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68er

Zwischen Faszination, Grauen und Vereinnahmung


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Die wechselvolle Resonanz der Massenmedien auf die Proteste von '68
Kathrin Fahlenbrach
In ihrem vierzigsten Jubiläumsjahr sind die Bilder und Erinnerungen an die Revolte von '68 in den Medien wieder omnipräsent: Mit kanonischen Fotos und Fernsehmitschnitten von Straßenkämpfen, Demonstrationen und Happeningaktionen, unterlegt mit dem Rocksound der 1960er Jahre feiern die Medien ein weiteres Mal '68 als Medienereignis und als herausragendes Moment der bundes-deutschen Geschichte.

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Neue Protestformen sorgten für die breite Aufmerksamkeit der Medien: Sitzblockade in Frankfurt/Main am 30.05.1968. Foto: AP
Die '68er-Jubiläen sind längst zu Medienritualen geworden, in denen diese sich ihrer Interpretationshoheit über die Geschehnisse Ende der 1960er Jahre vergewissern. Hierbei können sie auf eine lange Geschichte zurückgreifen. Denn die Medien haben sich als kulturelle Deutungsinstanzen bereits zu Beginn in die Entstehungsgeschichte der Revolte eingeschrieben. Schon damals erkannten sie den medialen Ereignischarakter symbolischer Protestformen wie Happenings und Sit-Ins sowie von polarisierenden Bildern studentischer Barrikadenkämpfe mit der Polizei.

Zur Person
Dr. Kathrin Fahlenbrach, geboren 1967, arbeitet als wissenschaftliche Assistentin am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaften der Universität Halle. Ihre Promotion schrieb sie zu dem Thema "Protestinszenierungen. Visuelle Kommunikation und kollektive Identitäten in Protestbewegungen".

Gleichzeitig war die Studenten- und Jugendbewegung die erste emanzipatorische Protestbewegung, die gezielt die Massenmedien für die breitenwirksame Mobilisierung der Öffentlichkeit nutzte. Ein wesentliches Merkmal der '68-er Bewegung, wie ihre symbolische Chiffre lautet, ist, dass sie dabei in einem widersprüchlichen Wechselverhältnis zu den Massenmedien stand: Während sie diese einerseits als "kapitalistisch" und "bürgerlich" ablehnte, nutzte sie die neuen öffentlichen Mobilisierungsmöglichkeiten, die ihnen das massenmediale Interesse bot. Gleichzeitig musste die Bewegung zusehen, wie die Medien sich ihrer Protestkodes bemächtigte und sie zur Modernisierung ihrer eigenen Darstellungsformen und Themen nutzte.

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Anlässlich der Demonstration gegen den Berlin-Besuch des Schah von Persien am 2. Juni 1967 verteilten Mitglieder der Kommune I Papiertüten mit Karikaturen des Herrscherpaares. Foto: Benjamin Pritzkuleit / '68 - Brennpunkt Berlin
Wenn man die zeitgenössischen medialen Reaktionen auf die Revolte von '68 betrachtet, müssen zunächst zwei Tendenzen in der Protestbewegung unterschieden werden: Zum einen die politisch motivierten Proteste der Studentenbewegung um den Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) und zum anderen jene der subversiven Happeningbewegung, die vor allem auf den restaurativen kulturellen Common Sense der 1960er Jahre abzielen und die sich im Wesentlichen um die Mitglieder der Kommune 1 formieren.

Beide Protestgruppierungen haben gemeinsame Wurzeln, vor allem in den anti-autoritären Grundüberzeugungen und in ihren symbolischen Aktionsformen. Während die Proteste um den SDS allerdings konkrete politische Konfliktsituationen aufgreifen (wie den Vietnamkrieg) und provozieren (wie die Konfrontationen anlässlich des Schah-Besuchs), weiten die Kommunarden ihre Rebellion aus auf eine "revolutionäre Lebenspraxis", die sich nicht nur in einzelnen Protestaktionen manifestiert, sondern auch in der öffentlichen Verkörperung und Inszenierung eines hedonistischen und selbstbestimmten Lebensstils, der den autoritären und materialistischen Werten der älteren Generation im Nachkriegsdeutschland den Kampf ansagt. Vor allem die Aufhebung der Privatsphäre, das polygame Zusammenleben in einer Kommune und die Auflösung des bürgerlichen Familienverständnisses werden provokativ öffentlich zur Schau gestellt.

Zwar handelt es sich bei beiden Tendenzen der Studenten- und Jugendbewegung um in sich heterogene Strömungen, die im Verlauf der Jahre 1967 und 1968 in immer kleinere Gruppierungen zerfallen. In der öffentlichen Wahrnehmung aber dominiert das Bild einer mehr oder weniger einheitlichen Front rebellierender Studenten, in der einige prominente Leitfiguren herausragen, welche immerhin die beiden Grundtendenzen der Bewegung repräsentieren: Rudi Dutschke und die Mitglieder der Kommune 1.


06. Februar 2008

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Redaktion
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Protestformen
Protestformen
Die 68er-Revolte war die erste Protestbewegung, die gezielt die Medien für die Verbreitung ihrer Forderungen nutzte. Dafür wurden anfangs neue, überraschende und photogene Protestformen eingesetzt. Doch im Laufe der Bewegung wurden immer öfter aus Demonstrationen gewalttätige Ausschreitungen. Die Illustrationen entwickelten Studenten des Fachbereichs Design der FH Aachen unter der Leitung von Prof. Ilka Helmig.

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