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Der Untergang der Weimarer Republik

Kampf um die Republik 1919 - 1923

Friedrich Ebert und Konrad Adenauer
Grossansicht des Bildes
Reichspräsident Friedrich Ebert (Mitte) mit dem Kölner Oberbürgermeister und späteren Bundeskanzler Konrad Adenauer (rechts) in den 1920er Jahren. Foto: AP
Schon die ersten Jahre der Weimarer Republik erwiesen sich politisch als äußerst schwierig: Die Last der Reparationszahlungen, die fehlende Akzeptanz der neuen Staatsform in der Bevölkerung und ein aufkeimender Extremismus stellten die junge Demokratie vor eine Zerreißprobe.


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Auszug aus:
Kampf um die Republik 1919-1923, Informationen zur politischen Bildung (Heft 261)
Sturm, Reinhard
Inhalt
Einleitung
Versailler Vertrag
Finanzpolitik und Wirtschaftsentwicklung
Politische Polarisierung
Rechtsradikalismus
Aufstände und Putschversuche
Reparationsprobleme
Deutsch-russisches Abkommen
Ruhrbesetzung
Hyperinflation
Diktatur in Bayern
Kommunistische Umsturzversuche
Hitler-Putsch
Separatistenbewegungen
Ablösung Stresemanns
Reparationsprobleme
Nach langer Vorbereitung - ohne deutsche Beteiligung - entschieden die Alliierten am 29. Januar 1921 in Paris über Umfang, Zeitdauer und Zahlungsweise der von Deutschland zu erbringenden Reparationen. Die Weimarer Republik sollte ab 1. Mai 1921 226 Milliarden Goldmark (GM) zahlen, verteilt auf 42 Jahre, in Jahresraten von anfangs zwei, später sechs Milliarden GM. Darüber hinaus waren im selben Zeitraum jährlich zwölf Prozent des Wertes der deutschen Ausfuhr (etwa 1-2 Milliarden GM) abzuführen. Frankreich sollte 52 Prozent, England 22 Prozent, Italien zehn Prozent und Belgien acht Prozent der Reparationen erhalten; die restlichen acht Prozent verteilten sich auf sonstige Kriegsgegner.

Die treibende Kraft hinter diesen harten Forderungen war der französische Vorsitzende der alliierten Reparationskommission, Raymond Poincaré, 1922 bis 1924 und 1926 bis 1929 Ministerpräsident und Außenminister seines Landes. Frankreich gedachte - ebenso wie England - mit Hilfe der deutschen Zahlungen seine Nachkriegskrise zu überwinden und seine Kriegsschulden bei amerikanischen Gläubigern (Banken) zu begleichen. Auch erwartete die französische Öffentlichkeit eine nachhaltige Schwächung Deutschlands, um den als gefährlich empfundenen Nachbarstaat dauerhaft kriegsunfähig zu machen. Vor allem deshalb verfolgte Poincaré seinen Plan, die Reparationsansprüche als Instrument für eine territoriale Revision des Versailler Vertrages zu benutzen: Konnte Deutschland die hohen Forderungen nicht erfüllen, so würden vertraglich festgelegte Sanktionen verhängt, nämlich die Besetzung von Teilen des Industriegebietes an Rhein und Ruhr durch alliierte bzw. französische Truppen. Darin sah Poincaré eine Chance, Frankreichs Ostgrenze allmählich doch noch bis an den Rhein vorzuschieben und das Ruhrgebiet mit seiner Schwer- und Rüstungsindustrie zu kontrollieren.

Londoner Ultimatum

Die deutsche Öffentlichkeit zeigte sich schockiert. Die Pariser Reparationsbeschlüsse waren Wasser auf die Mühlen der konservativen und rechtsradikalen Gegner der Weimarer Republik; sie gaben der Dolchstoßlegende und der Unschuldspropaganda neue Nahrung. Die Regierung Fehrenbach erklärte die Forderungen für weder annehmbar noch erfüllbar. Auf der Londoner Reparationskonferenz wurde Deutschland am 31. März 1921 ein Ultimatum gestellt: Annahme der Forderungen oder Vorlage von Gegenvorschlägen innerhalb von vier Tagen. Nach der Ablehnung eines deutschen Angebots in Höhe von 50 Milliarden GM, begannen alliierte Truppen am 8. März mit der Besetzung der "Sanktionsstädte" Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort.

In Deutschland kam es zu einer wochenlangen Regierungskrise, die die KPD zu einem Umsturzversuch verführte. Ende März 1921 löste sie Arbeiteraufstände in Mitteldeutschland und in Hamburg aus, die jedoch von der preußischen Polizei niedergeschlagen wurden. Auch polnische Freiwilligenverbände hielten die Gelegenheit für günstig und rückten - mit Duldung der französischen Besatzungsmacht - am 2. Mai 1921 in Oberschlesien ein, das sich in einer Volksabstimmung am 20. März mit großer Mehrheit (60 Prozent) für den Verbleib bei Deutschland entschieden hatte. Sie wurden von deutschen Freikorps vertrieben. Dennoch musste Ostoberschlesien aufgrund eines Beschlusses des Völkerbundsrates an Polen abgetreten werden, was in Deutschland neuerliche Verbitterung auslöste und dem Ansehen der Republik schadete.

Da die DVP die Übernahme der Reparationsverpflichtungen nicht mitverantworten wollte, trat die Regierung Fehrenbach am 4. Mai 1921 zurück. Am Tag darauf verlangten die Siegermächte die Annahme ihrer Forderungen, die sie inzwischen immerhin fast auf die Hälfte verringert hatten: 132 Milliarden GM, Jahreszahlungen für Zinsen und Tilgung in Höhe von etwa zwei Milliarden GM, ferner Abgabe von 26 Prozent des jährlichen Exportwertes - anderenfalls werde ab 12. Mai das Ruhrgebiet besetzt. Die am 10. Mai neu gebildete Weimarer Koalitionsregierung unter Reichskanzler Joseph Wirth (Zentrum) sah sich gezwungen, dieses "Londoner Ultimatum" anzunehmen.

Aus der Sicht der Reichsregierung überforderten die Londoner Beschlüsse bei weitem die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und die Zahlungsfähigkeit des deutschen Staates. Daher rang die Reichsregierung 1921/22 mit den Alliierten ständig um Zahlungsaufschübe und um die Umwandlung von Geldzahlungen in Güterlieferungen, damit Staatsverschuldung und Inflation nicht außer Kontrolle gerieten. Die französische Regierung hingegen argwöhnte hinter diesen Bemühungen, dass Deutschland seine Zahlungsverpflichtungen zu umgehen versuchte.



Auszug aus:
Kampf um die Republik 1919-1923, Informationen zur politischen Bildung (Heft 261)



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