kulturelle Bildung
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Länderbeispiel England: Vom Goldenen Zeitalter in die Misere


20.5.2011
England gilt international als ein Vorreiter in Sachen kulturelle Bildung, es glänzt mit vorbildlichen Programmen im schulischen und außerschulischen Bereich. Doch viele der Errungenschaften der letzten 10 Jahre sind bedroht durch eine bildungspolitische Neuausrichtung der aktuellen Regierung.

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    Zwei Grundschulkinder erforschen ihren Schulgarten bei einer Schulstunde draußen im Rahmen des "Find Your Talent"-Programms. © Find Your Talent Telford & Wrekin, CCE, Fotograf: Simon RixZwei Grundschulkinder erforschen ihren Schulgarten bei einer Schulstunde draußen im Rahmen des "Find Your Talent"-Programms. (© Find Your Talent Telford & Wrekin, CCE, Fotograf: Simon Rix)

    Einführung



    England wird im Hinblick auf kulturelle Bildung als führend in der Welt angesehen. Nie war auf internationaler Ebene das Interesse daran größer – die einen sind interessiert an Schulen , die mit dem Modell Creative Partnerships arbeiten, die anderen wollen von den florierenden museumspädagogischen Abteilungen in unseren nationalen Kulturinstitutionen wie dem Royal Opera House und dem Nationaltheater lernen. Dennoch gefährden jüngste Veränderungen den Fortschritt. Dieser Artikel beleuchtet die Entwicklung der kulturellen Bildung im letzten Jahrzehnt in England, die bestehenden Herausforderungen und die gegenwärtige Situation.

    Historische Entwicklung und Fortschritt



    Nur rückblickend kann man von einem "goldenen" Zeitalter sprechen. Im Nachhinein wird deutlich, dass sich im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts die Art und Weise, wie die meisten Kinder in England Zugang zur kulturellen Bildung haben, erheblich verändert hat.

    Im Rahmen des Schulunterrichts wurde durch die Überarbeitung des nationalen Curriculums der Anspruch eines jeden Kindes auf musisch-kulturelle Bildung gesetzlich neu verankert. Ein Netzwerk von 450 auf Kunst und Musik spezialisierten weiterführenden Schulen wurde nach der Maßgabe aufgebaut, fachkundigen Unterricht in künstlerischen Fächern zu gewährleisten und auch anderen Schulen vor Ort und der breiteren Öffentlichkeit ihre Fachkompetenz anzubieten. Die Teilnahme am Erwerb eines weiten Spektrums an kunstbezogenen Fähigkeiten sowie herausragende Leistungen in künstlerischen Fächern haben beachtlich zugenommen. Einerseits ist das der Stiftung eines neuen Kunstpreises für junge Menschen zwischen 11 und 25 Jahren zu verdanken, andererseits auch dem Label Artsmark, einer Prämierung von Schulen, die sich für die Kunsterziehung engagieren [1]. Schulen boten bisher auch außerschulische Möglichkeiten der künstlerisch-musischen Beschäftigung an, auf nationaler Ebene finanziert durch ein Programm des "erweiterten Schulunterrichts". Im Children's Plan des Familien-und Bildungsministeriums DCSF von 2007 wurde ausgeführt, dass alle jungen Menschen das Recht auf einen breitgefächerten und reichhaltigen Lehrplan haben, was auch den Zugang zu kultureller Bildung auf hohem Niveau einschloss [2].

    Außerhalb des Schulunterrichts begannen Galerien, Museen, Theater und Orchester verantwortungsbewusster denn je ihren Bildungsauftrag wahrzunehmen, angeregt durch einen effektiven Zuwachs der staatlichen Finanzierung der Künste um das Doppelte, durch zusätzliche kommunale Fördermittel sowie die Neugründung von kulturellen Institutionen mit Unterstützung seitens der staatlichen Lotterie. Der Eifer ging weit über das sonst übliche Interesse an Besucherzahlen hinaus und richtete sich auf ein noch intensiveres Engagement für Schulen und junge Menschen. Die Künste gehörten nun, um Tony Blair zu zitieren, zum "Kernprogramm" der New Labour – Regierung, gleichzeitig belegte auch die Bildung einen Platz im "Kernprogramm" unserer herausragenden kulturellen Institutionen. Im Schulterschluss zwischen unserem Kultur-und Bildungsministerium wurden spezielle Projekte in Angriff genommen, die dieser Entwicklung den Rücken stärkten:

    Auf dem Gebiet der Musik wurden jährlich £80 Millionen bereitgestellt, damit alle Schülerinnen und Schüler ein Jahr lang in der Grundschule Unterricht bekommen konnten, ferner, um Jugendchöre, -orchester und -ensembles zu finanzieren. Auch für das neu ins Leben gerufene Projekt Sing up, das dem Gesang wieder einen Platz in der Grundschule einräumen sollte, wurden zwischen 2008 und 2011 £ 40 Millionen bereitgestellt. In das Projekt Youth Music flossen jährlich £10 Millionen, um musikalische Aktivitäten in benachteiligten Gemeinden in Angriff zu nehmen.

    Was den Tanz betrifft, so wurde die Organisation Youth Dance England ins Leben gerufen, die eine führende Rolle für die Tanzkunst in und außerhalb von Schulen übernehmen sollte. Nötige Mittel wurden zur Verfügung gestellt, um die Arbeit mit begabten jungen Tänzerinnen und Tänzern zu fördern.

    In Hinsicht auf den Film entwickelte man die Kompetenzstrategie 21st century literacy, um eine Reihe von bereits existierenden Initiativen zusammenzuführen, darunter auch die Initiative First Light, die jungen Filmemacherinnen und -machern die Möglichkeit bietet, an der Seite von Profis Filme zu drehen. In mehr als 7000 Schulen entstanden Filmklubs.

    Was Museen anbelangt, so stieg, auch angespornt durch den freien Eintritt, die Zahl der Kinder, die staatliche Museen und Galerien besuchten, auf über 9 Millionen. Die Agenda Renaissance Funding, die für regionale Museen Geldmittel zur Verfügung stellt, hat seit 2002 die Zahl der Besucher im Kindesalter um mehr als 80% anwachsen lassen; darunter auch Kinder aus bildungsferneren Schichten [3]. Durch Strategic Commissioning, eine an Auftragsvergaben gekoppelte Finanzierung in Höhe von £4 Millionen pro Jahr, wurden große staatliche Museen wie die Nationalgalerie und das Kriegsmuseum des britischen Weltreichs in die Lage versetzt, in Zusammenarbeit mit kleineren regionalen Museen neue Bildungsangebote für mehr als 60.000 Schüler jährlich zu erstellen [4].

    Die staatliche Denkmalschutzbehörde English Heritage konnte bislang, was das Gebiet des Kulturerbes und der städtebaulichen Umgebung betrifft, jährlich auf mehr als 450.000 Besichtigungen ihrer Stätten durch Schulklassen verweisen. Die Behörde hat interaktive Entdeckungstouren angeboten und Leitfäden herausgebracht, sie hielt auch im Internet abrufbare Materialien vor. Auch Aktivitäten und Veranstaltungen für Familien standen auf dem Programm und haben einen neuen Freiwilligendienst entstehen lassen, durch den Jugendliche angeregt werden sollen, bei der Beschäftigung mit dem Kulturerbe spezielle Befähigungen zu erwerben. Auf einer neuen Website unter dem Titel Engaging Places wurde allen Schulen ein landesweites Angebot unterbreitet [5].

    Dreh- und Angelpunkt all dieser Initiativen war das bereits erwähnte Lernprogramm Creative Partnerships. Dieses weltweit bedeutendste staatliche Konzept zur kulturellen Bildung sah vor, Kreativität und kulturelles Lernen junger Menschen durch langfristige Partnerschaften zwischen Schulen und einem großen Kreis von Künstlern und Künstlerverbänden voranzubringen. Die gemeinsamen Vorstellungen von Lehrern und Künstlern sollten innovative Ansätze für das Lehren und Lernen hervorbringen. Das Programm Creative Partnerships, in das seit 2002 mehr als £200 Millionen an Fördermitteln geflossen sind, ist bei über einer Million Kindern in 8.000 Schulen in benachteiligten Regionen zum Einsatz gekommen, übergreifend auf dem gesamten Gebiet der Künste und des Curriculums. Auch für die Forschung und Evaluation entwickelte die Agenda einen wegbereitenden Ansatz; dazu gehört auch eine Studie, die belegt, dass junge Menschen im Alter von 16 Jahren, die sich an Creative Partnerships beteiligt haben, bessere Noten erreichten.


    Fußnoten

    1.
    Siehe www.artsaward.org.uk und http://www.artscouncil.org.uk/artsmark
    2.
    DCSF (2007) Children´s Plan. London: DCSF
    3.
    Siehe http://www.mla.gov.uk/what/programmes/renaissance
    4.
    Siehe http://www.mla.gov.uk/
    5.
    Siehe www.engagingplaces.org.uk
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    „La Sarraz“ – Mediencollage von Lutz Dammbeck, Kulturhaus „Nationale Front“, Leipzig, 24. Juni 1984 (Szene, Ablaufplan, Regie: L. Dammbeck; Tanz: Fine; Filme: Teile von „Hommage à La Sarraz“, eine Collage alter deutscher Heimfilme, 16mm Fassung der Videoaufzeichnung der Herakles-Proben; Kamera: Thomas Plenert; Regie/Schnitt: L. Dammbeck; Diamaterial: L. Dammbeck; Musik: Life Jazz Lothar Fiedler, Hansi Noack, Gottfried Rößler, Thomas Hertel; Aufbau/Kaschur/Malaktion: Olaf Wegewitz, Hans Hendrik Grimmling, L. Dammbeck; Projektion: Dietrich Oltmanns, Norbert Wagenbrett), Foto: Karin Plessing
1982 hatte Lutz Dammbeck mit der Arbeit am Herkakles-Konzept als Szenarium für einen Experimentalfilm begonnen; nach der Ablehnung durch die DEFA entwarf er es als Rauminszenierung und Mediencollage neu. Mit seinen auf der Grundlage dieses Konzeptes entwickelten multimedialen Inszenierungen „La Sarraz“, „Herakles“ und „Realfilm“ näherte sich Dammbeck der deutschen Vergangenheit und der politischen und sozialen Realität in der DDR. Er wandte sich „dem Thema Faschismus“ zu, weil er für seine Generation die Möglichkeit sah, „unbelastet und scheinbar naiv nach beunruhigenden Phänomenen zu fragen. Fragen zum Beispiel nach Ursachen für die Fazination des Nazismus, nach der Wirkung der von ihm geweckten Bilder und Emotionen, bis in die Gegenwart hinein“. (L. D.)Dossier

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