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Soziale Probleme
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Fakten

Mit dem Anstieg der Weltbevölkerung von 2,53 Milliarden Menschen im Jahr 1950 auf 6,83 Milliarden 2009 und weiter auf schätzungsweise 9,15 Milliarden Menschen im Jahr 2050 verändern sich auch die jeweiligen Anteile der Land- und Stadtbevölkerung. Lebten 1950 nur 28,8 Prozent der Weltbevölkerung in Städten, sind es gegenwärtig schon 50,0 Prozent. Bis 2050 wird sich der Anteil nach Schätzungen des UN/DESA auf knapp 69 Prozent weiter erhöhen. Dabei wird der Anteil der Stadtbevölkerung in den ökonomisch entwickelten Staaten zwischen 2009 und 2050 von 74,9 auf 86,2 Prozent und in den ökonomisch sich entwickelnden Staaten von 44,6 auf 65,9 Prozent steigen.

Bezogen auf die absoluten Zahlen leben in den ökonomisch sich entwickelnden Staaten bereits heute mehr als zweieinhalbmal so viele Städter wie in den ökonomisch entwickelten Staaten. In Afrika verzwölffachte sich die Stadtbevölkerung zwischen 1950 und 2009 von 33 auf 399 Millionen Menschen, in Asien stieg sie im selben Zeitraum von 229 Millionen auf 1,72 Milliarden Menschen. Allein in China und Indien lag die absolute Zahl der Stadtbevölkerung im Jahr 2009 bei 620 bzw. 360 Millionen. Im Jahr 2050 werden in China 1,04 Milliarden und in Indien 875 Millionen Menschen in Städten leben – das sind in China knapp drei Viertel (73,2 Prozent) und in Indien mehr als die Hälfte (54,2 Prozent) der Gesamtbevölkerung. Die Hauptgründe für die absolute und relative Zunahme der Stadtbevölkerung in den ökonomisch sich entwickelnden Staaten sind das hohe Bevölkerungswachstum auf der einen und der Zuzug von Personen aus ländlichen Gebieten auf der anderen Seite.

Parallel zum Wachstum der Stadtbevölkerung hat sich auch die Anzahl der Millionenstädte erhöht. Existierten im Jahr 1900 weltweit nur 17 Millionenstädte, waren es 1950 schon 86. Im Jahr 2000 lagen 194 der weltweit 387 Millionenstädte in Asien, 62 in Europa und 41 in Nordamerika. Die restlichen Millionenstädte entfielen auf Südamerika und die Karibik (49), Afrika (35) und Ozeanien (6). Bis zum Jahr 2009 erhöhte sich die Gesamtzahl der Millionenstädte nochmals auf 429.

Nicht nur Zahl der Großstädte ist gestiegen, sie werden auch immer größer: Im Jahr 1800 hatten die 100 größten Städte durchschnittlich 187.000 Einwohner, im Jahr 1900 waren es bereits 725.000. Nur 50 Jahre später lag die durchschnittliche Einwohnerzahl der 100 größten Städte bei 2,2 Millionen und im Jahr 2000 stieg die entsprechende Zahl auf 6,3 Millionen. Ein wichtiger Grund für das stetige Wachstum der Städte ist ihre ökonomische Bedeutung: Schätzungsweise 80 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts werden in den städtischen Gebieten generiert.

Im Jahr 2009 lebte gut ein Drittel der Stadtbevölkerung in Städten mit weniger als 100.000 Einwohnern. 18 Prozent lebten in Städten mit 100.000 bis 500.000 Einwohnern. In Städten mit 500.000 bis eine Million Einwohnern lebten 10 Prozent aller Städter, auf Städte mit einer Million bis fünf Millionen Einwohnern entfielen 22 Prozent. Der Anteil der Städte mit fünf bis unter zehn Millionen Einwohnern an der gesamten Stadtbevölkerung lag 2009 bei 6,6 Prozent. Die verbleibenden 9,4 Prozent der Stadtbevölkerung lebten in Städten mit mehr als zehn Millionen Einwohnern.

1975 lebten lediglich in New York, Tokyo und Mexiko-Stadt mehr als 10 Millionen Menschen. Im Jahr 2009 lag die Zahl der Städte mit mehr als 10 Millionen Einwohnern bereits bei 21. Bis 2025 wird sich die Zahl der sogenannten Megacities auf schätzungsweise 29 erhöhen, wobei in neun dieser Städte mindestens 20 Millionen Menschen leben werden. Von den acht Städten die sich zwischen 2009 und 2025 zu Megacities entwickeln werden, liegen fünf in Asien, zwei in Lateinamerika und eine in Afrika.

44 der 100 größten Städte befanden sich im Jahr 2000 in Asien, 16 lagen in Südamerika und der Karibik, jeweils 15 in Europa und Nordamerika, acht in Afrika und zwei in Ozeanien. 100 Jahre zuvor lagen noch 53 der 100 größten Städte in Europa und 22 in Asien. 200 Jahre zuvor glich das Verhältnis zwischen Asien und Europa eher dem heutigen Stand, denn im Jahr 1800 befanden sich 65 der 100 größten Städte in Asien und lediglich 28 in Europa.

Gerade in den ökonomisch am wenigsten entwickelten Staaten besteht das Problem, dass die Städte durch den Zuzug der armen Landbevölkerung vor unlösbare Probleme gestellt werden. Vielfach hängt der Ausbau der Infrastruktur der Expansion der Städte hinterher. Dies kann dazu führen, dass sogar elementare Bedürfnisse wie die Wasserversorgung nicht mehr befriedigt werden können. Die ohnehin nicht ausreichende Wasserverfügbarkeit wird zudem durch dauerhafte Übernutzung und Verschmutzung weiter verringert.

Die unkontrollierte Zuwanderung in die Städte, das rasante Bevölkerungswachstum und die hieraus resultierende Überforderung der Infrastruktur hat die Verslumung großer städtischer Gebiete zur Folge. Gegenwärtig lebt schätzungsweise jeder dritte Städter – insgesamt rund eine Milliarde Menschen – in Slums mit dürftiger Wasserversorgung bzw. Abwasserentsorgung, unzureichender Hygiene und häufig fehlendem staatlichen Schutz.

Auch deshalb versuchen immer mehr Staaten die Zuwanderung in die Städte zu reduzieren. 72 Prozent der ökonomisch sich entwickelnden Staaten hatten 2009 entsprechende Programme aufgesetzt. 1976 lag der Anteil noch bei 44 Prozent. In den ökonomisch entwickelten Staaten verringerte sich der Anteil der Staaten mit entsprechenden Programmen zwischen 1976 und 1996 zunächst von 55 auf 26 Prozent, bis 2009 stieg der Anteil jedoch auf 34 Prozent.

Datenquelle

United Nations – Department of Economic and Social Affairs (UN/DESA): World Urbanization Prospects: The 2009 Revision, World Population Prospects: The 2008 Revision

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Bei den Angaben zur Stadtbevölkerung richtet sich das UN/DESA nach der jeweiligen Definition der Staaten/Regionen.

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative-Commons-Lizenz
by-nc-nd/3.0/de lizenziert.

Verstädterung

Stadt- und Landbevölkerung in absoluten Zahlen und in Prozent der Weltbevölkerung, 1950 bis 2050

  Stadt-
bevölkerung
Land-
bevölkerung
Stadt-
bevölkerung
Land-
bevölkerung
in Tsd.* in Prozent der Weltbevölkerung*
1950 729.317 1.800.028 28,8 71,2
1955 852.570 1.910.884 30,9 69,1
1960 997.571 2.025.787 33,0 67,0
1965 1.163.594 2.168.077 34,9 65,1
1970 1.329.983 2.355.794 36,1 63,9
1975 1.511.414 2.549.903 37,2 62,8
1980 1.727.237 2.710.372 38,9 61,1
1985 1.976.417 2.869.830 40,8 59,2
1990 2.254.592 3.035.859 42,6 57,4
1995 2.539.470 3.173.603 44,5 55,5
2000 2.837.431 3.277.937 46,4 53,6
2005 3.166.711 3.345.565 48,6 51,4
2010 3.486.326 3.422.362 50,5 49,5
2015 3.824.073 3.478.113 52,4 47,6
2020 4.176.234 3.498.599 54,4 45,6
2025 4.535.925 3.475.608 56,6 43,4
2030 4.899.858 3.409.038 59,0 41,0
2035 5.263.115 3.307.455 61,4 38,6
2040 5.619.628 3.181.569 63,9 36,1
2045 5.963.274 3.033.071 66,3 33,7
2050 6.285.881 2.864.103 68,7 31,3

* ab 2010 bezogen auf die mittlere Bevölkerungsentwicklungsprognose des UN/DESA

Quelle: United Nations – Department of Economic and Social Affairs (UN/DESA): World Urbanization Prospects: The 2009 Revision




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