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Dossier - Lateinamerika

Hurrikan Mitch in Honduras


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Gudrun und Harald Moßbrucker
honduras-mitch.jpg
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Soldaten helfen im September 2000 beim Aufräumen in Tegucigalpa, nachdem Tropensturm Keith die Notunterkünfte der Bewohner, die nach dem verheerenden Hurrikan Mitch 1998 errichtet wurden, zerstört hat. (Bild: ap)
Ende Oktober 1998 traf der Hurrikan Mitch, der als einer der schwersten Wirbelstürme der letzten 200 Jahre gilt, mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 280 Stundenkilometern und schweren Regenwolken Honduras und seine Nachbarländer Nicaragua, El Salvador, Belize und Guatemala. Honduras' schwierige wirtschaftliche und soziale Situation wurde einer extremen Belastung ausgesetzt, die bis heute nicht vollkommen überwunden ist. Es starben mindestens 5.657 Menschen, 8.058 gelten immer noch als vermisst, 12.272 wurden verletzt. Fast anderthalb Millionen der 6,2 Millionen Honduraner waren direkt von der Katastrophe betroffen und Zehntausende wurden obdachlos.

Zur Person

Dr. Gudrun Moßbrucker, Jahrgang 1960, Studium der Altamerikanistik und Ethnologie in Bonn und Berlin, Doktorarbeit (1998) über Geschichte und Kulturwandel der Maya in Kantunil Kin, Quintana Roo. Sie arbeitete von 1996 bis Ende 1998 in Honduras und organisierte private Hilfsmaßnahmen für Opfer des Hurrikans Mitch. Sie lebt heute in Peru.

Zur Person

Dr. Harald Moßbrucker, Jahrgang 1957, Studium der Altamerikanistik und Philosophie in Berlin, Doktorarbeit über Dorfstruktur und rural-urbane Migration in Peru (1990). Lehrtätigkeiten in Berlin und Freiburg zwischen 1986 und 1994. Seit 1994 freier Berater für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit in den Bereichen ländliche Entwicklung, Umweltschutz und Katastrophenvorsorge. Er lebt in Peru.

Trotz der enormen Hilfsleistungen, die bald von vielen Seiten in die Region flossen, sind die Nachwirkungen des Hurrikans noch immer zu spüren; der wirtschaftliche Schaden wird auf 3,8 Milliarden US-Dollar geschätzt. Allerdings zeigen die ökonomischen Daten der jüngsten Jahre, dass Honduras und seine Wirtschaft dabei sind, sich von den Folgen des Wirbelsturms zu erholen. Besonders die beiden wichtigsten Exportgüter des Landes, Kaffee und Bananen, deren Anbauflächen im Laufe der durch Mitch verursachten Überschwemmungen zu 70 Prozent zerstört worden waren, werden heute wieder auf dem gleichen Niveau wie vor der Katastrophe produziert. Ohne die internationalen Hilfsgelder wäre es Honduras erheblich schwerer gefallen, die Auswirkungen des Sturms auszugleichen und das Land wieder aufzubauen.

Von der Außenwelt abgeschnitten

Die Menschen auf den vor Honduras gelegenen Inseln Roatán, Utila und Guanaja warten am Montag, den 26. Oktober 1998 auf den Mitch getauften Hurrikan, der in die höchstmögliche Kategorie Fünf eingestuft wird. 1974 hatte Hurrikan Fifi große Zerstörungen und 8.000 Tote mit sich gebracht – bei einer Wind-Kategorie von zwei. Die idyllischen Karibik-Inseln mit ihrer ganz speziellen Bevölkerungsmischung aus schwarzen Garífunas mit ihrer eigenen Sprache, schwarzen Engländern, die altertümliches Englisch sprechen und spanischsprachigen Festland-Hondureños sind ein beliebtes Touristenziel.

Der angekündigte Sturm weist nicht nur sehr starke Winde mit Windextremen von 320 Stundenkilometern auf, er bringt nicht nur große Regenmengen mit sich, sondern er dreht sich mehr als drei Tage lang stationär zwischen der Nordküste des honduranischen Festlands bei Trujillo und der Insel Guanaja. Es gibt zahlreiche Tote und Verletzte, und auf Guanaja werden große Teile der Korallenriffe, der Mangroven und der Kiefernwälder, die meisten Hafenanlagen, Schiffe, Landstege und Häuser zerstört, es bestehen keine Telefonverbindungen mehr, nur gelegentlich gelangen per Funk Nachrichten über die Lage von dort an die Außenwelt. Roatán, Utila und Trujillo auf dem Festland leiden ebenfalls unter dem Sturm, kommen aber einigermaßen glimpflich davon, da sie nicht direkt auf seinem Weg liegen.

Von den Inseln aus bewegt sich der Wirbelsturm nicht wie vorhergesagt nördlich Richtung Mexiko weiter, sondern er dreht südwestlich auf die honduranische Küste. Die Menschen flüchten sich auf die Dächer der Häuser, die noch aus dem Wasser herausragen. Durch den Regen ist es kalt, und viele haben nichts zu essen und können nicht fliehen. In San Pedro Sula, der zweitgrößten Stadt und dem industriellen Zentrum des Landes, 60 Kilometer landeinwärts von der Karibikküste gelegen, bereiten sich die Bewohner auf die baldige Ankunft des Sturms vor, aber eigentlich rechnet man hier, im Inland, nicht mit größeren Schäden. Die Geschäfte werden geschlossen, Rollläden heruntergelassen, Schaufenster vernagelt, Hamsterkäufe für hurrikantaugliche Waren – Wasserflaschen, Kerzen, Batterien, Taschenlampen, Benzin, Kerosin, haltbare Lebensmittel - nehmen zu. Es regnet pausenlos. Immer mehr Brücken werden von den angeschwollenen Flüssen weggerissen, die Straßen sind unpassierbar für Rettungskräfte und Flüchtende.

In der Hauptstadt Tegucigalpa, im Bergland und weit im Inland gelegen, bereiten sich Regierungsstellen, Zivilschutz und internationale Hilfsorganisationen darauf vor, Hilfe an die Küste und auf die Inseln zu schicken. Viele der Helfer kommen nicht weit, da entscheidende Brücken an der Hauptstraße zur Küste schon weggerissen worden sind. Niemand ahnt, dass der Hurrikan abdrehen und sehr lange über dem Festland bleiben wird. Zwar schwächt sich Mitch über dem Festland zum tropischen Sturm ab, führt aber immer noch gewaltige Wassermengen mit sich, die er in den folgenden fünf Tagen abregnet. Täglich gehen etwa 600 Millimeter Regen nieder (1 Millimeter entspricht einem Liter Wasser auf einem Quadratmeter), die Bäche und Flüsse schwellen immer mehr an, bis so viel Wasser die Hänge hinab kommt, dass gigantische Bäume, ganze Häuser, Felsbrocken, Hänge, Brücken und Straßen, Autos und Menschen mitgerissen werden. Viele Familien warten bis zum letzten Moment, in der Hoffnung, dass der Fluss das Haus stehen lassen würde. Andere fliehen zu Verwandten, die höher am Hang, weg vom Wasser, wohnen, um dort schließlich doch von den Wassermassen eingeholt zu werden. An vielen Stellen wird die Landschaft dauerhaft verändert.


08. Januar 2008

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