen Abkommen im Juli 1936 erkannte Deutschland die Unabhängigkeit Österreichs an. Dafür ließ Wien sich außenpolitisch gleichschalten und versprach, sich stets daran zu erinnern, daß Österreich ein deutscher Staat sei.

Bald zeichnete sich ein neues Feld der gemeinsamen Betätigung ab: Spanien. Der spektakuläre Erfolg der Volksfront aus Sozialisten, Radikalsozialisten und Kommunisten, der im Juni 1936 in Frankreich die Regierung unter Premierminister Léon Blum an die Macht gebracht hatte, hatte sich schon vier Monate zuvor in Spanien mit einem knappen Wahlsieg der vereinigten Linksparteien vollzogen und das bürgerliche Europa beunruhigt.

Der Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs am 17. Juli 1936 bot die Chance zu einer gemeinsamen politischen und militärischen Aktion der beiden faschistischen Diktaturen. Zunächst setzten sie alles daran, in ihrer Propaganda alle Anhänger der spanischen Republik unterschiedslos zu „Marxisten“ und „Bolschewisten“ zu machen. Umgekehrt gerieten die innenpolitischen Auseinandersetzungen in Madrid (und auch in Paris) mehr und mehr in den Sog der internationalen ideologischen Gegensätze von Faschismus und Antifaschismus. Der Spanische Bürgerkrieg wurde zum Kampf der beiden ideologischen Lager stilisiert. Die französische Volksfrontregierung unterstützte zusammen mit der UdSSR die republikanische Seite im Spanischen Bürgerkrieg, während das faschistische Italien sich sowohl aus ideologischen als auch machtpolitischen Gründen auf der Seite der Putschisten unter Führung von General Francisco Franco (1892–1975) engagierte. In der Nacht des 25. Juli 1936 entschied Hitler nach einer improvisierten Besprechung mit Göring und von Blomberg, ebenfalls Franco zu unterstützen und damit auch zum Bündnispartner Italiens zu werden.

Über Hitlers Motive ist viel gestritten worden. Ganz sicher war sein Entschluß, den putschenden General mit der raschen Entsendung von Transportflugzeugen bzw. Jagdflugzeugen und Flakgeschützen zu unterstützen, nicht von langer Hand vorbereitet und auch nicht Ausdruck eines faschistischen Komplotts, das später darin vermutet wurde. Sehr wahrscheinlich war das Interesse der deutschen Rüstungswirtschaft an hochwertigen Rohstoffen aus Spanien von einiger Bedeutung, was durch die späteren wirtschaftlichen Abkommen mit der national-spanischen Seite deutlich wurde. Auch die Möglichkeit zur Erprobung der neuen deutschen Waffen, und hier vor allem der Luftwaffe, auf dem spanischen Kriegsschauplatz dürfte eine Rolle gespielt haben.

Ausschlaggebend für Hitlers Entscheidung zur Intervention waren jedoch politisch-taktische Überlegungen. Er nutzte die Gelegenheit, sich in eine neue internationale politische Krise einzumischen, um damit die europäischen Krisenherde zu erweitern und die eigenen machtpolitischen Handlungsmöglichkeiten zu vergrößern. Hinzu kam der ideologisch-propagandistische Faktor: Die Verbindung der beiden Volksfrontregierungen weckte bei dem nationalsozialistischen Diktator die Furcht vor einer weiteren Ausbreitung des Kommunismus in Europa. Zudem ließ sich international die Intervention in Spanien als Akt der „Rettung“ vor dem Bolschewismus darstellen.




Auszug aus:
Nationalsozialismus II, Informationen zur politischen Bildung (Heft 266)


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