Marshallplan

31.10.2005 | Von:
Dr. Elke Kimmel

Französische Zone

Wie die Sowjetunion war Frankreich zuvor selbst lange Zeit von deutschen Truppen besetzt gewesen. Frankreich wurde erst mit der Konferenz von Jalta im Februar 1945 in den Kreis der Besatzungsmächte aufgenommen. An der Potsdamer Konferenz nahm es nicht teil, erklärte sich aber mit den Verhandlungsergebnissen einverstanden. Trotzdem blockierten die Franzosen im Herbst 1945 mit ihrem Veto den Versuch, eine deutsche Zentralverwaltung aufzubauen.

Adolf Hitler posiert am 23. Juni 1940, einen Tag nach der formellen Kapitulation Frankreichs, in Paris vor dem Eiffelturm. Neben ihm: Albert Speer, Reichsminister für Bewaffnung und Munition und Hitlers Chefarchitekt, links, und Arno Breker, Professor für Bildende Kunst in Berlin und Hitlers Lieblings-Bildhauer.Adolf Hitler posiert am 23. Juni 1940, einen Tag nach der formellen Kapitulation Frankreichs, mit Albert Speer und Arno Breker vor dem Eiffelturm. (© AP)

Sicherheitsbedürfnis

Für die Franzosen war es angesichts der Kriege von 1870/71, des Ersten und Zweiten Weltkriegs von zentraler Bedeutung, ein Wiedererstarken Deutschlands und damit einen neuerlichen Angriff zu verhindern. Um dies zu gewährleisten, forderten sie die Errichtung eines strikt föderal ausgerichteten Staates sowie die Kontrolle der deutschen Kohle- und Stahlindustrie. Langfristig dachte man in Frankreich an die Abtrennung der linksrheinischen Gebiete von Deutschland und an eine Internationalisierung des Ruhrgebietes. Das Saargebiet erhielt tatsächlich 1946 einen Sonderstatus und gehörte zunächst zum französischen Zollgebiet. Ab dem 1. April 1948 wurde es – erweitert um Teile des Rheinlands – dem französischen Staatsgebiet zugeschlagen. Faktisch die gesamte Schwerindustrie der französischen Zone befand sich in diesem Bereich.

Entnazifizierung und Demontagen

Die Entnazifizierungspolitik wurde vergleichsweise pragmatisch angegangen. Die Besatzungsmacht beschränkte sich auf die Säuberung der Spitzenpositionen von NS-Funktionären. Im Bildungswesen setzte man radikal auf die Einführung des französischen Bildungssystems – in der Praxis bedeutete dies eine deutliche Schwerpunktsetzung auf Elitenbildung, die stärkere Betonung des französischsprachigen Unterrichts und die Abschaffung von Mädchenschulen.

Die im Rahmen des Potsdamer Abkommens vereinbarten Demontagen wurden zügig durchgeführt. Frankreich konnte damit einen Teil der im Krieg erlittenen Verluste ausgleichen. Außerdem vermied die französische Besatzungsmacht besondere Belastungen, wie sie Briten und Amerikanern entstanden waren, indem sie kaum Flüchtlinge und Vertriebene in ihrer Zone aufnahm. Im Gegensatz zu Großbritannien und den USA konnte Frankreich so die Ausgaben für seine Besatzungszone gering halten und verhindern, dass zusätzliche Kosten die durch den Krieg gestörten französischen Staatsfinanzen belasteten.

Föderalistische Forderungen

Insbesondere im Alliierten Kontrollrat erwiesen sich die französischen Positionen als hinderlich, da Frankreich lange Zeit der Bildung zentraler deutscher Verwaltungen vehement widersprach.

Während sich die amerikanische und die britische Zone schon im Dezember 1946 zur "Bizone" zusammenschlossen, um die Verwaltungskosten zu verringern, war die französische Besatzungsmacht nicht dazu bereit, der "Bizone" beizutreten. Dies hatte vor allem wirtschaftliche Gründe, denn so profitierte Frankreich weiterhin durch die deutschen Reparationen. Erst kurz vor Gründung der Bundesrepublik Deutschland, am 8. April 1949 bildete die französische Zone gemeinsam mit der "Bizone" die "Trizone". Allerdings hatte sie die Währungsreform im Juni 1948 mit vollzogen.