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Politik
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Region in permanenter Unordnung |
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Im Nordosten kämpfen Aufständische seit über 50 Jahren gegen die Regierung in Delhi |
| Subir Bhaumik |
Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1947 gibt es in Indiens Nordosten gewaltsame Konflikte. Separatistische Bewegungen und blutige ethnische Auseinandersetzungen gehören in dieser Region in einem Ausmaß zu Tagesordnung, dass man von einer durable disorder einer permanenten Unordnung sprechen kann. Der indische Staat antwortet darauf mit Militäraktionen,
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"Lang lebe Manipur" Demonstration in Manipurs Hauptstadt Imphal, 2001
Foto: Ratan Luwangcha
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wirkungsvoll gepaart mit politischen Kompromissen, finanziellen Anreizen und der gezielten Spaltung einzelner Bewegungen, die die Autorität Delhis herausfordern.
Während es dem pakistanischen Regime nicht gelang, seinen östlichen Teil dauerhaft an sich zu binden (1971 wurde aus Ost-Pakistan das unabhängige Bangladesch), schaffte es Indien mit einer strategisch geschickten Aufstandbekämpfung seinen Einfluss im Nordosten der Union stetig zu festigen. Wie im benachbarten Myanmar (Burma) erlebten die separatistischen Bewegungen in der Region in den vergangenen 50 Jahren ein ständiges Auf und Ab, ohne jedoch jemals das Ziel der staatlichen Unabhängigkeit zu erreichen. Gleichwohl existieren sie bis heute.
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Zur Person |
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Subir Bhaumik ist der Ostindien-Korrespondent der BBC mit Sitz in Kolkata (Kalkutta). Davor war er unter anderem für das Magazin Time und die Nachrichtenagentur Reuters sowie den indische Agentur Press Trust of India und die in Kolkata ansässige Tageszeitung Anandabazar Patrika tätig. Seine Artikel sind auch in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen erschienen. Zudem ist Bhaumik Autor der Bücher "Insurgent Crossfire" und "The Troubled Periphery" |  |
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 |  | Die 225.000 Quadratkilometer große Region mit ihren zahlreichen Bergketten, Flüssen und Wäldern liegt eingeklemmt zwischen Bhutan, dem zur Volksrepublik China gehörenden tibetischen Hochland, Myanmar und Bangladesch. Nur durch einen 21 Kilometer breiten Korridor mit dem Rest Indiens verbunden, haben auch diese oft unberechenbaren Nachbarn maßgeblichen Anteil an der durable disorder im Nordosten. Um die unter Kontrolle zu bringen, entsandten Indiens Regierungen in den vergangenen Jahrzehnten eine immer größer werdende Zahl von Armee-, Paramilitär- und Polizeieinheiten unterstützt vom Geheimdienst, der unterschiedliche Rebellengruppen gegeneinander ausspielte. Die Militarisierung der Region, die regelmäßigen "Geheimoperationen" und der damit einhergehende, oft zügellose Einsatz von Gewalt hatten und haben zum Teil massive Menschrechtsverletzungen zur Folge verursacht von staatlichen Sicherheitskräften und Aufständischen.
Auch aufgrund drakonischer Sonderermächtigungsgesetze wie dem Armed Forces Special Powers Act (AFSPA), der den Sicherheitskräften faktisch unbeschränkte Machtbefugnisse einräumt, konnten sich im Nordosten nur mit Mühe Ansätze einer funktionierenden Zivilgesellschaft entwickeln. Ein weiterer Grund ist die anhaltende politische Instabilität in Unionsstaaten wie Manipur und Meghalaya, Nagaland und Arunachal Pradesh mitverursacht durch die oft enge Verbindung von Parteien mit noch aktiven oder ehemaligen Rebellenorganisationen. Zudem ist der Nordosten eine Region im postkolonialen Südasien, in der für viele aufständische ethnische Gruppen der Griff zu den Waffen oftmals die erste und nicht die letzte Option des Widerstands ist.
Aufstand in den Naga-Bergen
Der Nationalrat der Volksgruppe der Naga (Naga National Council, NNC) ebnete den Weg für den Aufstand gegen die Zentralregierung in Neu Delhi. Einen Tag bevor Jawaharlal Nehru am 15. August 1947 die staatliche Souveränität Indiens verkündete, erklärte der NNC seinerseits die Unabhängigkeit der Naga-Berge, die damals noch ein Teil Assams waren. Geschwächt durch innere Kämpfe und Abspaltungen existiert die separatistische Bewegung der Naga bis heute. Ideologischer Bannerträger ist der in zwei verfeindete Fraktionen gespaltene Sozialistische Nationalrat Nagalands (National Socialist Council of Nagaland, NSCN). Beide Gruppen die NSCN/Isak-Muivah und die NSCN/Khaplang haben inzwischen Waffenstillstandsabkommen mit Delhi unterzeichnet, bekämpfen sich aber mit unerbittlicher Härte gegenseitig. Abgesehen davon gilt ihre Forderung, den heutigen Unionsstaat Nagaland mit allen von Nagas bewohnten Gebieten in Arunachal Pradesh, Assam und Manipur zu einem "Groß-Nagaland" dem so genannten Nagalim zu vereinen, als größte Hürde für eine endgültige Beilegung von Südasiens ältestem ethnischem Konflikt.
Anders als die vom NNC geführte Rebellion entwickelten sich andere separatistische Bewegungen im Nordosten aufgrund des Scheiterns oder der Unfähigkeit Delhis, Missständen wirkungsvoll entgegenzutreten. In den frühen 60er Jahren kam es in den Mizo-Bergen Assams (heute Unionsstaat Mizoram) zu einer verheerenden Hungersnot. Grund dafür war ein seltenes Naturereignis. Durch die nur einmal in Jahrzehnten auftretende Bambus-Blüte, die die Stämme der Pflanzen süß werden lässt, kam es binnen weniger Wochen zu einer Explosion der Rattenpopulation. Die Tiere zerstörten mit ihrem Heißhunger einen Großteil der landwirtschaftlichen Erträge. Die verheerenden Folgen für die Bevölkerung wurden von der Zentralregierung ignoriert und zahlreiche Menschen starben. Hunderte junge Mizos griffen wenig später unter dem Dach der Nationalen Mizo-Front (Mizo National Front, MNF) zu den Waffen und kämpften einen 20 Jahre andauernden blutigen Guerillakrieg.
In Tripura zettelten die Kommunisten im Oktober 1949 unmittelbar nach Anschluss des einst unabhängigen Königreiches an die Indische Union den ersten Aufstand der indigenen Bevölkerung an. Doch bald schon distanzierten sie sich vom bewaffneten Kampf und wurden Teil des politischen Mainstreams. Der Unmut der einheimischen Stammesbevölkerung über die anhaltende Einwanderung von Bengalen aus Ost-Pakistan, dem heutigen Bangladesch, die sie zu einer Minderheit im eigenen Land machte, führte in den folgenden Jahrzehnten allerdings zur Gründung eigener bewaffneter Gruppen. Deren Ziel war ein Stopp der Zuwanderung, zum Teil strebten sie sogar die Unabhängigkeit Tripuras an. In jüngster Zeit waren sie jedoch hauptsächlich in kriminelle Machenschaften verstrickt, was einen rapiden Mitgliederschwund zur Folge hatte.
Manipurs Rebellen haben Zulauf
In Manipur indes hat die Separatistenbewegung der Meitei sie stellt die Mehrheit der 2,3 Millionen Einwohner Manipurs seit einigen Jahren wieder enormen Zulauf. Gründe dafür sind
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"Verhandlungen mit der BLT sind die Lösung des Bodo-Problems": Wandbild der Bodo Befreiungstiger (BLT) in Assam. Seit 2006 gehΓΆren BLT-Vertreter der Landesregierung an. Foto: Stefan Mentschel
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unter anderem die angesprochene Forderung der NSCN, alle von Nagas bewohnten Gebiete zu einem "Groß-Nagaland" zu vereinen. Aus Sorge um die territoriale Integrität Manipurs, aber auch aus Verzweiflung über die verheerenden wirtschaftliche Lage, die extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit sowie die Unfähigkeit und Ignoranz der politisch Verantwortlichen schlossen sich Hunderte den Rebellen an. Obwohl die Meitei viele beten als Vaishnaviten den Hindu-Gott Vishnu an Indien kulturell nahe stehen, ist seit 30 Jahren eine zunehmende Entfremdung der Meitei von Delhi zu beobachten, die durch repressiven Maßnahmen und das gewaltsame Vorgehen gegen Manipurs Untergrundorganisationen noch weiter verstärkt wurde.
Den indischen Sicherheitskräfte ist es bisher nicht gelungen, die Hochburgen der Meitei-Rebellen in den Bergen Manipurs einzunehmen. Aus diesem Grund unterzeichnete man zahlreiche Vereinbarungen mit bewaffneten Gruppen kleinerer Ethnien wie den Kuki, um sie als Verbündete zu gewinnen und so einen militärischen Erfolg gegen die Meitei herbeizuführen. Doch dieses Vorhaben scheiterte. Keine der großen Meitei-Gruppen erklärte sich bislang zu Gesprächen mit Delhi bereit. Im Gegenteil: Die 1964 gegründete Vereinte Nationale Befreiungsfront (United National Liberation Front, UNLF) fordert von Delhi eine Volksabstimmung unter Aufsicht der Vereinten Nationen, in der über den Verbleib Manipurs in der Indischen Union entschieden werden soll. Zudem hat die Gründung der Volksbefreiungsfront von Manipur (Manipur Peoples Liberation Front, MPLF), die drei einflussreiche Meitei-Gruppen vereint, die Untergrundbewegung weiter gestärkt. Neben der UNLF gehören der MPLF die Volksbefreiungsarmee (People's Liberation Army, PLA) sowie die Revolutionäre Volkspartei von Kangleipak (Peoples Revolutionary Party of Kangleipak, Prepak) an.
Die Meitei-Rebellen sind zudem die einzigen separatistischen Organisationen im Nordosten, die auch die Rolle von "Moralpolizisten" übernehmen. Vor allem die Organisation zur Rettung Manipurs (Kanglei Yawol Kanna Lup, KYKL) hat in der Vergangenheit wiederholt korrupte Lehrer, Geschäftsleute, die mit Pornofilme handeln, oder Drogendealer bestraft meist durch Schüsse in die Beine. Auch diese Aktionen haben ihren Rückhalt in der Bevölkerung gestärkt.
Während es in Meghalaya und Arunachal Pradesh kaum Rebellen-Aktivitäten gibt, wird der Unionsstaat Assam seit langem von Aufständen geschüttelt angefacht durch die von der Volksgruppe der Asomiya beherrschte Vereinte Befreiungsfront von Asom (United Liberation Front of Asom, ULFA) sowie Gruppen kleinerer Ethnien wie der Bodo. Die ULFA entstand Ende der 70er Jahre aus einer Massenbewegung gegen die illegale Einwanderung von Menschen aus Bangladesch. Bald wandte sie sich jedoch gegen den indischen Staat, dem sie vorwarf, Assams Bodenschätze vor allem Erdöl rücksichtslos auszubeuten. Im Herbst 2006 wurden nach erneutem Scheitern von Friedensgesprächen mit der ULFA die Militäreinsätze wieder aufgenommen. Allerdings gelang es, Waffenstillstandsabkommen mit kleineren Untergrundorganisationen zu schließen. So gehören ehemalige Rebellen der Bodo Befreiungstiger (Bodo Liberation Tigers, BLT) seit Sommer 2006 Assams Landesregierung an.
18. Januar 2007 |
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Schriftenreihe |
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Eine kleine Geschichte Indiens
Informativ und leidenschaftlich stellt Shashi Tharoor in seinem Buch Indien als Subkontinent der Gegensätze dar. Er analysiert und argumentiert, statt zu deuten und zu schwärmen. |
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Informationen zur politischen Bildung |
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Indien
Indien ist mit Blick auf Bevölkerung, Ausdehnung und gesellschaftliche Vielfalt ein Land der Superlative. Doch auch die Herausforderungen, vor denen das Land steht, sind gewaltig. |
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Aus Politik und Zeitgeschichte |
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Indien
Indiens wirtschafliche Entwicklung ist beeindruckend: In den vergangen vier Jahren betrug das Wachstum durchschnittlich über acht Prozent. Dennoch hat das Land schwerwiegende Probleme. Drei Viertel der Bevölkerung leben in Armut. Wachsender Energiebedarf und Klimawandel stellen Indien vor neue Herausforderungen. |
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