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Bilder in Geschichte und Politik

Das Ende des Zweiten Weltkriegs


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Horst Pötzsch
Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg auf dem europäischen Kriegsschauplatz. Hitler und sein Regime hatten mit dem von ihnen angezettelten Krieg Deutschland in die schlimmste Niederlage seiner Geschichte geführt. Der Krieg hatte unermessliches Leid, Tod und Zerstörung über weite Teile Europas gebracht. 55 Millionen Tote waren zu beklagen, davon 5,5 Millionen Deutsche und 50 Millionen Angehörige zahlreicher anderer Völker. Ein Viertel der Toten waren Zivilisten, unter ihnen sechs Millionen Juden, die dem rassenideologischen Wahn zum Opfer gefallen waren. Deutschland war dreifach geschlagen: militärisch, politisch und moralisch.

Zur Person
Horst Pötzsch
Horst Pötzsch, Ltd. Reg.Dir. a.D., war lange Zeit Abteilungsleiter in der Bundeszentrale für politische Bildung und Chefredakteur der "Informationen zur politischen Bildung". Er ist Autor mehrerer Bücher zur Geschichte und politischen Bildung.

Der Zweite Weltkrieg ist der erste fotografisch umfassend dokumentierte Krieg der Geschichte. Das Medium der Fotografie war zwischen den Kriegen immer weiter perfektioniert worden und die Kamera dank der Massenproduktion zum Gebrauchsgegenstand von vielen Millionen Menschen, natürlich auch der Soldaten, die ihre Eindrücke vom Krieg im Bild festhielten. Man schätzt, dass im Zweiten Weltkrieg zwischen 30 und 40 Millionen Fotos entstanden sind.

Die Fotografie hatte sich zum wohl wirksamsten Mittel der Propaganda entwickelt. Die Wehrmacht hatte schon vor dem Krieg begonnen, Journalisten, Berufsfotografen, Kameramänner zu rekrutieren. Zu Beginn des Krieges wurden sie in eine Uniform gesteckt und bildeten eine eigene Waffengattung, die Propagandakompanien (PK). Ihre Waffe war die Kamera. Zwei Millionen Negative der PK-Männer sind erhalten geblieben. Auf der Seite der Alliierten waren natürlich ebenfalls zehntausende Kriegsberichter tätig. In Großbritannien werden drei Millionen Fotos aus dem Zweiten Weltkrieg aufbewahrt.

Im Krieg der Bilder gelten strenge Regeln. Das Bild muss der eigenen Sache nützen, es muss den Kampfgeist der eigenen Truppe stärken und muss die Moral in der Heimat heben. Bilder dokumentieren die Niederlagen des Feindes und die Siege der eigenen Soldaten. Der Feind muss negativ dargestellt werden, als Geschlagener, gar als Unmensch. Der eigene Soldat erscheint als sieggewohnter Held. Damit die Regeln eingehalten wurden, wurde eine strenge Zensur ausgeübt. Sie manifestierte sich schon als Selbstzensur in den Köpfen. Die Fotografen wussten, welche Bilder gedruckt wurden und welche unerwünscht waren. Zensurbehörden wachten darüber, dass es keine Ausrutscher gab.

Eines konnten die Bildberichter nicht beeinflussen, die Kriegslage, von der sie doch so abhängig waren. Es ist einfach, Fotos von einer siegreichen Armee und von dem geschlagenen Feind zu machen, aber zurückflutende eigene Truppen oder ein Himmel voller feindlicher Flugzeuge sind wenig erfreuliche Motive. Überdies bestimmen die Sieger das Gesetz des Handelns, die wichtigen Ereignisse finden auf ihrer Seite statt. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass von den zehn Motiven zum Komplex Kriegsende acht von Fotografen der Alliierten stammen.

Bilder werden selbstverständlich auch gefälscht, unerwünschte Details wegretuschiert, erwünschte hineinkopiert. Bilder können umdatiert und die von den eigenen Gräueltaten als Bilder feindlicher Gräueltaten ausgegeben werden. Interessanter noch ist die Inszenierung von Bildern. Gerade Bilder von markanten Ereignissen, die als Symbol gedacht sind oder später einen hohen Symbolwert erhalten haben, sind häufig inszeniert. Der Fotograf überlässt nichts dem Zufall, sondern arrangiert die Szene sorgfältig, um die symbolmächtige Aufnahme zu erhalten oder auch eine ganze Serie zum Auswählen. Die Begegnung von Torgau oder auch die Rote Fahne auf dem Reichstag in dieser Reihe sind Beispiele für inszenierte Bilder.

Die mit diesem Artikel vorgestellte Auswahl der Bilder vom Kriegsende ist natürlich auch subjektiv. Einige dieser Fotos, etwa die von der Unterzeichnung der Kapitulation in Reims und in Karlshorst oder die Konferenzen von Jalta und Potsdam gehören zwingend zu einer Dokumentation des Kriegsendes. Einige hätten auch durch andere Motive ersetzt werden können.

Um die Bilder des Kriegsendes gewissermaßen in einen historischen Zusammenhang zu stellen, sind zwei Fotos hinzugefügt worden. Es ist das Bild "Der Schlagbaum", das zeigt, wie alles begann, das zweite ist "Der Staatsstreich". Der Staatsstreich vom 20. Juli 1944 war der einzige fast gelungene Versuch, den Wahnsinn noch in letzter Minute zu beenden. Für dieses Thema hätte auch ein anderes Foto stehen können, beispielsweise das von Hitler und Mussolini vor den Trümmern der Lagebaracke. Das ausgewählte zeigt die brutale und zugleich kleinliche Rache des Regimes.


28. Dezember 2005

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Redaktion
Dossier
Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
Mit dem deutschen Überfall auf Polen begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Als er 1945 endete, lag Europa in Trümmern. Über 55 Millionen Menschen waren tot. Wie konnte es soweit kommen? Und wie sollte es weitergehen mit einem Land, das den größten Zivilisationsbruch der Geschichte begangen hatte?
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