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Dossier innerstaatliche Konflikte

Konfliktporträts


Lutz Schrader

Innerstaatliche Konflikte zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Innerstaatliche Konflikte werden wohl auch in Zukunft ein zentrales Problem der internationalen Politik bleiben. Und dass, obwohl die internationale Gemeinschaft substanzielle Fortschritte bei der Bearbeitung dieser Konflikte macht, die immer auch regional ausstrahlen.

Bente Aika Scheller

Afghanistan

Mit der Übergabe der Sicherheitsverantwortung für mehrere Provinzen, Städte und Distrikte an die afghanische Regierung werden erste Vorbereitungen für den schrittweisen Abzug der internationalen Truppen getroffen. Angesichts des Vormarschs der Taliban erscheint eine dauerhafte Befriedung des Landes jedoch in weite Ferne gerückt.

Jan Claudius Völkel

Äthiopien

In Äthiopien sind innerstaatliche und regionale Konflikte eng miteinander verwoben. Eine Hungersnot verschärft seit Sommer 2011 die Situation. Die ethno-politische Föderalisierung hat bislang eher zur Vertiefung ethnischer Grenzen und Zuspitzung der Konflikte geführt.

Ingo Niebel

Baskenland

Nachdem die ETA Anfang 2011 einen "allgemeinen, dauerhaften und verifizierbaren" Waffenstillstand verkündet und das Primat der Politik vor dem bewaffneten Kampf anerkannt hat, besteht die berechtigte Hoffnung, dass sich der Konflikt über Verhandlungen lösen lässt.

Markus Reger

Birma/Myanmar

Die Öffnung des Militärregimes hat zwar nicht die Dominanz des Militärs beseitigt, aber doch neue politische Spielräume geschaffen. Der neue Präsident Thein Sein versucht, sich als Reformer zu profilieren. In den Gebieten ethnischer Minderheiten haben bewaffnete Auseinandersetzungen jedoch wieder zugenommen.

Kristin Kupfer

China - Tibet

Nach den Unruhen im März 2008 wurde der Tibet-Konflikt in politisches Fahrwasser gelenkt. Dennoch halten in den autonomen tibetischen Regionen die Proteste an. Die vom Dalai Lama vertretene Autonomielösung lehnt die chinesische Führung als "Eingriff in die territoriale Integrität" ab.

Kristin Kupfer

China - Xinjiang

Anspannung und Misstrauen bestimmen weiterhin die Situation in der autonomen Region Xinjiang im Westen Chinas. Am 2. Jahrestag der Unruhen vom Juli 2009 kam es erneut zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen der muslimischen Mehrheit der Uighuren, chinesischen Sicherheitskräften und der han-chinesischen Bevölkerung

Johannes Vüllers

Elfenbeinküste

Nach dem Tod des seit 1960 regierenden Präsidenten Houphouët-Boigny (1993) brachen die Gegensätze zwischen den politischen Lagern offen auf. Nun fehlte eine integrierende politische Idee und Identität. Wie anderswo versuchten politische Eliten, aus ethnischen Unterschieden politisches Kapital zu schlagen.

Marion Kipiani

Georgien

Mit der Eskalation der Grenzscharmützel zwischen Georgien und der abtrünnigen Provinz Südossetien zu einem Krieg (2008) hat sich der Konflikt weiter verhärtet. Russland hat mit der Anerkennung Südossetiens und Abchasiens Tatsachen geschaffen. Georgien sucht seinerseits Beistand bei NATO und EU.

Tilman Lüdke

Irak

Seitdem sich die US-Truppen aus immer mehr Territorien zurückziehen, hat die Gewalt im Irak wieder zugenommen. Insbesondere das lokale Terrornetzwerk von al-Qaida versucht, den Friedensprozess zu torpedieren.

Sebastian Sons

Jemen

Jemen wurde schon sehr früh von der Dynamik des "arabischen Frühlings" erfasst. Doch bisher ist kein Ausweg aus der tiefen innenpolitischen Krise in Sicht. Der seit über 40 Jahren herrschende Ali Abdallah Saleh lässt die Armee brutal gegen die Demokratie-Bewegung vorgehen.

Katja Schubert / Jakob Rösel

Kaschmir

Durch die blutigen Attentate von November 2008 im indischen Mumbai hat sich der Konflikt zwischen den Nachbarländern Indien und Pakistan um die Kaschmir-Region erneut zugespitzt. Indien wirft Pakistan vor, den islamistischen Terrorismus zu unterstützen, während Pakistan Indien für massive Menschenrechtsverletzungen verantwortlich macht.

Sebastian Rötters

Kolumbien

Kolumbiens Präsident Alvaro Uribe möchte den Bürgerkrieg hauptsächlich mit militärischen Mitteln lösen. Die linksgerichtete Guerilla wurde zwar zurückgedrängt, die Ursachen des Konflikts bleiben aber unbearbeitet. Die Demobilisierung der gegen die Guerilla kämpfenden Paramilitärs entpuppt sich als Farce.

Helge Roxin

Demokratische Republik Kongo

Weniger Kämpfe, weniger Tote, und trotzdem mehren sich die Anzeichen für eine erneute Eskalation der Lage im Kongo. Denn die autoritären Tendenzen der Kabila-Regierung und massive Menschenrechtsverletzungen nehmen weiter zu. Und die Reformagenada wird nur langsam umgesetzt.

Julia Nietsch

Kosovo

Die Beziehungen zwischen Kosovo-Albanern und -Serben sind weiterhin gespannt. Während der größte Teil des Landes weitgehend stabil ist, hat sich die Lage im Nordkosovo wieder zugespitzt. Dort wehrt sich die von Belgrad unterstützte serbische Mehrheitsbevölkerung mit allen Mitteln gegen Versuche der kosovarischen Regierung, ihre Kontrolle auf das gesamte Staatsterritorium auszudehnen.

Jan Claudius Völkel

Kurdenkonflikt

Die Türkei hat die Rechte der kurdischen Bevölkerung im Zuge der EU-Beitrittsverhandlungen leicht gestärkt. Im Irak genießen sie heute weitreichende Autonomie. Iran respektiert sie kaum als eigene Volksgruppe. In Syrien sind Verbesserungen im Zuge der Unruhen vom Frühsommer 2011 absehbar.

Heiko Wimmen

Libanon

Die Geschichte des Libanon ist geprägt von einem Wechsel zwischen Phasen friedlicher Machtteilung und erbitterten Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Es besteht weiter die Gefahr, dass regionale Konflikte zur Verschärfung der inneren Gegensätze und Gewalt führen.

Wolfram Lacher

Libyen

Nach dem Zusammenbruch des Gaddafi-Regimes wird die Zukunft des Landes unter anderem davon abhängen, ob die revolutionären Kräfte die ehemals zu Gaddafi stehenden Stämme in die neue Ordnung einbinden. Auch Machtkämpfe innerhalb des revolutionären Lagers bergen erhebliches Konfliktpotenzial.

Karsten Bechle

Mexiko

Seit 2006 eskalierten der Kampf des mexikanischen Staates gegen die Drogenkartelle und die Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Gruppierungen. Mittlerweile kann man schon von einem Krieg sprechen. Allein 2010 starben dabei über 10.000 Menschen. Die militärischen Lösungsversuche sind in eine Sackgasse geraten.

Margret Johannsen

Nahost

Die PLO will mit dem Aufbau eines eigenen Staates den Friedensprozess neu beleben und von Israel als Partner auf Augenhöhe akzeptiert werden. Israel hingegen setzt auf bilaterale Verhandlungen.

Marcel M. Baumann

Nordirland

Die gemeinsame Regierungsarbeit von Sinn Féin und der Democratic Unionist Party (DUP) erweist sich seit mehr als vier Jahren als stabil. Daran konnten auch neue Gewaltausbrüche in den Jahren 2010 und 2011 nichts ändern.

Regine Heller

Nordkaukasus

Die Gewalt im Nordkaukasus betrifft schon lange nicht mehr nur Tschetschenien. In den letzten Jahren hat eine Ausweitung des Konflikts auf die benachbarten russischen Teilrepubliken stattgefunden. Bei den Gewaltakteuren ist ein Ideologiewandel vom Ethno-Nationalismus zum islamischen Fundamentalismus zu beobachten.

Lioba Lenhart

Nord-Uganda

Trotz des Scheiterns der Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und der Lord’s Resistance Army (LRA) ist die Lage in Nord-Uganda ruhig. Die LRA hat die Region verlassen und richtet ihre Aktionen seither gegen die Zivilbevölkerung in Süd-Sudan, Ost-Kongo und der Zentralafrikanischen Republik.

Thomas Lehmann / Katja Schubert

Pakistan

In Pakistan sorgen radikale Islamisten und andere Gruppen für ein gesellschaftliches Klima tagtäglicher Gewalt und religiöser Intoleranz. Obwohl die Extremisten bei keiner Wahl mehr als 10 Prozent der Wählerstimmen erreichten, sind sie ein ernst zu nehmender Faktor im Land.

Beatrice Schlee

Simbabwe

Simbabwe hat trotz Bildung einer „Regierung der nationalen Einheit“ (seit Februar 2009) noch keinen dauerhaften Ausweg aus der humanitären, wirtschaftlichen und politischen Krise gefunden. Die für März 2012 angekündigten Wahlen dürften hieran wenig ändern.

Markus Virgil Höhne

Somalia

Die Hungerkatastrophe in Somalia hat dem Konflikt im Land eine Wendung gegeben. Die Übergangsregierung konnte sich vorerst gegen die militanten Islamisten durchsetzen, unterstützt durch die AU-"Friedenstruppe" AMISOM. Die islamistischen Milizen hatten die Katastrophe lange geleugnet und durch ihr Verhalten zu deren Eskalation beigetragen.

Patrick Ziegenhain

Süd-Thailand

Seit 2004 sind sechs thailändische Regierungen daran gescheitert, die Sezessionsbewegung der muslimisch-malayischen Minderheit im Süden des Landes einzudämmen. Die neue Premierministerin hat im Wahlkampf eine partielle Autonomie in Aussicht gestellt, wogegen die Armeeführung jedoch umgehend Widerstand ankündigte.

Manfred Öhm

Sudan/Darfur

Im Sudan kämpfen verschiedene Gruppen um Macht, Ressourcen und kulturelle Selbstbestimmung. Der Krieg zwischen der islamistischen Zentralregierung und den Rebellen aus der Region Darfur ist Ausdruck dieses Streits. Verhandlungen und Friedensmissionen konnten die Situation bislang nicht verbessern.

Carsten Wieland

Syrien

Der "Arabische Frühling" hat die Legitimität des syrischen Regimes stark beschädigt. Die anti-imperialistische und anti-israelische Rhetorik des Baath-Regimes kann die Unzufriedenheit großer Teile der Bevölkerung nicht mehr überdecken. Zudem wirken starke externe Interessen im östlichen Mittelmeerraum.

Konfliktporträts

Tadschikistan

Die Folgen des Bürgerkriegs von 1992 bis 1997 sind bis heute nicht überwunden. Nach einer deutlichen Verbesserung der Sicherheitslage im ganzen Land kam es zwischen 2009 und dem Frühjahr 2011 in der zentraltadschikischen Gebirgsregion Gharm erneut zu militärischen Auseinandersetzungen.


 
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