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Into the Great Wide Open

Open Source, jenseits von Software


5.1.2007
Rund 20 Jahre nach ihren Anfängen ist die freie Software anerkannter Alltag in der Computerwelt. Nun boomt das "Open Source"-Prinzip auch in Medien, Kultur und Bildung.

Open Source, jenseits von SoftwareOpen Source, jenseits von Software Lizenz: cc by/2.0/ (gvmis)

Mal angenommen. Mal angenommen, wir lebten in einem Märchenland, und Sie wären ein Magier und beherrschten einen Zauberspruch, mit dem sie allen Dingen dieser Welt Befehle erteilen könnten. Was würden sie tun? Vermutlich würden sie anderen Menschen mit ihrer Fähigkeit helfen – für eine kleine Gegenleistung, versteht sich. Sie würden wahrscheinlich ihren alten Job an den Nagel hängen und ihren Lebensunterhalt künftig als Magier verdienen, und es würde ihnen dabei ziemlich gut gehen. Sicher aber würden Sie ihren Zauberspruch niemandem verraten. Das wäre viel zu gefährlich. Und außerdem würde dann ja niemand mehr ihre Dienste als Magier brauchen.

Jetzt nehmen wir einmal an, es käme ein zweiter Magier daher, der jedem, der möchte, jenen Zauberspruch beibringt. Auf einmal könnten alle Menschen den Dingen Befehle erteilen. Das würde sie nicht freuen, oder? Das wäre doch ziemlich verrückt von dem zweiten Zauberer, nicht wahr?

Nun, das Märchenland, von dem die Rede ist, gibt es natürlich wirklich. Es heißt Informationsgesellschaft. Der Zauberspruch, das ist Software, und der etwas verrückte zweite Magier – sie werden es erraten haben –, das ist ein Open Source-Programmierer.

Denn Software ist heute tatsächlich eine zu einer Art Magie geworden, ohne die in unserer Welt nichts mehr läuft. Das begreift man spätestens, wenn die Software im eigenen Handy, Computer oder Herzschrittmacher streikt. Oder an der Supermarktkasse. Oder im Fahrstuhl. Laut OECD wurden 2005 weltweit rund 225 Milliarden Euro für Software ausgegeben, Tendenz ununterbrochen steigend. Denn je "klüger" unsere Produkte und Maschinen werden und je mehr menschliche Arbeit in sie ausgelagert wird, umso mehr Software steckt auch in ihnen. Bei Autos können Softwarelizenzen schon mal 40 Prozent der Gesamtkosten ausmachen.

Nichts, das heute also wertvoller wäre als Software – oder mächtiger. Programmierkenntnisse sind echtes Herrschaftswissen, mit dem so gut wie alles in unserer Gesellschaft gesteuert wird und begründet werden kann: "Das ist technisch nicht möglich", heißt es dann, oder wie der Stanford-Rechtsprofessor Lawrence Lessig sagt: "Code ist Gesetz." Fest in Geräte und Maschinen einprogrammierte Regeln sind genau so effektiv und unüberwindlich wie Steinmauern. Wenn ich meine PIN-Nummer nicht mehr weiß, lässt mich die Software in der Tür nicht ins Bankgebäude, und wenn eine andere Software mich als nicht kreditwürdig einstuft, nützt mir auch die Freundschaft mit dem Kassierer nichts: Mehr Geld gibt es nicht. Es sei denn, ich weiß, wie die Programme ticken.

Genau aus diesem grund haben Magier, Priester, Experten und Generäle ihr Wissen stets geheim gehalten. Wissen, vor allem: mehr Wissen als die anderen, das ist Macht. Und genau das macht die Open Source-Bewegung so verrückt: Sie produzieren etwas überaus Wertvolles. Sie besitzen ein enorm machtvolles Wissen. Und sie geben beides her. Freiwillig. Öffentlich. Mit Freuden und vollen Händen. Und am schlimmsten: Kostenlos. Aber warum?


Creative Commons License Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/2.0/de/

 
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