Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index


Themen
Gesellschaft
Linksextremismus
Extremismus - Linksextremismus
Aktuelle Situation
militante gruppe
Antifaschismus
Links- extremismus im vereinten Deutschland
Trotzkisten
DKP
DKP-Programm
Antideutsche und Antiimperialisten
MLPD
Medien
Autonome
Hintergrund
Debatte
Weitere bpb-Angebote
Publikationen
Veranstaltungen
Wissen
Lernen
ZMI Universität Giessen Arte netzeitung.de Arte ZMI Universität Giessen taz Kulturstiftung des Bundes Berliner Konferenz Universität Duisburg-Essen Köln International School of Design
Suche
Dossier bpb.de

Aktuelle Situation

Kaum etwas gelernt. Das neue DKP-Programm in extremismustheoretischer Betrachtung


 1 / 2 
weiter
Armin Pfahl-Traughber
Am 8. April 2006 gab sich die "Deutsche Kommunistische Partei" (DKP) anlässlich ihrer 2. Tagung des 17. Parteitages ein neues Programm. Viel Neues steht darin aber nicht. Eine Analyse von Armin Pfahl-Traughber.

Website der DKP
DKP-Programm auf der Website der Partei. Screenshot, April 2008
Am 8. April 2006 gab sich die "Deutsche Kommunistische Partei" (DKP) anlässlich ihrer 2. Tagung des 17. Parteitages ein neues Programm. Es löst das Vorherige ab, welches 1978 noch zur Zeit des "real existierenden Sozialismus" der DDR verabschiedet wurde. Wie verarbeitete nun die DKP die Entwicklung seit 1989/1990? Lässt sich ein politischer Lernprozess ausmachen? Nähert sich die Partei demokratischen Positionen an? Oder bleibt sie ihrem traditionellen marxistisch-leninistischen Dogmatismus verhaftet? Diese Fragen sollen in der folgenden Erörterung anhand des Programmtextes beantwortet werden. Bei der damit verbundenen Analyse geht es aus einer extremismustheoretischen Perspektive um vier Gesichtspunkte:

Zur Person
Prof. Dr. Armin Pfahl-Traughber
Geb. 1963, studierte Politikwissenschaft und Soziologie. Von 1994 bis 2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referatsleiter in der Abteilung Rechtsextremismus des Bundesamtes für Verfassungsschutz, seit 2004 Prof. an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung Brühl und Heimerzheim.

Das sozialistische Selbstverständnis

Welches Sozialismusverständnis vertritt die DKP in ihrem Programm? Dort heißt es:
"Fundament und politischer Kompass der Politik der DKP sind die von Marx, Engels und Lenin begründeten und von anderen Marxistinnen und Marxisten weitergeführten Erkenntnisse des wissenschaftlichen Sozialismus, der materialistischen Dialektik, des historischen Materialismus und der Politischen Ökonomie." Und weiter: "Unter der Voraussetzung des gesellschaftlichen Eigentums an den Produktionsmitteln und der gesamtgesellschaftlichen Planung der Produktion kann in einem längeren historischen Prozess eine Ordnung menschlichen Zusammenlebens entstehen, 'worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist' (K. Marx/F. Engels ...)." (S. 4f.)
Darüber hinaus finden sich im Programm keine genaueren Erläuterungen zum eigenen Sozialismusverständnis. Unmittelbar vor den zitierten Sätzen ist die Rede von der "Zerstörung des Sozialismus in Osteuropa" (S. 4), welche als bisher tiefste Niederlage empfunden werde. An einer anderen Stelle führt man diese Entwicklung u.a. darauf zurück, dass "vor allem auch in der KPdSU – revisionistische Kräfte die Überhand" (S. 28) gewannen. Trotz einiger eingeschränkt kritischer Anmerkungen zu dem "real existierenden Sozialismus" in Osteuropa hält die DKP somit die dortigen Gesellschaftsordnungen für den Sozialismus, der auch von ihr nach wie vor eingefordert wird. Demgegenüber sieht die Partei offenbar in der mit dem Namen Gorbatschow verknüpften Entwicklung in der Sowjetunion eine Abweichung vom "wirklichen Sozialismus".

Die Überwindung des Kapitalismus als Ziel

Zur beabsichtigten Überwindung des Kapitalismus heißt es: "Nur der revolutionäre Bruch mit den kapitalistischen Macht- und Eigentumsverhältnissen beseitigt letztendlich die Ursachen von Ausbeutung und Entfremdung, Krieg, Verelendung und Zerstörung unserer natürlichen Umwelt." (S. 3) Die Durchsetzung der elementaren Menschenrechte sei nur in einer Gesellschaft auf Basis des Gemeineigentums an Produktionsmitteln möglich. Hierbei handele es sich um den Sozialismus als erste Phase der kommunistischen Gesellschaftsformation. Und an einer anderen Stelle heißt es: "Der Sozialismus kann nicht auf dem Weg von Reformen, sondern nur durch tief greifende Umgestaltungen und die revolutionäre Überwindung der kapitalistischen Eigentums- und Machtverhältnisse erreicht werden." (S. 28)

In diesen beiden Zitaten fordert man als Mittel für den Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus deutlich eine Revolution, also einen gewalttätigen Akt zur grundlegenden Veränderung eines gesellschaftlichen oder politischen Systems. In diesem Sinne verstanden auch Marx, Engels und Lenin - auf alle drei bezieht sich die DKP in ihrem Programm ausdrücklich - diesen Terminus. Berücksichtigt man außerdem das Verständnis von Reform und Revolution im Sprachgebrauch der kommunistischen Bewegung, so bestätigt sich dieser Eindruck noch. Zwar ist die stark überalterte und lediglich zwischen 4.000 und 5.000 Mitglieder starke Partei sicherlich nicht ansatzweise zu einem solchen Schritt in der Lage. Im politischen Selbstverständnis beabsichtigt man eine Revolution mit dem Ziel einer neuen Gesellschaftsordnungaber sehr wohl.


07. Februar 2008

 1 / 2  weiter


 
Druck-Version
Artikel versenden
Redaktion
Dossier
Rechtsextremismus
Rechtsextremismus
Rechtsextremismus ist längst keine Randerscheinung mehr. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet sind Strukturen entstanden, die unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung in Frage stellen.
Rechtsextremismus

Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Datenschutz | Kontakt | Home