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Was heißt Antisemitismus?

Antisemitismus in der DDR


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Thomas Haury
Die DDR verstand und präsentierte sich zeitlebens als genuin "antifaschistischer" Staat. Doch Selbstbild und Selbstdarstellung entsprachen keineswegs der Realität.

Parteitag
Walter Ulbricht, erster Sekretär des ZK der SED, auf dem VI. Parteitag der SED 1963. Foto: picture-alliance / akg-images

Keine Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Holocaust und deutscher Schuld

Eine Auseinandersetzung um Schuld und Mitverantwortung an den Verbrechen des Nationalsozialismus, wie sie in der BRD ab Ende 1950er Jahre zögernd begann, wurde in der DDR nie geführt. Zum einen wollte die SED ihre ohnehin geringe Akzeptanz bei der Bevölkerung nicht noch weiter gefährden. Daher lautete das Angebot an die Millionen ehemaliger Mitglieder und Sympathisanten der NSDAP: Wer sich loyal zum neuen Regime verhält, über dessen NS-Vergangenheit wird hinweg gesehen.

Zum anderen konnte und wollte die SED mit ihrer "Klassentheorie" im Nationalsozialismus nie mehr sehen als ein vom "Finanzkapital" installiertes Marionettenregime zur Unterdrückung der Arbeiterklasse. Die Shoah galt der SED nur als ein NS-Verbrechen unter vielen. Im Vordergrund stand für sie – gerade auch um die eigene Herrschaft zu legitimieren – die Verfolgung der Kommunisten. Ebenso verfälschend erklärte sie auch den Antisemitismus als eine bloße Ablenkungsideologie der Herrschenden zur Spaltung und Täuschung der Unterdrückten. Das an sich gute "deutsche Volk" sei allenfalls "verführt" worden und habe selbst unter dem Nationalsozialismus gelitten.

Zur Person
Dr. Thomas Haury
Geb. 1959, studierte Soziologie und Geschichte. Derzeit in verschiedenen Bildungseinrichtungen tätig. Dissertation zum Thema "Antisemitismus von links: Kommunistische Ideologie, Nationalismus und Antizionismus in der frühen DDR."

Mit der Enteignung der Kapitalisten, so verkündete die SED, habe die DDR die Ursachen von Faschismus und Antisemitismus "mit der Wurzel ausgerottet". Mit dieser bequemen Entlastungsformel zog die SED einen "dicken roten Schlussstrich" unter die NS-Zeit und behauptete fortan kategorisch, ihr "neues Deutschland" habe mit der jüngsten deutschen Vergangenheit rein gar nichts mehr zu tun.

Strikte Ablehnung von Wiedergutmachung

Mittels ihrer kommunistisch verbrämten Schlussstrichargumentation lehnte es die SED auch bis kurz vor ihrem Ende ab, irgendwelche Zahlungen an Israel oder internationale jüdische Organisationen zu leisten. Mit der Enteignung der Kapitalisten, so behauptete die SED jahrzehntelang, habe sie die beste Wiedergutmachung geleistet, die überhaupt nur denkbar sei. Ebenso lehnte die SED auch jegliche Rückerstattung "arisierter" jüdischer Betriebe oder eine Entschädigung für von den Nazis enteignete jüdische Vermögen ab. Zahlungen oder Rückgaben an im Ausland lebende "jüdische Kapitalisten" oder deren Erben seien vom sozialistischen Deutschland nicht zu erwarten, lautete die deutlich von antisemitischen Bildern geprägte Argumentation der SED. Die "arisierten" Betriebe wurden in sozialistisches deutsches "Volkseigentum" überführt.

Allerdings wurde den in der DDR wohnenden Holocaust-Überlebenden als "Opfer des Faschismus" eine durchaus ansehnliche Rente gewährt. Vom Nationalsozialismus verfolgte Kommunisten jedoch erhielten das Prädikat "Kämpfer gegen den Faschismus" und eine deutlich höher bemessene Rente.


28. November 2006

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Antisemitismus von links: Beitrag von Toralf Staud in der ZEIT

Muslimischer Antisemitismus: Beitrag von Bassam Tibi in der ZEIT

Neuer Antisemitismus: Beitrag von Leon de Winter in der ZEIT

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