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Aktuelle Situation

Die "Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands" (MLPD)


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Eine analytische Betrachtung zu Entwicklung und Stellenwert einer politischen Sekte
Armin Pfahl-Traughber
Sie ist die zweitgrößte orthodox-kommunistische Organisation in Deutschland: Die MLPD pflegt einen ideologischen Dogmatismus wie kaum eine andere Gruppe im linksextremen Spektrum. Und isoliert sich damit selbst.

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Website der MLPD: Verherrlichung von Stalin und Mao Tse Tung. Screenshot, April 2008
Einleitung und Fragestellung

Nachdem das Ausmaß von Verbrechen in kommunistischen Diktaturen mittlerweile allgemein bekannt geworden ist, bekennen sich selbst Linkextremisten orthodox- kommunistischen Typs kaum noch offen zu Mao und Stalin. Beide Politiker hatten im 20. Jahrhundert eine ähnlich hohe Zahl von Todesopfern zu verantworten wie Hitler. Ein relativ offenes Bekenntnis zu ihnen kann man allerdings immer noch bei der "Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands" (MLPD) ausmachen. Dabei handelt es sich nach der "Deutschen Kommunistischen Partei" (DKP) um die zweitgrößte orthodox-kommunistische Organisation in Deutschland. Hier soll ihre Entwicklung und ihr Stellenwert dargestellt und eingeschätzt werden. Dabei zeigen sich bei der MLPD Merkmale einer politischen Sekte, wobei diese Bezeichnung nicht als polemische Kategorie gelten soll. Damit kann man am prägnantesten die besondere ideologische Dogmatik, innere Struktur und gesellschaftliche Isolation der Partei begrifflich erfassen.

Die Entstehung aus der K-Gruppen-Szene

Die MLPD ging aus der maoistischen K-Gruppenszene der 1970er Jahre hervor. Sie entstand wiederum personell wie politisch aus der zerfallenden Achtundsechziger Bewegung. Die marxistisch-leninistisch geprägten Teile, die nicht in Richtung der DKP orientiert waren, gründeten zahlreiche kleinere Organisationen. Sie bezogen sich überwiegend auf das damalige maoistische China, verehrten teilweise aber auch die frühere stalinistische Sowjetunion. Trotz der grundlegenden ideologischen Gemeinsamkeiten gab es zwischen den einzelnen Gruppen heftige Konflikte um die richtige politische und strategische Auslegung der Ideologie. Dies führte zum einen dazu, dass die Gruppen aufgesplittert blieben und somit keine größere politische Wirkung entfalten konnten und zum anderen dazu, dass sie sich in gegenseitigen Selbstzerfleischungen ergingen und ständigen Spaltungsprozessen ausgesetzt waren. Zu den bekannteren Gruppen gehörten der "Kommunistische Bund" (KB) und der "Kommunistische Bund Westdeutschland" (KBW).

Zur Person
Prof. Dr. Armin Pfahl-Traughber
Geb. 1963, studierte Politikwissenschaft und Soziologie. Von 1994 bis 2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referatsleiter in der Abteilung Rechtsextremismus des Bundesamtes für Verfassungsschutz, seit 2004 Prof. an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung Brühl und Heimerzheim.

Gründung und Entwicklung der Partei

1982 entstand aus dem "Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands" (KABD), der ebenfalls zu den maoistischen K-Gruppen gehörte, die MLPD. Es handelte sich hier um den Zusammenschluss zweier früher selbständiger Organisationen, dem "Kommunistischen Arbeiterbund (Marxisten-Leninisten)" und der "Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten (Revolutionärer Weg)". Zu den führenden Personen der letztgenannten Organisation gehörte der Altkommunist Willi Dickhut, der auch nach seinem Tod heute noch als Person und mit seinen Werken innerhalb der MLPD hohes Ansehen genießt. Als Vorsitzenden wählte man indessen den gelernten Schlosser Stefan Engel, er hat diese Amt seit der Gründung der Partei ununterbrochen inne, und um ihn herum wird innerhalb der MLPD eine Art "Personenkult" auf niedriger Ebene gepflegt. Bereits im Gründungsjahr verfügte man über 900 Mitglieder und war daher die stärkste Organisation der damals noch bestehenden K-Gruppen.

Programmatische Grundpositionen

In ihrem aktuell gültigen Parteiprogramm von 1999 geht die MLPD davon aus, dass in Deutschland und anderen Industrieländern das Monopolkapital mit dem Staatsapparat verschmolzen sei. Der Prozess der Fäulnis und Zersetzung der ideologischen, ökonomischen und politischen Kräfte des kapitalistischen Gesellschaftssystems verschärfe sich allseitig. Die einzige Alternative zu dieser Entwicklung bestehe in einem neuen Aufschwung des Kampfs um den Sozialismus. Die Arbeiterklasse müsse nach dem Sturz der Diktatur der Monopolkapitalisten und der Eroberung der Staatsmacht die Diktatur des Proletariats errichten und die Produktionsmittel in gemeinsames Eigentum des gesamten werktätigen Volkes überführen. Die MLPD habe im Vorfeld dieser angestrebten Entwicklung die Aufgabe, in beharrlicher Kleinarbeit die entscheidende Mehrheit der Arbeiterklasse für den Sozialismus zu gewinnen und ihre Kämpfe zu einem Kampf gegen das Monopolkapital und seinen Staat höher zu entwickeln.

Offenes Bekenntnis zu Mao und Stalin

Die politische Ausrichtung der MLPD lässt sich auch aus ihrer ideengeschichtlichen Selbstverortung ablesen. Im Parteiprogramm heißt es, die Lehren von Marx, Engels, Stalin und Mao Tsetung bildeten die entscheidende Grundlage für den Kampf für den Sozialismus. Und in der Parteizeitung "Rote Fahne" findet sich regelmäßig folgende Auffassung in einem Selbstportrait: Ausgangspunkt für die Gründung der MLPD sei eine grundsätzliche Kritik am Verrat des Sozialismus in der Sowjetunion und der DDR nach dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 gewesen. Dort sei wie nach dem Tode Maos auch in China der Sozialismus zerstört worden, weil die demokratische Kontrolle über die verantwortlichen Führer in Partei, Wirtschaft und Staat nicht mehr ausgereicht habe. Aus Sicht der MLPD gab es demnach unter den beiden Diktatoren Mao und Stalin in China und der Sowjetunion eine ausreichende demokratische Kontrolle, welche durch den Verrat am wahren Sozialismus durch eine kleinbürgerliche Denkweise abgelöst worden sei.


26. Februar 2008

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