Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index
Suche

Themen
Internationale Politik
Afrika
Geschichte
Gesellschaft
Wirtschaft
Strategien für Entwicklung
Afrikas Märkte
Rohstoffe für den Export
Natürliche Ressourcen
Industrie in Maghrebstaaten
Beispiel Ägypten
Reformen der Wirtschaft
Anpassung der Strukturen
Glossar
Panafrika
Brennpunkte
Afrika und Europa
3. Afrika Forum
Kultur
Links ins Internet
Weitere bpb-Angebote
Publikationen
Veranstaltungen
Wissen
Lernen

Dossier Afrika

Rohstoffe für den Export

Axel Harneit-Sievers
Inhalt
Rohstofflieferant seit 500 Jahren
Der "Ressourcenfluch"
Rohstofflieferant seit 500 Jahren

Afrikas Rolle in der Weltwirtschaft besteht seit jeher vor allem in seiner Bedeutung als Exporteur von Rohstoffen. Große Teile
Werbetafel für Shell-Tankstelle in Benin © Adelheid Hahmann
Grossansicht des Bildes
Werbetafel für Shell-Tankstelle in Benin
© Adelheid Hahmann

der bekannten Weltvorkommen strategisch bedeutender Rohstoffe befinden sich in Afrikas Lagerstätten. Metalle und andere Mineralien, Erdöl und Erdgas sowie eine breite Spanne nicht oder wenig verarbeiteter Agrarprodukte machten nach Angaben der Welthandels-
Organisation im Jahre 2003 rund zwei Drittel des afrikanischen Exporthandels aus. Der Reichtum an Ressourcen des Kontinents könnte eine Quelle von Entwicklung und Wohlstand sein; in der Realität jedoch ist die Abhängigkeit von Rohstoffexporten gleichermaßen Ursache und Folge von Unterentwicklung.

Afrika ist seit mehreren Jahrhunderten als Rohstoffexporteur in die Weltwirtschaft integriert. Seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert exportierte der Kontinent im Transatlantikhandel vornehmlich Rohstoffe wie Gold, Elfenbein und Gewürze und bot einen Markt für den Quasi-Rohstoff menschliche Arbeitskraft: Sklaven. Im Gegenzug wurden verarbeitete Verbrauchsgüter, aber auch Alkohol und Waffen in großem Maßstab eingeführt.

Zur Person
Dr. Axel Harneit-Sievers ist Historiker und Politikwissenschaftler und Leiter des Länderbüros Nigeria der Heinrich Böll-Stiftung in Lagos. Er lehrte an Universitäten in Hannover, Hamburg und Berlin und publizierte zur wirtschaftlichen, sozialen und politischen Geschichte und Entwicklung Afrikas mit Schwerpunkt Nigeria.

Die koloniale "Inwertsetzung" Afrikas ging seit Ende des 19. Jahrhunderts in fast allen Teilen des Kontinents mit einem Ausbau des Bergbaus und der Agrarexport-Produktion einher. In Südafrika und Sambia, im Kongo und in weiteren Teilen des Kontinents entstanden Bergbauzentren. In anderen Gebieten vor allem im südlichen und östlichen Afrika wurden große Plantagen für den Anbau von Monokulturen angelegt.
Baumwolltransporte in Benin © Adelheid Hahmann
Grossansicht des Bildes
Baumwolltransporte in Benin © Adelheid Hahmann
Kleinbauern wurden durch die Erhebung einer Kopfsteuer vom Kolonialstaat dazu gezwungen, Exportprodukte wie Kakao oder Baumwolle für den europäischen Markt herzustellen. In Ländern wie Ghana und Nigeria wuchs in der Kolonialzeit eine vergleichsweise wohlhabende Schicht einheimischer Kakao-Farmer heran.

Der geografische Fingerabdruck der Kolonialwirtschaft ist bis heute sichtbar. Die aus dieser Zeit übernommene Infrastruktur vieler afrikanischer Staaten orientiert sich primär an den Bedürfnissen der Exportwirtschaft, so dass auch heute noch Straßen- und Eisenbahnnetze vor allem das Hinterland mit großen Hafenstädten wie Lagos, Luanda oder Mombasa verbinden, während Querverbindungen innerhalb des Landes wenig ausgebildet sind.

Abhängigkeit statt Entwicklung?

Die Abhängigkeit afrikanischer Volkswirtschaften von Rohstoffexporten wurde bereits in der Unabhängigkeitsperiode
Salz wird vom Grund des Sees geschürft © Adelheid Hahmann
Grossansicht des Bildes
Salz wird vom Grund des Sees geschürft © Adelheid Hahmann
Afrikas als eine Gefahr für die wirtschaftliche Entwicklung des Kontinents erkannt. Weltmarktpreise für Rohstoffe sind großen Fluktuationen ausgesetzt. Über lange Zeiträume haben sich Afrikas "Terms of Trade", d.h. das Austauschverhältnis zwischen den Importpreisen für verarbeitete Güter und den Exporterlösen für Rohstoffe, verschlechtert. Afrikanische Regierungen reagierten auf die Schwankungen der Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt mit Mechanismen, die einen Preisverfall verhindern oder zumindest seine sozialen und ökonomischen Folgen abfedern sollten. Doch blieben diese von allenfalls kurzfristigem Erfolg.

Rohstoff-Kartelle nach dem Modell der OPEC scheiterten bei Gütern, die im Vergleich zu Öl eine geringere strategische Bedeutung besaßen, an der Konkurrenz unter den Produzenten. Stabilisierungsabkommen zwischen Erzeuger- und Abnehmerländern versagten bei längerfristigem Preisverfall. Vermarktungsagenturen zur Stabilisierung der kleinbäuerlichen Produzentenpreise degenerierten häufig zu ineffizienten Selbstbedienungsinstrumenten korrupter Eliten. Außerdem bildet der Agrarprotektionismus der EU und der USA ein wesentliches Hindernis für den Ausbau afrikanischer Exporte.

Versuche, der Abhängigkeit von Rohstoffexporten durch eine auf lokalen Ressourcen aufbauende
Honig wird in der Republik Kongo zum Verkauf vorbereitet. © FAO/19184/M. Marzot
Grossansicht des Bildes
Honig wird in der Republik Kongo zum Verkauf vorbereitet.
© FAO/19184/M. Marzot

Industrialisierungs-Strategie zu begegnen, scheiterten zu einem großen Teil trotz viel versprechender Ansätze in den 1960er Jahren in Nigeria, Kenia und der Côte d’Ivoire. Außer dem Sonderfall Mauritius gelang allein Südafrika nach dem Zweiten Weltkrieg die Transformation seiner ursprünglich vor allem auf dem Export von Gold, Diamanten und Agrarprodukten basierenden Ökonomie in eine diversifizierte Industrie- und Dienstleistungswirtschaft. Derartige Entwicklungen spiegeln sich auch in dem Anteil Afrikas am Welthandel wider. Dieser ist trotz des Reichtums an Ressourcen jahrzehntelang gefallen und beträgt heute nurmehr 2,5 Prozent. Lässt man Südafrika unberücksichtigt, liegt er für das subsaharische Afrika sogar unter einem Prozent.


05. Dezember 2005
Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Datenschutz | Kontakt | Home
07. Februar 2012

 
Druck-Version
Artikel versenden
Redaktion
Links ins Internet

Schlagwort Globalisierung - lehrer-online

Afrikas politische Perspektiven - lehrer-online

Glossar (englisch)

Africa Business Daily

Allafrica.com/business

Africa Investor

Diamonds for Development
Online-Angebot
Schulen - GEMEINSAM FÜR AFRIKA
Schulen - GEMEINSAM FÜR AFRIKA
Die Kampagne "Gemeinsam für Afrika" hat vom 6. bis 17. November 2006 Afrika zum Thema in den Klassenzimmern gemacht. Angeboten wurde dazu unter anderem kostenloses Unterrichtsmaterial.
Schulen - GEMEINSAM FÜR AFRIKA