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Aktuelle Situation
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Hamas und Palästinensischer Islamischer Jihad |
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| Peter Philipp |
| Seit Juni 2007 herrscht die militante Hamas im Gaza-Streifen. Sie ist kompromisslos antiisraelisch und betrachtet ganz Israel als "besetztes Gebiet". Ende 2008 eskaliert der Konflikt mit Israel, es kommt zum Gazakrieg. Wer sind Hamas und islamischer Jihad, wo liegen ihre ideologischen Wurzeln?
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| Hamas-Demonstration in Gaza-Stadt im Juni 2007. Foto: AP |
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 |  | Der Ägypter Hassan al Banna stammte aus ärmlichen Verhältnissen, er wurde zu Hause streng religiös erzogen und auf ein religiöses Lehrerseminar geschickt. Kurz nach Antritt seiner ersten Lehrerstelle in Ismailia tat er sich dort 1928 mit sechs Arbeitern der Suezkanal-Gesellschaft zusammen und gründete die "Gesellschaft der Muslimbrüder" ("Jamiyat al-ikhwan al-muslimin"). Ihr gemeinsames Motiv: Gegen den Einfluss der Briten anzutreten, die zwar nicht mehr Protektoratsmacht waren, das neue Königreich Ägypten (seit 1922) aber dennoch kontrollierten. Nach Überzeugung der ersten "Muslimbrüder" führte dieser westliche Einfluss dazu, dass die - ägyptische und arabische - Gesellschaft sich immer mehr verweltlichte und von den Grundsätzen des Islam entfernte. Die "Muslimbrüder" begannen, die Rückkehr zum Islam als Gegengewicht zu setzen und mit sozialer und wohltätiger Arbeit Anhänger zu gewinnen. Die Bewegung wuchs rasch an, verbreitete sich fast über die gesamte arabische Welt und wurde bald zum Vorreiter der Auflehnung gegen deren traditionelle Regime.
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Zur Person |
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Peter Philipp Geb. 1944 in Wiesbaden, war zwischen 1968 und 1991 Nahostkorrespondent mit Basis in Jerusalem, u.a. für die Süddeutsche Zeitung und den Deutschlandfunk. Seit 1991 Redakteur beim Deutschlandfunk in Köln, später Leiter der Nah- und Mittelostabteilung, dann der Afrika/Nahostabteilung von Deutsche Welle Radio. Von 1998 bis zu seiner Pensionierung 2009 Chefkorrespondent und Nahostexperte von Deutsche Welle Radio.
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 |  | Beim Versuch, die wichtigsten islamistischen Gruppen in der Region heute zu verstehen, wird man deswegen immer wieder auf diese Anfänge in Ägypten stoßen. Hieraus leiten sich die Grundthesen der verschiedensten islamistischen Gruppen ab und es spielt kaum noch eine Rolle, ob diese – wie "Islamischer Jihad" und "Hamas" - direkt aus der sunnitischen "Muslimbruderschaft" hervorgegangen sind oder ob es sich bei ihnen um eine schiitische Gruppe handelt – wie im Fall der libanesischen "Hisbollah".
Palästinensischer Islamischer Jihad
Der Gazastreifen stand von 1948 bis 1967 (mit kurzer Unterbrechung während des Sinaikrieges 1956) unter ägyptischer Verwaltung und der ägyptische Einfluss war deswegen hier besonders stark. Ideen wie die der "Muslimbrüder" fielen sofort auf fruchtbaren Boden und vermengten sich mit militanten Widerstands- und Rückeroberungs-Ideologien gegen den Staat Israel, die ihre Wurzeln meist auch im Gazastreifen hatten.
Die eher säkulare PLO unter ihrem langjährigen Führer Yasser Arafat enttäuschte mit der Zeit viele Palästinenser, weil sie seit dem Sechstagekrieg 1967 (und damit der Eroberung des Gazastreifens wie auch der Westbank durch Israel) zwar weltweite Anerkennung gewann, die Situation der Palästinenser sich dadurch aber nicht verbesserte. Die Enttäuschung darüber trieb besonders im Gazastreifen immer mehr Palästinenser in die Arme der Islamisten und führte auch zu deren Radikalisierung. Die "Muslimbrüder" waren in den Siebziger Jahren auf dem Weg, im Gazastreifen ein den israelischen Besatzern zwar nicht willkommener, von ihnen aber tolerierter Faktor zu sein. Zum Teil, weil Israel ein Gegengewicht zur PLO aufweisen wollte, die damals noch wenigstens offiziell das Ziel der Rückeroberung Palästinas verfolgte.
Die Lage änderte sich mit der Revolution im Iran: Der Sturz des Schahs 1979 und die Errichtung eines islamischen Gottesstaates im Iran sollten Signalwirkung auch auf Palästina haben: Bald spaltete sich ein militanter Flügel der "Muslimbrüder" ab, um dem Beispiel des Iran nachzueifern: Der "Palästinensische Islamische Jihad" wurde 1979 von Fathi Shaqaqi und gleichgesinnten palästinensischen Studenten gegründet. Die "Muslimbrüder" waren ihnen zu gemäßigt, ebenso die PLO. Die Anhänger Shaqaqis wollten den aktiven Kampf gegen Israel aufnehmen und hofften, dass als Ergebnis ein großer islamischer Staat für alle Muslime entstehen würde – und das nicht nur in der Arabischen Welt. Anhänger des "Islamischen Jihad" sollen Kontakte zu den Mördern des ägyptischen Präsidenten Sadat (ermordet 1981) unterhalten haben. Ihre ersten Überfälle und Terroranschläge auf israelische Ziele nahm die Gruppe in den achtziger Jahren auf, noch bevor in den besetzten Gebieten die erste "Intifada" ausbrach, der erste Aufstand der Palästinenser.
Obwohl sie als gewaltloser Widerstand geplant war, bot die "Intifada" den Militanten einen idealen Ansatzpunkt. Israel erkannte die Gefahr erst spät: Es deportierte Shaqaqi in den Libanon, wo er Beziehungen zu der gerade entstandenen "Hisbollah" und iranischen wie syrischen Stellen anknüpfte und der "Islamische Jihad" gewann dadurch an Radikalität. Als es nach Abebben der "Intifada" 1993 zum Oslo-Abkommen zwischen Israel und der PLO kam, übernahm der "Jihad" die Führungsrolle in der militanten Ablehnungsfront. Shaqaqi fiel 1995 in Malta einem Mordanschlag des israelischen Geheimdienstes zum Opfer und sein Nachfolger als Generalsekretär des "Jihad", Dr. Ramadan Abdallah Shalah, ein Mitbegründer Bewegung, residiert seitdem in Damaskus und unterhält enge Kontakten zum syrischen Regime, zum Iran, der libanesischen Hisbollah und auch dem Leiter des "Hamas"-Politbüros, Khaled Masha’al. Mit diesem teilt der "Islamische Jihad" bis heute die unversöhnliche und kompromisslose Ablehnung einer Anerkennung Israels. Sonst gibt es aber durchaus Unterschiede in der Geschichte von "Hamas" und "Jihad". So entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass die Gründer von "Hamas" zunächst von Israel unterstützt worden waren.
17. Juli 2011 |
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Schriftenreihe |
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Hamas
Der Historiker und Journalist Joseph Croitoru stellt in diesem Buch die Geschichte der Hamas, ihre Ziele und Vorgehensweisen vor, bei denen "demokratisch-gemeinwohlorientierte" Strategien mit islamistischen Zielen eine beunruhigende Allianz eingehen. |
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