Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index


Themen
Internationale Politik
Innerstaatliche
Konflikte
Geschichte, Definition, Tendenzen
Internationale Politik
Konfliktporträts
Einführung
­Afghanistan
Äthiopien
Baskenland
Birma
China - Tibet
China - Xinjiang
Georgien
Guatemala
Indonesien -
Aceh
­Irak
Kaschmir
­Kolumbien
Kongo
­Kosovo
Kurdenkonflikt
Libanon
­Mazedonien
Nahost
Nepal
Nordirland
Nord-Uganda
Philippinen - Mindanao
Simbabwe
Sri Lanka
Somalia
Süd-Thailand
Sudan -
Darfur
Tschad
Konzepte, Strategien und Tätigkeitsfelder
Friedens-
konsolidierung
Glossar
Weitere bpb-Angebote
Publikationen
Veranstaltungen
Wissen
Lernen
ZMI Universität Giessen Arte netzeitung.de Arte ZMI Universität Giessen taz Kulturstiftung des Bundes Berliner Konferenz Universität Duisburg-Essen Köln International School of Design
Suche
Dossier bpb.de

Konfliktporträts

Kurdenkonflikt


 1 / 2 
weiter
Jan Claudius Völkel

Die Türkei hat die Rechte der kurdischen Bevölkerung im Zuge der EU-Beitrittsverhandlungen leicht verbessert. Im Irak genießen sie heute weitreichende Autonomie. Iran und Syrien respektieren sie allerdings kaum als eigene Volksgruppe.

Eine Demonstrantin mit Tüchern in den kurdischen Nationalfarben rot, gelb und grün protestiert gegen die türkische Militärintervention im Norden Iraks.
Eine Demonstrantin mit Tüchern in den kurdischen Nationalfarben rot, gelb und grün protestiert gegen die türkische Militärintervention im Norden Iraks. Foto: AP

Die aktuelle Situation

Der Kurdenkonflikt ist vor allem in der Türkei und im Irak von besonderer Bedeutung. Während sich der Konflikt in der Türkei vor allem im Befreiungskampf der verbotenen Kurdischen Arbeiter-Partei PKK und ihres Führers Abdullah Öcalan gegen den türkischen Nationalismus zeigt, steht im Irak nach Erreichung der autonomen Selbstverwaltung die kurdische Kontrolle über die ölreichen Gebiete rund um Mosul und Kirkuk im Vordergrund.

Im Irak nutzten kurdische Kampfverbände (sog. Peshmerga) 2003 die allgemeine Kriegskonfusion und überschritten die grüne Grenze zum Rest-Irak und beanspruchen seitdem diese Gebiete für sich. Die irakische Zentralregierung forderte diese Gebiete zurück, was die Spannung auch militärisch anheizt.

Zur Person
Jan Claudius Völkel
Jan Claudius Völkel, geb. 1976, ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arnold-Bergstraesser-Institut an der Universität Freiburg sowie Regionalkoordinator für Nordafrika und Nahost beim Bertelsmann Transformation Index (BTI). Von 1996 bis 2002 studierte er Politikwissenschaft, Volkswirtschaft und Islamwissenschaft an den Universitäten Freiburg, Kairo und Basel und promovierte 2007 zu "Die Vereinten Nationen im Spiegel führender arabischer Tageszeitungen". Momenten betreut er an der Universität Duhok im Nordirak die Durchführung einer "European Studies School".

Im schiitischen Iran müssen die überwiegend sunnitischen Kurden eine massive wirtschaftliche, politische und kulturelle Diskriminierung erdulden. Auch in Syrien werden Kurden diskriminiert. Ca. 20% der syrischen Kurden wurde 1962 die Staatsbürgerschaft entzogen. Seitdem gelten sie als "staatenlos".

Ursachen und Hintergründe des Konflikts

Die Ursprünge der Kurdenproblematik lassen sich im Wesentlichen auf den Zerfall des Osmanischen Reichs nach dem Ersten Weltkrieg zurückführen. Waren die Kurden bis dahin eine Entität neben anderen, traten nun v.a. Türken, Araber, Perser und Armenier als ethnische Gruppen in Erscheinung, die sich für die Bildung eines eigenen Nationalstaates einsetzten. Die Grenzen der neu geschaffenen Staaten verliefen quer durch die kurdischen Siedlungsgebiete, bestehende familiäre und auch ökonomische Beziehungen wurden dadurch unterbrochen.

Middle East
Grossansicht des Bildes
Middle East
Karte: CIA The World Factbook

Die Kurden sahen sich bald starken Repressalien ausgesetzt. Die Republik Türkei unter Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk betrieb unter dem Slogan "Ne mutlu Türküm diyene" (Wie glücklich ist der, der sagen kann: Ich bin ein Türke) die Schaffung einer türkischen Nation. Der Status geschützter Minderheiten wurde lediglich Griechen, Armeniern und Juden zuerkannt – eine Folge des Osmanischen Millet-Systems, das die Bevölkerung gemäß ihrer Religionszugehörigkeit (Muslime, Christen, Juden) einteilte und behandelte. Die Kurden als überwiegend muslimisch-sunnitische Gruppierung wurden nicht als eigenständige Minderheit anerkannt. Kurdische Traditionen, ihre Sprache und Kultur wurden unterdrückt und negiert.

Die Kurden (Schätzungen gehen von 24-27 Mio. aus) bezeichnen sich als "Volk ohne Land". Beheimatet in fünf Ländern – Türkei ca. 13 Mio., Irak ca. 4 Mio., Iran ca. 5,7 Mio., Syrien ca. 1 Mio. und Armenien ca. 400.000 – sind sie höchst verschieden und teilweise zerstritten. Es gibt drei kurdische Sprachen (Kurmandschi, Sorani und Zazaki) und unterschiedliche Religionszugehörigkeiten, v. a. Sunniten, Yeziden, Aleviten und assyrische Christen. Die Frage, wer Kurde ist, ist nicht leicht zu beantworten. Gleiches gilt für die Grenzen der kurdischen Gebiete und die Geschichtsschreibung.

Im Irak stellen die Kurden mit ca. 15% die kleinste der drei großen ethnischen Gruppierungen (Schiiten ca. 60%, Sunniten ca. 25%). Ihr Siedlungsgebiet verfügt über erhebliche Ölvorkommen – allein das Ölfeld von Kirkuk birgt ca. 10% der irakischen Vorkommen. Seit 1991 verwalten sich die Kurden mit ihrer Kurdistan Regional Government (KRG) faktisch selbst und greifen seit 2003 aktiv in die Geschicke des Gesamtirak ein. Dies geschieht kaum mit geeinten Kräften, sondern häufig gemäß clanbasierter Eigeninteressen. Iraks kurdischer Staatspräsident Dschalal Talabani stammt z. B. aus einem rivalisierenden Clan von KRG-Präsident Masud Barzani. Ihre beiden Parteien PUK (Patriotische Union Kurdistans) und DPK (Demokratische Partei Kurdistans) haben sich zwar jüngst zu einer politischen Allianz zusammengeschlossen, doch die traditionellen Animositäten zwischen beiden Clans schwelen weiter.


29. Oktober 2009

 1 / 2  weiter


 
Druck-Version
Artikel versenden
Redaktion
Aus Politik und Zeitgeschichte
Türkei
Türkei
Die Zeit der großen politischen Reformen in der Türkei scheint vorüber. Gleichwohl finden tiefgreifende gesellschaftliche Umwälzungen statt, die Bestand haben werden – unabhängig davon, wie sich der EU-Beitrittsprozess entwickelt.
Türkei
Informationen zur politischen Bildung
Türkei
Türkei
Seit den Reformen Mustafa Kemal Atatürks ab 1923 hat die Türkei einen Neuorientierungsprozess vollzogen. Dieser war so umfassend radikal und nachhaltig, wie in keinem anderen islamischen Land.
Türkei
Links ins Internet

Auswärtiges Amt: Länder- und Reiseinformationen

AKUF-Kriegstypen

Uppsala Conflict Data Program (UCDP)

Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Kontakt | Home