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Dossier innerstaatliche Konflikte

Konfliktporträts

Für 2006 registrierte das Konfliktbarometer des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung insgesamt 278 politische Konflikte. Sechs davon waren Kriege (2005: 2) und 29 ernste Krisen (2005: 26) mit massivem Gewalteinsatz. 83 Konflikte (2005: 90) waren durch einen sporadischen Gewalteinsatz gekennzeichnet. Etwa 90 Prozent der Konflikte werden in Entwicklungsländern ausgetragen. Immer geht es um die Neu- und Umverteilung von Macht, Territorien und Ressourcen. Doch jeder Konflikt hat ein ganz eigenes Gesicht.

Lutz Schrader

Innerstaatliche Konflikte zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Innerstaatliche Konflikte werden wohl auch in Zukunft ein zentrales Problem der internationalen Politik bleiben. Und dass, obwohl die internationale Gemeinschaft substanzielle Fortschritte bei der Bearbeitung dieser Konflikte macht, die immer auch regional ausstrahlen.

Bente Aika Scheller

Afghanistan

Die Situation in Afghanistan ist noch immer schwierig. Die internationale Gemeinschaft sucht nach einer Strategie, um bisherige Ergebnisse in der institutionellen und wirtschaftlichen Entwicklung zu stabilisieren. Und das erneute Vordringen der Taliban zu stoppen.

Jan Claudius Völkel

Äthiopien

In Äthiopien sind innerstaatliche und regionale Konflikte eng miteinander verwoben. Die politische Föderalisierung entlang ethnischer Grenzen hat bislang eher zur Verschärfung der Konflikte geführt. Was kann zu einer Befriedung beitragen?

Ingo Niebel

Baskenland

Nach dem gescheiterten Verhandlungsprozess (2006/07) mit der sozialistischen Zapatero-Regierung führt die ETA ihre Attentate gegen spanische Einrichtungen fort. Die lange Geschichte des Konflikts zeigt aber: Es gibt keine Alternative zu einer Verhandlungslösung.

Markus Reger

Birma

Die seit 1988 regierende Militärjunta in Birma ist bemüht, ihre Macht auszuweiten - sowohl gegenüber der politischen Opposition als auch gegenüber den zahlreichen ethnischen Minderheiten. Der Versuch, eine neue zentralistische Verfassung durchzusetzen, birgt das Risiko einer weiteren Eskalation der bewaffneten Auseinandersetzungen.

Kristin Kupfer

China - Tibet

Nach den Unruhen im März 2008 ist der Tibet-Konflikt in politisches Fahrwasser gelenkt worden. Doch bestehen kaum Chancen für eine Autonomielösung, wie sie der Dalai Lama anstrebt. Die chinesische Führung beharrt weiterhin auf absoluter Kontrolle Tibets.

Kristin Kupfer

China - Xinjiang

Anfang Juli 2009 kam es in der autonomen Region Xinjiang im Westen Chinas zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen der muslimischen Mehrheit der Uighuren, chinesischen Sicherheitskräften und der han-chinesischen Bevölkerung.

Marion Kipiani

Georgien

Mit der Eskalation der Grenzscharmützel zwischen Georgien und der abtrünnigen Provinz Südossetien zu einem Krieg hat sich der Konflikt weiter verhärtet. Russland hat mit der Anerkennung Südossetiens und Abchasiens Tatsachen geschaffen. Georgien sucht seinerseits Beistand bei NATO und EU.

Karsten Bechle

Guatemala

Guatemala ist ein Negativbeispiel dafür, was passieren kann, wenn sich ein Land nicht ausreichend mit Ursachen und Folgen eines Bürgerkrieges auseinandersetzt. Es besteht zwar eine formale Demokratie. Doch der Konflikt schwelt weiter.

Patrick Ziegenhain

Indonesien/Aceh

Seit die ehemalige separatistische GAM ins politische System der Provinz Aceh integriert wurde, hat sich die Lage in der indonesischen Provinz spürbar beruhigt. Risiken bestehen aber noch immer: Die wirtschaftliche Stagnation und die nicht aufgearbeiteten Menschenrechtsverletzungen könnten Aceh künftig weiter destabilisieren.

Tilman Lüdke

Irak

Seitdem sich die US-Truppen aus immer mehr Territorien zurückziehen, hat die Gewalt im Irak wieder zugenommen. Insbesondere das lokale Terrornetzwerk von al-Qaida versucht, den Friedensprozess zu torpedieren.

Katja Schubert / Jakob Rösel

Kaschmir

Durch die blutigen Attentate von November 2008 im indischen Mumbai hat sich der Konflikt zwischen den Nachbarländern Indien und Pakistan um die Kaschmir-Region erneut zugespitzt. Indien wirft Pakistan vor, den islamistischen Terrorismus zu unterstützen, während Pakistan Indien für massive Menschenrechtsverletzungen verantwortlich macht.

Sebastian Rötters

Kolumbien

Kolumbiens Präsident Alvaro Uribe möchte den Bürgerkrieg hauptsächlich mit militärischen Mitteln lösen. Die linksgerichtete Guerilla wurde zwar zurückgedrängt, die Ursachen des Konflikts bleiben aber unbearbeitet. Die Demobilisierung der gegen die Guerilla kämpfenden Paramilitärs entpuppt sich als Farce.

Helge Roxin

Demokratische Republik Kongo

Trotz internationaler Missionen wird im Kongo weiter gekämpft. Ein dauerhafter Frieden hängt vor allem von der Kooperation der kongolesischen und ruandischen Regierung ab.

Julia Nietsch

Kosovo

Seit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo im Februar 2008 ist die Situation stabil geblieben. Die EULEX-Mission der EU zur Gewährleistung von Rechtsstaatlichkeit trägt erste Früchte. Der Konflikt mit Serbien schwelt allerdings weiter, da es die Unabhängigkeit nicht anerkennt.

Jan Claudius Völkel

Kurdenkonflikt

Die Türkei hat die Rechte der kurdischen Bevölkerung im Zuge der EU-Beitrittsverhandlungen leicht verbessert. Im Irak genießen sie heute weitreichende Autonomie. Iran und Syrien respektieren sie allerdings kaum als eigene Volksgruppe.

Heiko Wimmen

Libanon

Im November 2009 kam es im Libanon zur Bildung einer Regierung der "nationalen Einheit". Das Land bleibt dennoch gespalten in religiöse und politische Lager. Es besteht weiter die Gefahr, dass regionale Konflikte zur Verschärfung der Gegensätze und neuer Gewalt führen.

Lutz Schrader

­Mazedonien

Nach dem friedlichen Verlauf der Präsidentschafts- und Kommunalwahlen im Frühjahr 2009 gilt der Demokratietest der mazedonischen Führung als bestanden. Dennoch besteht erhebliches Konfliktpotenzial, nicht zuletzt wegen der nationalistischen Identitätspolitik der Regierung.

Margret Johannsen

Nahost

Der Gaza-Krieg um die Jahreswende 2008/09 hat erneut gezeigt, welches Gewaltpotenzial der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern enthält. Verhandlungen mit dem Ziel, einen Staat Palästina an der Seite Israels zu errichten und den Konflikt zu beenden, verliefen bisher ergebnislos. Angesichts des israelischen Siedlungsbaus in den besetzten Gebieten wachsen die Zweifel, dass sich der Konflikt auf der Basis von Zweistaatlichkeit beilegen lässt.

Tobias Denskus

Nepal

Im April 2006 leiteten friedliche Massenproteste einen Friedensprozess ein. Ethno-politische Konfliktlinien werden aber nach wie vor von kleineren Parteien und Gruppierungen aufrechterhalten. Das südasiatische Land steht zudem vor immensen Herausforderungen im Bereich der Nahrungssicherung und des nachhaltigen Tourismus.

Marcel M. Baumann

Nordirland

Im Frühjahr 2009 kam es zu Übergriffen extremistischer Kräfte. Den Friedensprozess konnte sie aber nicht gefährden. Die gemeinsame Regierungsarbeit von Sinn Féin und der Democratic Unionist Party (DUP) erweist sich seit mehr als zwei Jahren als stabil.

Lioba Lenhart

Nord-Uganda

Nach mehr als 20 Jahren Bürgerkrieg entspannt sich die Lage in Nord-Uganda. Seit Beginn von Friedensverhandlungen mit der Regierung hat sich die Lord’s Resistance Army (LRA) in die Nachbarstaaten Sudan, Kongo und Zentralafrikanische Republik zurückgezogen. Ein Friedensvertrag wurde bisher nicht unterzeichnet.

Jan Martin Vogel

Philippinen/Mindanao

Die Insel Mindanao im Süden der Philippinen ist Schauplatz eines der größten innerstaatlichen Konflikte der Gegenwart. Anfang August 2008 erklärte das oberste Gericht ein zuvor verinbartes Friedensabkommen für verfassungswidrig. Danach flammten die Kämpfe zwischen muslimischen Rebellen und Zentralregierung wieder auf.

Johann Müller

Simbabwe

Mit der Machtteilung zwischen Mugabe und Tsvangirai von September 2008 unter Vermittlung Südafrikas schienen die Weichen gestellt für den Ausweg aus der tiefen inneren Krise. Aber die Partei von Präsident Mugabe kontrolliert weiterhin alle Schlüsselpositionen. Die Lage hat sich weiter dramatisch verschlechtert.

Gudrun Kramer

Sri Lanka

Die srilankische Regierung hat mit dem militärischen Sieg über die tamilische Befreiungsbewegung LTTE den Konflikt vorerst für sich entschieden. Dabei hat sie massive Opfer in der Zivilbevölkerung in Kauf genommen. Internationalen Organisationen wird noch immer der Zugang zu den Internierungslagern verwehrt.

Ulf Terlinden

Somalia

Unter UN-Vermittlung kam es zum Dschibuti-Abkommen von 2009 - und damit zur Bildung einer Übergangsregierung unter Beteiligung gemäßigter Islamisten und zum Abzug der äthiopischen Truppen. Doch der Bürgerkrieg kommt nicht zur Ruhe. Die Friedenstruppe der Afrikanischen Union schafft es gerade, das Überleben der Regierung zu gewährleisten.

Patrick Ziegenhain

Süd-Thailand

Die Gewalt in Süd-Thailand hält an - trotz konstruktiver Initiativen des seit 2008 regierenden Premierminister Abhisit Vejjajiva. Auch wenn die fünf muslimischen Provinzen in der jüngeren Vergangenheit erheblich mehr staatliche Zuwendungen erhielten als zuvor, verstummt der Ruf nach Selbständigkeit nicht.

Manfred Öhm

Sudan/Darfur

Im Sudan kämpfen verschiedene Gruppen um Macht und Ressourcen. Der Krieg zwischen der Zentralregierung und den Rebellen aus der Region Darfur ist Ausdruck dieses Streits. Verhandlungen und Friedensmissionen konnten die Situation nicht verbessern.

Helga Dickow

Tschad

Im Schatten des Darfur-Konflikts im Sudan hat sich der Macht- und Ressourcenkonflikt im Tschad zugespitzt. Präsident Déby konnte unter Nutzung der internationalen Militärpräsenz seine Macht stabilisieren. Seine Gegner versuchen, die unübersichtliche Situation im Grenzland zum Sudan und zur Zentralafrikanischen Republik zu nutzen, um ihren Einfluss zu stärken.


 
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