Dabei war das nach 1945 teilweise aktiv verdrängte Erbe des Kolonialismus bis dahin überaus lebendig. Anfang der vierziger Jahre besaß der Reichskolonialbund fast zwei Millionen Mitglieder, beträchtliche Geldbeträge flossen in die Kolonialforschung. In den Schubladen zahlreicher Instanzen lagen ausgearbeitete Pläne für eine erneute Inbesitznahme der im Ersten Weltkrieg verlorenen Gebiete bereit. Unzählige Freiwillige meldeten sich für einen baldigen Einsatz auf dem südlichen Kontinent. Die fachlichen Kenntnisse der deutschen Kolonial- und Tropentechnik waren auf dem neuesten Stand. Und einer der letzten Spielfilme des "Dritten Reiches", der nicht mehr uraufgeführte "Quax in Afrika", ließ Heinz Rühmann 1945 noch einmal zum schwarzen Kontinent fliegen - wo er freilich eine Bruchlandung erlebte.
Diese Bilanz war für den deutschen Kolonialrevisionismus nach 1918, vielleicht sogar für den deutschen Kolonialismus seit 1884 insgesamt zu ziehen. Doch zeigen die Filme und die Erwartungen der Koloniallobby zugleich, wie stark die afrikanischen Phantasien in Deutschland lange Zeit waren. Als die Sieger des Ersten Weltkriegs Deutschland 1919 aus dem Kreis der aktiven Kolonialmächte ausschlossen, rief dies einen Aufschrei der Empörung hervor. Die politische Zustimmung zu den Kolonien war in Deutschland am einmütigsten, als die kolonisatorische Mission der Deutschen von außen her für beendet erklärt wurde und Deutsch-Südwestafrika, Deutsch-Ostafrika, Kamerun und Togo als Mandatsgebiete in die Verwaltung der ehemaligen Kriegsgegner übergingen. Wirtschaftlich und finanziell traf der Verlust das Deutsche Reich freilich kaum. Der Anteil der Kolonien am deutschen Außenhandel betrug 1913 gerade einmal 0,6 Prozent. Nicht zuletzt brandmarkten die Kolonialgegner die dreißig Jahre, in denen Deutschland einige wenig ertragreiche Gegenden in Afrika, einen Brückenkopf in China sowie einige südpazifische Besitzungen besessen hatte, oft genug als "nationales Verlustgeschäft".