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Geschichte

Afrikanische Zuwanderung nach Deutschland zwischen 1884 und 1945


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Katharina Oguntoye
Einführung

Wie haben die Menschen afrikanischer Herkunft in Deutschland gelebt? Wer waren sie und unter welchen Bedingungen meisterten sie das Leben in einer Gesellschaft, die sie als 'das Fremde' betrachtete?

Zur Person
Katharina Oguntoye, geb. 1959; Historikerin, engagiert sich seit mehr als zehn Jahren in der Schwarzen Deutschen Community. Seit 1996 arbeitet sie als Projektmanagerin im Verein "Joliba – Interkulturell Leben und Arbeiten e.V." Dessen jüngstes Projekt "Fairway" richtet sich an Jugendliche, die gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit aktiv werden möchten.

Ich wusste aus meinem eigenen Leben als Afro-Deutsche, Jahrgang 1959, wie es sich anfühlte als Schwarze Deutsche in Deutschland aufzuwachsen, sich als Inländerin zu fühlen und doch auch immer wieder als das Symbol des Anderen wahrgenommen zu werden. Ich fragte mich, wie die Situation für Afrikaner und Afro-Deutsche 100 oder 50 Jahre vor meiner Geburt gewesen sein mag.

Es gab keine Literatur oder Dokumente, die mir diese Fragen beantworten konnten. Die Afrikanerinnen und Afrikaner, die sich in der Metropole aufhielten, waren bis dahin nie Gegenstand der historischen Forschung gewesen. Die Frage nach ihrer Anwesenheit in Deutschland und ihrem Beitrag für die Gesellschaft hatte sich für meine Historikerkolleginnen und –kollegen nicht gestellt. Der Grund hierfür war eine Reihe von unbelegten Vermutungen, die sich in der Folge im Wesentlichen als unrichtig und begrenzt erwiesen haben:

Die in Deutschland lebenden Afrikaner seien eine sehr kleine Minderheit und daher sei ihre Präsenz ohne Einfluss und Relevanz für die hiesige Gesellschaft gewesen. Die deutsche Gesellschaft sei im Ganzen so fremdenfeindlich gewesen, dass ein normales Leben für Afrikaner hier nicht möglich gewesen wäre. Die Menschen schwarzer Hautfarbe seien einzig auf die Rolle als exotisches Objekt beschränkt gewesen.

Martin Dibobe als Zugführer
Grossansicht des Bildes
Martin Dibobe als Zugführer am U-Bahnhof Schlesisches Tor, ca. 1908 © Archiv der BVG Berlin

Im Rahmen meiner Abschlussarbeit an der Universität begab ich mich 1987 auf die Suche nach den Zeugnissen des Lebens Schwarzer Menschen in Deutschland. Es gelang mir eine Skizze der afrikanischen Zuwanderung sowie der Lebensbedingungen der Afrikaner und Afro-Deutschen in Deutschland über drei historische Perioden zwischen der Errichtung deutscher Kolonien 1884 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zu entwerfen. Nachdem ein Anfang gemacht war und einige mögliche Quellenfundstellen aufgezeigt waren, zeigte sich, dass die Forschung zur Präsenz Schwarzer Menschen in Deutschland ein überaus vielfältiges und facettenreiches Gebiet darstellte.

Den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den verschiedensten Fachrichtungen, die sich heute diesem Themengebiet zuwenden und zu den verschiedensten Aspekten arbeiten, erleben, dass ihnen die Quellen in ihrer Fülle gar explodieren. Ich freue mich über die Vielfalt der Forschung und über jede neue Veröffentlichung, die dazu beiträgt, das Puzzle zu vervollständigen. Viele Fragen wurden mittlerweile beantwortet, doch viele neue sind entstanden und so ist dieses Forschungsgebiet weiterhin sehr aufregend und bietet die Möglichkeit neuer Entdeckungen. Vor allem seien die Spuren der Afrikanerinnen und Afrikaner in der deutschen Geschichte so gering, dass es keine ausreichende Menge von Originalquellen gäbe, die sich wissenschaftlich auswerten ließen.


30. Juli 2004

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