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Dem Islamismus begegnen
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Die muslimische Jugendszene |
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| Claudia Dantschke |
Muslimische Jugend in Deutschland
Zu diesen Jugendszenen gehören die zwar arabisch dominierten aber multinational zusammengesetzten, islamisch konservativ orientierten sunnitischen "Pop-Muslime", wie z.B. die Muslimische Jugend in Deutschland (MJD). Die MJD ist eine bundesweit organisierte deutschsprachige Organisation für muslimische Jugendliche zwischen 13 und 30 Jahren aus eher bildungsorientierten und sozial integrierten Schichten, darunter auch zahlreiche Jugendliche bikultureller Herkunft sowie Konvertiten. Die MJD wurde 1994 nach dem Vorbild der britischen Young Muslims (3) unter Leitung des Vereins "Haus des Islam – HDI" (Lützelbach) gegründet. Der erste Amir und Vorsitzende der MJD war Muhammad Siddiq (Wolfgang Borgfeld), ein deutscher Konvertit und Leiter des HDI. Offiziell gilt die MJD als unabhängiger Jugendverband, aber der Verein HDI ist bis heute Pate der MJD, u.a. bei der Veranstaltung der jährlichen MJD-Meetings oder der Brüder- und Schwestern-Lager. Personelle Verflechtungen zwischen der MJD und Organisationen der Muslimbruderschaft, das regelmäßige Auftreten verschiedener Autoritäten dieses Spektrums als Referenten auf MJD Veranstaltungen und die von der MJD über ihren Buchverlag Greenpalace verbreitete religiöse Literatur haben der MJD wohl nicht zu unrecht den Ruf einer inoffiziellen Jugend- und Eliteorganisation dieses politisch-islamischen Spektrums verschafft, deren Interessen in Deutschland, laut Verfassungsschutz, von der "Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e. V. (IGD) vertreten werden, die unter dem Einfluss der ägyptischen Muslimbruderschaft steht". (4)
Die MJD ist gegliedert in Lokalkreise, der Vorstand der MJD nennt sich Schura, Vorstandsvorsitzender ist der Amir. Zwar sind in der Schura auch junge Frauen vertreten, der Amir war aber bisher stets männlich. Alle zwei Jahre wird eine neue Schura gewählt. Die Mitgliederzahl der MJD bewegt sich zwischen 200 und 300, zu den Jahrestreffen kommen aber über 1.000 muslimische Jugendliche, darunter ein hoher Anteil junger Frauen. Obwohl männliche und weibliche Mitglieder der MJD auch gemeinsam zu regionalen Treffen reisen und religiöse Feste feiern, treffen sich die "Schwestern" und "Brüder" des Vereins an unterschiedlichen Wochentagen getrennt. Die konservativ-islamische Geschlechtertrennung wird bei der MJD eingehalten und praktiziert. So gibt es für Mädchen und Jungen jeweils eigene mehrtägige Jugendlager, bei denen das Gemeinschaftsgefühl und der Gruppenzusammenhalt gestärkt werden sollen. "Unter den Geschwistern der Muslimischen Jugend fühlen wir uns zu Hause, mit keiner anderen Gemeinschaft fühlen wir uns so sehr verbunden", resümiert ein langjähriger MJD-Funktionär seine Zeit bei der Organisation. Die Jugendarbeit der MJD ist hoch professionell, wie die Handbücher für die Lokalkreise mit ihren Hinweisen für eine erfolgreiche Organisation von Jugendgruppen zeigen. (5)
Im Zentrum der MJD - Jugendarbeit steht das Bemühen, die religiöse Selbstdefinition als gläubige/r und praktizierende/r Muslimin oder Muslim mit dem Leben in Deutschland zu verbinden. Beides wird im Einklang und nicht im Widerspruch zueinander gesehen, definiert und den Jugendlichen vermittelt. Elemente urbaner, nichtreligiöser Jugendkulturen, wie Hip Hop oder Graffiti, werden adaptiert und mit den eigenen religiösen Inhalten gefüllt. Der heute bekannteste muslimische Hip Hopper, Ammar114 (Milkias Kedebe) (6), der im gesamten Spektrum der so genannten "Pop-Muslime" Beachtung und Anerkennung findet, fand über die MJD nicht nur zum Islam sondern auch zu dem inzwischen von weiteren Jugendlichen kopierten islamischen HipHop-Stil.
Die Arbeit der MJD ist darauf ausgerichtet, "nichts gegen den Willen der Eltern zu machen, und dass die Eltern auch zufrieden sind mit dem, was wir leisten, damit es da keine Probleme gibt", so der aktuelle Vorsitzende der MJD, Mohammed Nabil Abdulazim (7). "Jüngere", so Abdulazim, "können in der Regel besser auf die Jugendlichen eingehen, sind flexibler, und die Jugendlichen fühlen sich von ihnen besser verstanden. Die Erfahrung der Älteren ist aber trotz allem nicht zu ersetzen. Wir können als Jugendliche immer nur einen gewissen Input geben, aber durch Lebenserfahrung und Weisheit können auch Ältere einen wichtigen Beitrag geben", so der MJD Vorsitzende. (8)
Diesen Generationenwechsel im Sinne der Elterngeneration brachte auch Riem Hawi zum Ausdruck, als sie am 21. September 2003 als Vertreterin der MJD die junge Generation auf der Jahrestagung der IGD im Berliner Tempodrom vertrat. Mit Verweis auf die Gefährten des Propheten Mohammad stellte sie fest, dass nur eine Jugend, die Teil der Gesellschaft ist und die sich einer Gesellschaft zugehörig fühlt, auch in der Lage ist, diese Gesellschaft zu verändern, und zwar "zum Besseren" (9). "Und auch das wollen wir", erklärte Hawi, denn "Integration heißt ja: Heile machen. Das kommt aus dem Lateinischen und heißt: heile, sauber. Integration heißt heile machen und das wollen wir und nichts anderes". Riem Hawi bezog sich in ihrer Rede auf den geistigen Mentor der Veranstaltung, den deutschen Konvertiten Ahmad von Denffer. In einem Grundsatzreferat zum Thema dieser IGD-Jahrestagung "Integration statt Ghetto?!!" hatte Ahmad von Denffer erklärt: "Die Muslime sollten Integration nicht als ‚Teil werden’ oder ‚Teil sein’ der Gesellschaft verstehen, sondern als ‚sich beteiligen’ an der Gesellschaft, also von einer passiven zu einer aktiven Rolle finden. Wenn die Muslime ihre eigentliche Aufgabe wahrnehmen, nämlich ihren Mitmenschen hierzulande das Wort Allahs nahe zu bringen und den Menschen zu nützen, dann wird all das, worum man sich ansonsten so sehr bemüht, sich eigentlich von selbst erledigen." (10) Die Tatsache, dass man in einer säkularen Demokratie lebe, schreibt Ahmad von Denffer, müsse für die Muslime nur ein Ansporn sein, "sich nach besten Kräften dafür einzusetzen, die Gesellschaft in eine islamgemäße umzuwandeln."
Salafitische Missionare
Distanzierter zur nichtmuslimischen Umwelt und kompromissloser in ihrem Islamverständnis verhalten sich die an orthodoxen saudi-arabischen Gelehrten ausgerichteten, sehr spirituell auftretenden salafitischen Gruppen. Sie sind zwar inhaltlich radikal aber nicht gewaltorientiert, ihre Grundlage ist ein wahhabitisches (11) Islamverständnis mit einer extrem frommen, puritanischen und buchstabengetreu am Koran und an der Scharia orientierten Ausrichtung. Propagiert wird eine Rückkehr zum Vorbild der "lauteren Vorfahren" (al-salaf al-salih) und damit zu einem fiktiven "Urislam", einem vermeintlich reinen Islam zu Zeiten des Propheten Mohammad und der vier rechtgeleiteten Kalifen in Medina. Kennzeichnend für diese Strömung ist die Abwertung all derjenigen, die nicht ihrer dogmatischen Islaminterpretation folgen (12) sowie die extreme Ablehnung der Schiiten und des Schiitentums als "Sekte" und "Abweichung vom Islam". Die damit eingeleitete Spaltung des Islam soll überwunden und rückgängig gemacht werden.
Die männlichen Anhänger dieser Strömung (auch und gerade die Jugendlichen) fallen in der Öffentlichkeit durch Barttracht und orientalisch anmutende Kleidung auf. Es gibt zwei relevante Netzwerke in Deutschland, die den missionarischen Ansatz verkörpern und damit auch im Bereich der Jugendlichen bedingt erfolgreich sind. Das ist zum einen die syrisch-marokkanische Gruppe der vier Imame, gleitet von dem Leipziger Imam Hassan Dabbagh (Abu al-Hussain). Vor allem der Berliner Vertreter dieser Gruppe, der marokkanische Jugendimam Abdul Adhim, hat mit seinen charismatischen Auftritten in verschiedenen Berliner Gemeinden (13) und seinen wöchentlichen Gesprächszirkeln in der Berliner Al-Nur-Moschee vor allem bei Jugendlichen muslimischer Herkunft sowie jungen deutschen Konvertiten eine gewisse Popularität erreicht und eine feste Anhängerschaft sowohl männlicher als auch weiblicher Jugendlicher um sich scharen können. Dazu trägt auch das massive deutschsprachige Internetangebot dieser Strömung bei, ein ganzer Komplex von miteinander vernetzten Homepages bietet neben Informationen, Fatwas (islamische Rechtsgutachten), Diskussionsforen und Internet-Paltalk-Abenden auch die deutschsprachigen Vorträge und Predigten dieser vier Imame als kostenlose Audio- und Videodateien an. (14)
05. Juli 2007 |
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Antisemitismus
Antisemitismus ist eine antimoderne Weltanschauung, die in der Existenz der Juden die Ursache aller Probleme der heutigen Welt sieht. Das Dossier beleuchtet Geschichte und Gegenwart der Judenfeindschaft und hilft, sie zu entlarven. |
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