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Verfassungsgeschichte vor 1948
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Deutschland in der Weltpolitik 1945-1948 |
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| Thomas Freiberger |
Bereits vor Ende des Zweiten Weltkrieges machten sich die Alliierten Gedanken über die Zukunft Deutschlands. Doch nach der Kapitulation Deutschlands wurde schnell klar, dass sich die Alliierten nicht auf einen gemeinsamen Weg einigen konnten. Alles lief auf eine Zweistaatenlösung hinaus.
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| Der "Handschlag von Torgau". Foto: AP |
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 |  | Es gibt wohl kaum ein symbolträchtigeres Foto zum Ende des Zweiten Weltkrieges als jenes vom 25. April 1945, das sowjetische und amerikanische Truppen in Torgau an der Elbe zeigt. Auf den Trümmern der Elbbrücke reichen sich die Soldaten der beiden Siegermächte die Hände.
Der "Handschlag von Torgau" markiert das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa – aber auch das vorläufige Ende der staatlichen Existenz Deutschlands. Zugleich symbolisiert er den Beginn der Besatzungsherrschaft in Deutschland und die Hoffnung auf eine friedliche Nachkriegsordnung. Rückblickend zeigt das Bild jedoch auch den Händedruck zweier zukünftiger Feinde.
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Zur Person |
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Thomas Freiberger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichts- wissenschaften der Universität Bonn. Seine Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Geschichte der amerikanischen Außenpolitik und der internationalen Beziehungen im Kalten Krieg. Zurzeit promoviert er über Allianzpolitik in der Suezkrise 1956. |  |
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 |  | Innerhalb von nur 16 Monaten nach dem Kriegsende in Europa zerbrach jegliche Grundlage für eine Nachkriegskooperation zwischen den USA und Großbritannien einerseits und der Sowjetunion andererseits. Das Ende des Zweiten Weltkrieges brachte nicht nur den ersehnten Frieden nach Europa, sondern war auch Ausgangspunkt für den Kalten Krieg und die Teilung Deutschlands in zwei Staaten. Als wesentliche Ursachen für diese weltpolitische Entwicklung sind drei Faktoren anzuführen:
Der Kalte Krieg war eine zutiefst ideologische Auseinandersetzung, in der sich zwei unterschiedliche Gesellschaftsordnungen mit universellem Geltungsanspruch gegenüberstanden. Mit der russischen Oktoberrevolution im Jahr 1917 war dieser Gegensatz zwischen dem "American way of Life" und dem "Kommunismus" bereits im Keim angelegt.
Erst der von Hitler verursachte Zweite Weltkrieg brachte diese beiden gegensätzlichen Ordnungsvorstellungen auch in Europa in eine geostrategische Frontstellung.
Die rasche Entwicklung von thermonuklearen Waffen zementierte schließlich diesen Systemgegensatz und damit auch das Schicksal der beiden deutschen Teilstaaten für mehrere Jahrzehnte.
Ohne die Furcht vor dem nuklearen Krieg sind die lange Dauer und die Gefährlichkeit des Ost-West-Konflikts nicht zu begreifen. Aber wie kam es zu dieser Entwicklung?
Die Gewaltexzesse des Zweiten Weltkrieges hatten nicht nur Zerstörung und Leid über die Welt gebracht, sondern auch jegliche völkerrechtliche Verbindlichkeit in der Staatenwelt zerrüttet. Es lag an den beiden mächtigsten Siegern des Krieges, den USA und der UdSSR, eine neue Nachkriegsordnung zu errichten. Dabei wurden die Siegermächte im Kern von zwei Motiven angetrieben: Der Furcht vor einem weiteren Krieg und den gestalterischen Möglichkeiten, die ein zusammengebrochenes Staatensystem bot.
Die Nachkriegsplanungen der Siegermächte für Deutschland
Die Planungen der "Großen Drei" (USA, Großbritannien, UdSSR) wichen nicht nur zum Teil erheblich voneinander ab, sondern unterlagen auch einem teilweisen Wandel. Nicht selten waren die Konzepte vage und von taktischen Erwägungen bestimmt. Zudem konnte die Vernunftallianz zwischen den USA, Großbritannien und der UdSSR im Krieg zu keinem Zeitpunkt wirklich das tiefsitzende Misstrauen ausräumen, das Roosevelt, Churchill und Stalin untereinander hegten.
Entscheidend war allerdings, dass alle drei Staatsmänner eine Nachkriegskooperation anstrebten, jedoch jeder zu seinen eigenen Bedingungen. Dies wurde schließlich an den unterschiedlichen Sicherheitsvorstellungen deutlich. So war eine Hauptursache des Kalten Krieges, dass Stalin Sicherheit mit Herrschaft über die eroberten Territorien gleichsetzte - Roosevelt und Churchill dies aber eben nicht taten.
Im Krieg hatten sich auf Seiten der Alliierten zwei Minimalziele herauskristallisiert: Deutschland sollte militärisch besiegt und sein künftiges Machtpotenzial gebrochen werden. Aufgrund dieser beiden Zielsetzungen einigten sich Roosevelt, Churchill und Stalin im Jahr 1943 darauf, den Kampf gegen das "Deutsche Reich" bis zur "bedingungslosen Kapitulation" der Deutschen fortzuführen. Mit der Unterzeichnung dieser bedingungslosen Kapitulation am 7. Mai in Reims und am 8. Mai 1945 in Berlin-Karlshorst endete daher nicht nur formal der Krieg in Europa, sondern auch die staatliche Existenz Deutschlands. Dieser Vorgang stellte ein völkerrechtliches Novum dar.
Der "Morgenthau-Plan" der USA
Franklin D. Roosevelts Nachkriegsordnung basierte auf einem dem Völkerbund ähnlichen System kollektiver Sicherheit, das durch die vier mächtigsten Mitgliedstaaten - die "Four Policemen" - USA, UdSSR, Großbritannien und China, garantiert werden sollte. Der amerikanische Präsident hoffte, durch die Anerkennung sowjetischer Sicherheitsbedürfnisse, eine Nachkriegskooperation zu amerikanischen Bedingungen erreichen zu können. Er setzte dabei im persönlichen Kontakt mit Stalin auf sein Charisma im Umgang mit Menschen.
Mit Blick auf das künftige Schicksal Deutschlands plädierte Roosevelt für eine harte Linie. So unterstützte er im September 1944 Pläne seines Finanzministers Henry Morgenthau, nach dem Krieg alle deutschen Industrieanlagen zu zerstören und Deutschland in einen schwachen Agrarstaat umzuwandeln. Als Roosevelt jedoch erkannte, dass der "Morgenthau-Plan" den Wiederaufbau der gesamten europäischen Wirtschaft verhindern würde, nahm er Abstand von diesem Plan.
Welche Pläne Roosevelt stattdessen mit Deutschland hatte, ist unklar, da er am 12. April 1945 vor Kriegsende starb. Sein außenpolitisch unerfahrener Nachfolger, Harry S. Truman, konzentrierte sich zunächst auf die Fortsetzung der Kooperationspolitik mit der Sowjetunion.
Die Kontrolle Deutschlands war Stalins oberstes Ziel
Stalin hingegen besaß keine präzisen Pläne oder konkreten Strategien zur Verwirklichung seiner Nachkriegsordnung. Aufgrund dieser Ambivalenz bleibt seine Außenpolitik bis heute diffus und widersprüchlich. Stalin war traumatisiert vom deutschen Überfall im Juni 1941 und den Folgen des deutschen Vernichtungskrieges auf sowjetischem Staatsgebiet.
Doch trotz der anfänglich bedrängten Lage hegte Stalin große territoriale Ambitionen. Der Krieg sollte mit der Wiederherstellung der sowjetischen Grenzen von 1941 enden, also einschließlich der durch den Hitler-Stalin-Pakt gewonnenen Gebiete. Überdies war Stalin von dem Gedanken beherrscht, die sowjetische Peripherie aus Sicherheitsgründen kontrollieren zu müssen. So spekulierte Stalin auf die Errichtung einer sowjetisch dominierten Einflusssphäre in Osteuropa.
Dieses Sicherheitsbedürfnis resultierte aus seiner Erfahrung mit den westlichen Mächten. Er hatte die Intervention Englands und Frankreichs im russischen Bürgerkrieg auf Seiten der "weißen" Truppen nicht vergessen und witterte überall "kapitalistische" Verschwörungen. Zudem war er verbittert über die Verzögerungen bei der Errichtung der zweiten Front auf dem Kontinent und zunehmend verärgert über die Kritik an seiner Besatzungspolitik und Einflussnahme in den Staaten Osteuropas.
In all seinen Erwägungen stellte jedoch Deutschland die größte Bedrohung dar. Stalin befürchtete, Deutschland könne sich, wie nach dem Ersten Weltkrieg, innerhalb von 12-15 Jahren wieder erholen. Damit wurde vor allem die Kontrolle Deutschlands und Polens zum Kern von Stalins Nachkriegspolitik. Deutschland sollte zunächst zerschlagen werden und Polen als Pufferstaat und Aufmarschzone dienen.
Stalin war zudem an der ökonomischen Ausbeutung der Besatzungszonen in Form von Reparationen, Demontagen, Technologie- und Wissenstransfer interessiert. Die neue Besatzungszone war für das sowjetische Atomwaffenprogramm unersetzlich, gewann man doch nahezu das gesamte waffenfähige Uran aus Mienen in Sachsen und Thüringen. Nicht zuletzt wollte Stalin die Entstehung einer in seinen Augen stets drohenden Allianz der "kapitalistischen Kräfte" mit Deutschland gegen die UdSSR verhindern.
Churchill plante die "Vereinigten Staaten von Europa"
Auch Churchill besaß eigene Vorstellungen einer Nachkriegsordnung und strebte die Kooperation der "Großen Drei" zu seinen Bedingungen an. Sein Verhältnis zu Stalin war ambivalent, da er einerseits ein Antikommunist reinsten Wassers war, aber andererseits Stalin als Staatsmann bewunderte. Wie Roosevelt glaubte auch Churchill, dass er die Gipfeltreffen mit Stalin und Roosevelt allein durch seine Persönlichkeit beeinflussen könne. Mit Blick auf die Nachkriegswelt wollte Churchill eine dominierende Stellung sowohl der USA als auch der UdSSR verhindern, um so den britischen Weltmachtstatus und das Empire zu bewahren.
Bereits während des Krieges entwickelte er ein vages Konzept der von Großbritannien angeführten "Vereinigten Staaten von Europa", die künftig eine Mittlerrolle zwischen den USA und der UdSSR einnehmen sollten. Diese Vereinigten Staaten sollten aus England, Frankreich, Italien, Spanien und Preußen sowie vier regionalen Konföderationen, welche die skandinavischen, mittelost- und südosteuropäischen Gebiete abdecken sollten, bestehen. Churchills Europakonzept stieß sowohl bei Roosevelt als auch bei Stalin auf Widerstand. Beide führten ihm auf der Konferenz von Teheran (28.11.-1.12.1943) die weltpolitische Zweitklassigkeit Großbritanniens vor Augen.
Deutschlandpolitisch hatte Churchill bereits im Jahr 1943 in Vorahnung einer künftigen sowjetischen Bedrohung vor einer allzu drastischen Schwächung Deutschlands gewarnt. Zwar sahen seine Vereinigten Staaten von Europa die Abtrennung Bayerns und Österreich von Preußen vor, eine vollkommene Schwächung war jedoch nicht im Interesse des europäischen Gleichgewichts.
01. September 2008 |
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Dossier |
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Der Marshallplan - Selling Democracy
Der Marshallplan sollte die enorme wirtschaftliche Not nach dem Zweiten Weltkrieg lindern. Das Dossier informiert über Entstehung, Entwicklung und Wirkungsgeschichte des Marshallplans. |
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Spezial |
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60 Jahre Kriegsende – Wiederaufbaupläne der Städte
Bereits während des Zweiten Weltkrieges wurde über den Wiederaufbau der deutschen Städte diskutiert. Welchen Leitbildern folgte der Städtebau in den zwei deutschen Nationen nach 1945? Vor welchen Aufgaben steht er heute? Ein Spezial über Geschichte und Zukunft der Städteplanung in Deutschland. |
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Informationen zur politischen Bildung |
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Deutschland 1945-1949
Das Heft beschreibt den Neubeginn des politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens im Nachkriegsdeutschland unter alliierter Besatzung und zeigt die Entwicklungen, die zur Gründung zweier deutscher Staaten geführt haben. |
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Gedenkstunde des Deutschen Bundestages
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