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Dossier Afrika
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Großstädte Afrikas - Kairo, Lagos und Johannesburg |
| Ulrich Jürgens |
Eigendynamik in der städtischen Verwaltung
Fehlende Steuereinnahmen und eine ineffiziente Stadtverwaltung haben in Großstädten wie Kinshasa, Luanda, oder Lagos eine unzureichende städtische Infrastruktur sowie mangelhafte öffentliche Basisdienstleistungen zur Folge. So kann z.B. eine flächendeckende Wasserversorgung oder Müllbeseitigung nicht sichergestellt werden. Deutlich wird das auch beim Wohnungsbau. Kommt der Staat dem Bedarf an Wohnraum nicht nach, helfen sich die Menschen in diesem Fall meist selbst durch den Bau von Siedlungen, durch bauliche Nachverdichtung mittels Aufstockung der Häuser, die Errichtung von Backyard-Häusern in Hinterhöfen
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Standardhäuser und Hinterhausbebauung in Soweto. © Ulrich Jürgens
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oder durch das Leben am Rande der Straße; man nennt diese Menschen "pavement dwellers".
Wo formelle städtische Planungsstrukturen nur inselhaft existieren, werden urbane Abläufe zumindest kleinräumig durch Eigenmanagement und Selbsthilfe organisiert. Eine Grundinfrastruktur wird häufig mit (illegalen) Strom- und Wasseranschlüssen bewerkstelligt. Informelle Landzuweiser, auch "squatter-lords" genannt, verteilen in Randgemeinden wie Thembalihle bei Johannesburg Land und Wohnraum und zur Garantie der öffentlichen Sicherheit werden in nahezu allen südafrikanischen Vorstädten Privatpatrouillen eingesetzt.
Global City Johannesburg
Johannesburg wird mit seinen ca. 2,5 Mio. Einwohnern als einzige afrikanische Stadt den "global cities" zugeordnet. Hier befinden sich international bedeutsame Steuerungszentralen, z.B. der Bergbaukonzerne, und die Börse, die in ihren Entscheidungen globale Bedeutung haben. Nach Abschaffung der Apartheid ist Johannesburg deshalb zu einem internationalen Zuwanderungsmagneten geworden, der vor allem Menschen aus allen Teilen des subsaharischen Afrikas anzieht. Ursprünglich multikulturell europäisch geprägte Wohngebiete wurden von einem neuen afrikanischen Multikulturalismus verdrängt. Die ideologisch bestimmte, ethnische Ausdifferenzierung zur Apartheid in schwarze "townships" und weiß geprägte Stadtteile wurde von neuen Formen sozialer und baulicher Abgrenzung ersetzt, letztere vor allem in Gestalt ummauerter Wohnbereiche, den "gated communities".
Megastadt Lagos
Wie viele afrikanische Länder wird Nigeria in seinen städtischen Strukturen von einer Primatstadt geprägt, die alle nachgeordneten Städte sowohl demografisch als auch
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Auch im Senegal sind mit Dakar so genannte Megastädte entstanden © Adelheid Hahmann
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funktional dominiert. Im Jahr 2000 wies Lagos 13,4 Mio. Einwohner auf. Damit zählt Lagos zu den Megastädten. Die Stadt wächst zur Zeit um etwa 1.000 Menschen pro Tag und die Einwohnerzahl wird sich nach heutigen Schätzungen bis zum Jahr 2015 nahezu verdoppeln. Die städtische Verwaltung kann diesem explosiven Wachstum nicht folgen, weshalb das Leben in der Stadt weitestgehend von informellen Wohn- und Arbeitsstrukturen geprägt ist. Die soziale Polarisierung zwischen so genannten "survivalists" auf der einen Seite und der politischen und Petro-Elite Nigerias auf der anderen Seite ist exorbitant und spiegelt sich in fragmentierten Stadtstrukturen wider.
Orientalisches Afrika: Kairo
Als bevölkerungsreichste Stadt Afrikas und zugleich eines der kulturellen, geistigen, – als Sitz der Arabischen Liga – politischen und wirtschaftlichen Zentren der arabischen Welt liegt Kairo im Schnittpunkt zwischen Nordafrika und Mittlerem Osten. Wie Lagos ist Kairo mit seinen 16 Mio. Einwohnern eine Megastadt, blickt jedoch im Gegensatz zu den Metropolen im subsaharischen Afrika, die weitestgehend erst kolonial angelegt sind, auf eine lange urbane Genese zurück. Trotz der Tatsache, dass auch Kairo große "Squattergebiete" besitzt – mehr als 250.000 Menschen wohnen auf den städtischen Friedhöfen –, unterliegt die Stadt einer eher zielgerichteten Planung. Der Bau von Entlastungsstädten am Rande der Kernstadt und die einzige Untergrundbahn Afrikas bezwecken, Kairos Wohnbedingungen und Effizienz zu steigern.
Perspektiven
Die Spannweite urbaner Entwicklungen in Afrika von orientalischen, europäisch geprägten kolonial-imperialistischen bis hin zu autochthonen afrikanischen Einflüssen macht deutlich, dass es rein genetisch nicht möglich ist, von "der" afrikanischen Stadt zu sprechen. Was die Großstädte aber eint,
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Das Bevölkerungswachstum wirkt sich in Städten wie Cotonou deutlich auf den Berufsverkehr aus. © Adelheid Hahmann
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ist ihr enormes städtisches Bevölkerungs-Wachstum seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Weil die Urbanisierung in Afrika bei weitem nicht abgeschlossen ist, werden sich die Regierungen in naher Zukunft verstärkt um eine städtische Planung bemühen müssen, um den gleichzeitig wachsenden Problemen im sozialen sowie im Umweltbereich zu begegnen. Wo Staat und Stadtverwaltung zu schwach sind, gewinnen informelle "governance"-Strukturen an Bedeutung, um ein Funktionieren der Städte zu gewährleisten. Durch die Bereitstellung einer urbanen Infrastruktur wird auch das wirtschaftliche Potenzial der Städte gestärkt, deren industrielle Basis noch kolonial bedingt sehr schwach ausgeprägt ist. Beispielgebend sind einige Städte und Regionen im südlichen Afrika, die sich in ihrer Produktionsstruktur teilweise spezialisieren konnten und zu industriellen Clustern geführt haben, z.B. im Großraum Johannesburg oder im Kupfergürtel in Sambia.
05. Dezember 2005 |
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Online-Angebot |
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Schulen - GEMEINSAM FÜR AFRIKA
Die Kampagne "Gemeinsam für Afrika" hat vom 6. bis 17. November 2006 Afrika zum Thema in den Klassenzimmern gemacht. Angeboten wurde dazu unter anderem kostenloses Unterrichtsmaterial. |
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