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Zur Rolle der Ressource Wasser in Konflikten

Der Zugang zu Wasser bestimmt die sozio-ökonomische Entwicklung eines Staates. Wasser ist überlebenswichtig für die Erhaltung und Entwicklung jeder Volkswirtschaft und deshalb auch für das allgemeine Existenzniveau. Verteilungskonflikte um Wasser werden mit wachsender Erdbevölkerung, globaler Erwärmung und zunehmender Verschmutzung aller Voraussicht nach zahlreicher.

Zur Rolle der Ressource Wasser in Konflikten


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Auszug aus:
Wasser, Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 25/2006)
Fröhlich, Christiane
Inhalt
Einleitung
Fallstudien zu Wasserverteilungskonflikten
Schlussbemerkung
Schlussbemerkung
Obwohl Wasserkriege sehr unwahrscheinlich sind, gibt es keinen Grund, völlig unbesorgt zu sein. Der globale Wasserbedarf wird aufgrund des Bevölkerungswachstums weiter steigen. Beispielsweise ist seit 1950 der weltweite Wasserbedarf um etwa 40 Prozent gestiegen. Die letzte revidierte Fassung der UN-Bevölkerungsprojektionen prognostiziert, dass die Weltbevölkerung nach der mittleren Variante trotz sinkender Kinderzahlen in den Industrieländern bis zum Jahre 2050 um weitere 2,6 Milliarden anwachsen wird.

Diese Prognose berücksichtigt bereits die anzunehmende Entwicklung der HIV-Infektionen. Das Bevölkerungswachstum findet zudem auch in Zukunft fast ausschließlich in den Entwicklungsländern statt - den Ländern, die oft schon heute unter Wassermangel leiden. Dort wird die Bevölkerung in den nächsten 45 Jahren von 5,3 auf 7,8 Milliarden Menschen anwachsen.

Die wachsende Weltbevölkerung führt dazu, dass die vorhandenen natürlichen Ressourcen zunehmend verschmutzt werden, was außer Wasserknappheit auch eine Weiterverbreitung von durch Wasser übertragenen Krankheiten insbesondere in Entwicklungsländern zur Folge hat, denn dort ist die Wasserversorgung oft nicht ausreichend, und Kläranlagen sind selten. Zudem bedingt die globale Erwärmung eine größere Varianz bei Niederschlagszeiten und -mengen und damit länger andauernde und intensivere Dürren. Es ist aus diesen Gründen damit zu rechnen, dass Spannungen über Wasserressourcen in Zukunft immer wieder und in zunehmendem Maße auftauchen werden. Die Tatsache, dass die rechtliche Situation in Bezug auf internationale Wasserverteilungskonflikte nach wie vor unklar ist, tut ein Übriges - die "Convention on the Law of the Non-Navigational Uses of International Watercourses"[9], die 1997 von den UN verabschiedet wurde, ist nach wie vor nicht ratifiziert.

Zukünftige Verhandlungen in Wasserverteilungskonflikten dürfen sich nicht nur auf die Wassermenge, die jeder Konfliktpartei zusteht, konzentrieren, sondern müssen unbedingt auch den Verwendungszweck, dem das Wasser zugeführt wird, berücksichtigen. Interne wirtschaftliche Strukturen bleiben zu oft unangetastet; die Frage, wofür das Wasser verwendet wird, spielt keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Vor allem wird die Größe und Struktur der landwirtschaftlichen Sektoren kaum in Frage gestellt, obwohl hier der größte Teil des weltweit vorhandenen Wassers verbraucht wird. So kann es sein, dass zwar die Wassermengen scheinbar gerecht verteilt, indirekt aber - je nach Endnutzung - Wasserverschwendung und ineffiziente Nutzung gefördert werden. Dies ist ein brisantes innenpolitisches Thema. Doch je knapper die Wasserressourcen werden, desto wichtiger ist es, dieses Tabu aufzubrechen.

Eine wichtige Bedeutung kommt dabei der schon erwähnten Tatsache zu, dass die Ressource Wasser insbesondere in Konfliktsituationen oft politisch und ideologisch aufgeladen wird. Kulturelle Traditionen, indigene Praktiken und gesellschaftliche Werte, welche die Art und Weise bestimmen, wie Menschen Wasser wahrnehmen und den Umgang mit ihm regeln, werden dann auch für die Frage relevant, welche Rolle Wasser in politischen Konflikten zukommt.

Dies ist aus hydrologischer Sicht, insbesondere im Hinblick auf internationale Wasserverteilungskonflikte, ein nicht zu unterschätzendes Problem, da die Politisierung der Ressource Wasser dazu führt, dass politische Entscheidungen sich eher an Fragen des politischen Prestiges oder an innenpolitischen Aspekten orientieren als an rationalen Überlegungen und kooperativen Lösungen. Beispielsweise wurde in den vergangenen Jahrzehnten der Bau von großangelegten Staudämmen als beste Antwort auf Wasserversorgungsprobleme angesehen. In den vergangenen 50 Jahren sind mehr als 40.000 Staudämme weltweit gebaut worden, obwohl die Erfolgsbilanz dieses "zentralistischen Ansatzes"[10] bescheiden ist. Staudämme sind nationale Prestigeprojekte, die vor allem Großbauern mit fruchtbaren Böden, der Industrie und den Städten zugute kommen - sie erreichen die an Wasserknappheit leidenden Kleinbauern meist nicht. Doch dezentrale, angepasste Ansätze sind weder wirtschaftlich noch politisch besonders attraktiv, da sie kaum Exportaufträge oder politisches Prestige abwerfen. Hier ist ein grundsätzliches Umdenken notwendig, um Armut zu begrenzen und zukünftigen Konflikten vorzubeugen.

Solange solche Widerstände gesellschaftlich und politisch relevant sind, können Programme wie das "Integrated Water Resources Management" (IWRM), das auf dem Grundprinzip der Nutzen- statt der Wasseraufteilung beruht und auf eine integrierte, gemeinsame Bewirtschaftung eines Flussgebiets abzielt, nicht erfolgreich sein. Das Problem ist also weniger eines der mangelnden Lösungskonzepte, sondern des mangelnden politischen Willens. Wasser wird in vielen wasserarmen Regionen immer wieder politisiert, ideologisiert und aufgrund dessen irrational behandelt. Hier muss angesetzt werden, um mittel- bis langfristig einen nachhaltigen Umgang mit den globalen Wasserressourcen garantieren und damit Wasserverteilungskonflikte vermeiden zu können.




Auszug aus:
Wasser, Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 25/2006)


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