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29.8.2008

Die wirtschaftlichen Möglichkeiten unserer Enkel

– Essay von John Maynard Keynes (1930)

In diesem Essay wagt Keynes einen langfristigen Blick in die Zukunft. Angetrieben von enormen Produktivitätssteigerungen werde die Menschheit ihr ‚ökonomisches Problem´ schon bald gelöst haben und es wird nicht mehr um mehr Reichtum, sondern um eine bessere Lebensqualität gehen. Nach und nach würden immer breitere Bevölkerungsgruppen von ökonomischen Zwängen praktisch befreit werden. Keynes sieht den Moment eines qualitativen Wechsels dann erreicht, wenn die Menschen anfingen, sich um die materiellen Nöte ihrer Nachbarn zu kümmern, weil ihre eigenen bereits gelöst seien.

Der Lebensstandard eines Durchschnittsmenschen stagnierte über mehrere tausend Jahre weitgehend. Erst als die Leute anfingen, einen großen Teil ihres (nicht für den unmittelbaren Lebensunterhalt) benötigten Vermögens in großem Stile zu reinvestieren – z.B. in neue Technologien oder Expeditionen – wurde die ungeheuerliche Kraft des Zinseszinseffekts freigesetzt. Gleichzeitig begann ab dem 16. Jahrhundert (und noch einmal verstärkt ab dem 18.) das große Zeitalter der Wissenschaft und der technischen Erfindungen, das seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts in vollem Gange ist. Keynes glaubt, diese Entwicklung werde weiter anhalten, vor allem dank enormer Produktivitätszuwächse verursacht durch Verbesserungen bei der Technik und beim Transport sieht er am Horizont eine neue Herausforderung und ein der Menschheit bis dato unbekanntes Problem auftauchen, eine technologisch-bedingte Arbeitslosigkeit. Im Folgenden entwirft Keynes ein Szenario, bei dem es die Menschheit bis 2030 tatsächlich geschafft hat, einen im Schnitt achtmal so hohen ökonomischen Lebensstandard zu erreichen. Zwar scheinen die Bedürfnisse des Menschen grenzenlos zu sein. Aber Keynes unterteilt sie in zwei Klassen: Die absoluten (Grund-) Bedürfnisse, die wir immer empfinden und die völlig unabhängig sind von der Lebenssituation unserer Mitmenschen, sowie die relativen Bedürfnisse, die uns dabei helfen sollen, uns von unseren Mitmenschen abzuheben. Während letztere tatsächlich grenzenlos zu sein scheinen, wird die Erfüllung der absoluten Bedürfnisse laut Keynes jedoch bald einen Punkt erreicht haben, an dem die Menschen ihre Energie lieber anderweitig einsetzen möchten als ausschließlich für ökonomische Zwecke. Keynes hält es für realistisch, dass – vorausgesetzt es komme nicht zu gravierenden Kriegen oder einem starken Anstieg der Bevölkerung – das ökonomische Problem innerhalb von 100 Jahren gelöst sein könne und folglich nicht mehr der ständige Begleiter der Menschheit sein werde.

Darin sieht Keynes jedoch auch eine neue Herausforderung, da bisher der Kampf ums schiere Dasein (subsistence) ein ständiger Begleiter der menschlichen Rasse gewesen ist. Das bedeutet, dass uns die Natur in unserer Evolution nachhaltig für den Zweck geprägt hat, unser ökonomisches Problem zu lösen. Wenn das ökonomische Problem gelöst wird, wird die Menschheit ihres herkömmlichen Lebensziels beraubt sein. Wie werden die Menschen mit dieser für sie neuen Situation umgehen? Ist die Menschheit schon reif ein solches selbstbestimmtes Leben?

Quelle: John Maynard Keynes (1930), Economic Possibilities for our Grandchildren.
in: Essays in Persuasion, New York: W.W.Norton & Co., 1963, pp. 358-373.


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