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Dossier USA

Der Vietnamkrieg


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Rolf Steininger
In der Mitte des Kalten Krieges ließen sich die USA 1964 auf ein militärisches Abenteuer in Vietnam ein, sie wollten so den vermuteten Vormarsch des Kommunismus zu stoppen. Nach 11 Jahren und fast 60.000 toten US-Soldaten sowie Millionen toter Vietnamesen fand der Vietnamkrieg ein Ende. Die Bilanz: eine von ihrem Präsidenten zutiefst enttäuschte Nation – und dein verlorener Krieg.

Vietnamkrieg
Fast 60.000 amerikanische Soldaten starben im Vietnamkrieg. (Bild: AP)
Vorgeschichte

Während des Zweiten Weltkrieges warfen die Amerikaner Broschüren über Vietnam ab, in denen die Bevölkerung zum Widerstand gegen die japanischen Besatzer aufgefordert und ihnen Unabhängigkeit und Selbstbestimmung in Aussicht gestellt wurden. Doch nach dem Sieg der USA über Japan und dem Beginn des Kalten Krieges war davon keine Rede mehr. Jetzt ging es um die "Eindämmung" des Kommunismus, und unter diesem Vorzeichen akzeptierten die USA auch Frankreichs Intentionen zur Restauration seiner Kolonialherrschaft in Indochina. Das ging nicht ohne Gewalt. Und so begann Ende 1946 der französische Indochina-Krieg.

Zur Person
Dr. phil. Rolf Steininger, Jahrg. 1942, Ordentlicher Professor, Leiter des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck/Universität Bozen; Gastprofessuren in den USA, Israel und Australien; "Senior Fellow" des Eisenhower Center für American Studies der University of New Orleans und Jean-Monnet-Professor; Gastwissenschaftler in Saigon, Hanoi und Kapstadt. Zahlreiche Veröffentlichungen sowie preisgekrönte Fernseh-, Film- und Hörfunkdokumentationen.

Für die USA war dies zunächst nur ein "schmutziger" Kolonialkrieg. Das änderte sich mit dem Sieg der Kommunisten in China 1949 und dem Beginn des Koreakrieges am 25. Juni 1950. Fast zeitgleich mit dem Eingreifen in Korea begann auch das amerikanische Engagement in Vietnam. Aus dem Kolonialkrieg der Franzosen wurde ein "Kreuzzug gegen den Kommunismus", Teil der beginnenden weltweiten Auseinandersetzung zwischen Ost und West. 1953/54 zahlten die USA rund 75% der französischen Kriegskosten. Mit der Niederlage bei Dien Bien Phu im Mai 1954 endete dennoch Frankreichs Kolonialherrschaft in Indochina. Auf der anschließenden Konferenz in Genf wurde Vietnam entlang des 17. Breitengrades geteilt. Der neue Mann in Südvietnam hieß Ngo Dinh Diem, der aus dem amerikanischen Exil kam und von Washington als "starker Mann" aufgebaut wurde. Diem sollte das Bollwerk gegen Nordvietnams Kommunistenführer Ho Chi Minh leiten, doch nicht allein. Die Zahl der Militärberater in Südvietnam wurde während der Präsidentschaft von John F. Kennedy auf 16.000 erhöht. Auch für Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson war Südvietnam der erste Stein einer langen Dominoreihe: Würde dieser Stein fallen, würden auch die übrigen Staaten in Südostasien kommunistisch werden. Die Freiheit San Franciscos, so hieß es, werde in Saigon verteidigt.

Johnsons Krieg

Anfang August 1964 kam es im Golf von Tonking zu einem folgenschweren Zwischenfall. Nordvietnamesische Patrouillenboote beschossen den US-Zerstörer "Maddox". Zwei Tage später flogen die Amerikaner erste Luftangriffe gegen Nordvietnam. Ein zweiter Zwischenfall – der, wie wir heute wissen, überhaupt nicht stattgefunden hat – führte in Washington zur berühmt-berüchtigten Tonking-Resolution, eine Ermächtigung zum Krieg, die, wie Johnson meinte, "wie Großmutters Nachthemd alles abdeckt": Der Kongress ermächtigte Johnson, "alle notwendigen Schritte, einschließlich der Anwendung bewaffneter Gewalt, zu ergreifen", um Südvietnam zu unterstützen.

Die folgenschwersten Entscheidungen wurden im Frühjahr 1965 getroffen: Aus einem schwelenden Konflikt wurde ein amerikanischer Krieg. Nach zwei Angriffen der Kommunisten gegen amerikanische Kasernen befahl Johnson eine Verstärkung der Luftangriffe: Die Operation "Donnergrollen" (Rolling Thunder) startete am 2.März 1965 und wurde erst am 30. Oktober 1968 beendet. Während dieser Zeit flog die amerikanische Luftwaffe insgesamt 304.000 Einsätze in Nordvietnam, davon 2083 B-52-Angriffe. Der Widerstandswille der Kommunisten wurde dennoch nicht gebrochen.

Am 8. März 1965 folgte der nächste entscheidende Schritt der Amerikaner: Erstmals seit dem Koreakrieg betraten amerikanische Kampftruppen wieder asiatischen Boden. In Da Nang gingen 3.500 Marines an Land. Hanoi sprach von einer "offenen Kriegserklärung". Am 21. April 1965 wurden weitere 82.000 Soldaten nach Südvietnam geschickt, Ende Juli weitere 75.000. Ende des Jahres waren bereits 100.000 US-Soldaten in Südvietnam stationiert, im Frühjahr 1968 waren es zeitweise 550.000.

Das Ende von Johnsons Krieg kam im Januar 1968 mit der sogenannten "Tet-Offensive", einem nicht mehr für möglich gehaltenen Großangriff der Kommunisten gegen fünf der sechs großen Städte, 36 der 44 Provinzhauptstädte und einem Viertel der 242 Provinzstädte Südvietnams. Am Ende hatten Amerikaner und Südvietnamesen zwar alle verlorengegangenen Gebiete wieder zurückerobert, aber es war ein Pyrrhus-Sieg. Die amerikanische Öffentlichkeit hatte den Glauben an den Sieg verloren, der Präsident seine Glaubwürdigkeit eingebüßt. Ende April verkündete Johnson dann, dass er sich einer Wiederwahl nicht stellen werde.


10. Oktober 2008

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