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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 06-07/2003)
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Arbeitslosigkeit als Risiko sozialer Ausgrenzung bei Jugendlichen in Europa |

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Thomas Kieselbach / Gert Beelmann
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Der Zusammenhang zwischen der individuellen Erfahrung von Arbeitslosigkeit und dem Risiko sozialer Ausgrenzung (sozialer Exklusion) ist bislang in der wissenschaftlichen Diskussion eher am Rande behandelt worden. Das steigende Interesse am Thema soziale Exklusion und Arbeitslosigkeit vollzieht sich vor dem Hintergrund der Veränderung der Arbeitswelt, der zunehmenden Flexibilisierung von Arbeitsmärkten und eines spürbaren Drucks auf diejenigen, die nicht genügend persönliche Bewältigungsressourcen aufweisen, um auf die veränderten gesellschaftlichen Anforderungen angemessen reagieren zu können. In der sozialwissenschaftlichen Forschung haben sich vorwiegend Soziologen mit dem Zusammenhang von Arbeitslosigkeit und Prozessen sozialer Ausgrenzung beschäftigt. Dabei steht die Frage im Vordergrund, ob mit der dauerhaften Erfahrung von Arbeitslosigkeit soziale Exklusionsprozesse ausgelöst werden, die gesamtgesellschaftliche Auswirkungen mit sich bringen und dazu führen können, dass bestimmte Gruppen in der Gesellschaft dauerhaft zu "den Entbehrlichen" gehören. Die psychologische Arbeitslosenforschung untersucht traditionell die gesundheitlichen Auswirkungen von Phasen ungewollter Arbeitslosigkeit. Dieser Forschungsbereich hat sich in den vergangenen 25 Jahren extensiv ausgedehnt, und es liegen eine Vielzahl differenzierter Befunde zu den individuellen psychischen und psychosozialen Folgen von Arbeitslosigkeit vor. Es stellt sich nun die Frage, was das Neue an der Themenstellung ist, die sich mit sozialen Ausgrenzungsprozessen beschäftigt, welche durch die Erfahrung von Arbeitslosigkeit verursacht oder verstärkt werden.
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Zur Person |
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Thomas Kieselbach Dr. phil., Dipl.-Psych., geb. 1944; Professor und Leiter des Instituts für Psychologie der Arbeit, Arbeitslosigkeit und Gesundheit (IPG) an der Universität Bremen.
Anschrift: IPG, Universität Bremen, Grazer Str. 2, 28359 Bremen. E-Mail: kieselbach@ipg.uni-bremen.de
Veröffentlichungen u.a.: zahlreiche nationale und internationale Publikationen zum Thema Arbeitslosigkeit und Gesundheit, Verfasser des Kapitels "Arbeitslosigkeit" im Bundesgesundheitsbericht 1998.
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An der Universität Bremen sind wir in einem von der Europäischen Kommission unterstützten Forschungsprojekt (YUSEDER) in sechs Ländern der EU der Frage nachgegangen, inwieweit die frühe Erfahrung von lang andauernder Arbeitslosigkeit Jugendlicher mit sozialen Ausgrenzungsprozessen einhergeht. Dabei wurden einzelne Dimensionen sozialer Ausgrenzung analysiert und jeweils zu den verfügbaren Schutzfaktoren und individuellen Belastungen in Beziehung gesetzt. Auf diese Weise wurde versucht, die Dynamik sozialer Ausgrenzungsprozesse zu rekonstruieren und zudem eine Verbindung zur psychologischen Analyse des Erlebens von Arbeitslosigkeit herzustellen.
In diesem Beitrag wird zunächst gefragt, ob das Konzept sozialer Ausgrenzung gegenüber bisherigen Befunden der differentiellen Arbeitslosenforschung einen deutlichen Erkenntnisgewinn liefert. Darüber hinaus wird das Konzept sozialer Exklusion vor dem Hintergrund europäischer Politiken zur gesellschaftlichen Inklusion oder Kohäsion betrachtet. Schließlich werden empirische Befunde des europäischen Forschungsprojekts dargestellt. Abschließend werden Interventionsmöglichkeiten aufgezeigt, bisherige staatliche Bemühungen und neuere arbeitsmarktpolitische Empfehlungen kritisch beleuchtet, und es wird ein Ausblick auf zukünftige Forschungsbemühungen gegeben.
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Zur Person |
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Gert Beelmann Dipl.-Soz.-Wiss., geb. 1971; wiss. Mitarbeiter und Doktorand am IPG an der Universität Bremen.
Anschrift: IPG, Universität Bremen, Grazer Str. 2, 28359 Bremen. E-Mail: beelmann@ipg.uni-bremen.de
Veröffentlichungen u.a. zu den Themen Arbeitslosenforschung, Gesundheits- und Arbeitspsychologie.
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09. Februar 2012
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