PDF Version (78 KB) Fakten
Bei der Anzahl der weltweit existierenden Tier- und Pflanzenarten gehen die Schätzungen sehr weit auseinander, sie liegen zwischen fünf und 100 Millionen. Eine im Auftrag des UN-Umweltprogramms UNEP erstellte Studie hält eine Anzahl von 13 bis 14 Millionen unterschiedlichen Arten für am wahrscheinlichsten. Bis zum Jahr 2004 konnten erst 1,54 Millionen Arten wissenschaftlich erfasst und damit beschrieben werden. 38.000 dieser beschriebenen Arten wurden dahingehend bewertet, ob sie bedroht sind oder nicht.
In den letzten 50 Jahren hat der Mensch so starken Einfluss auf die globale Umwelt genommen, wie nie zuvor. Dies ist auch der Hauptgrund dafür, warum der Verlust an Artenvielfalt nach wie vor mit großem Tempo voran schreitet. Täglich sterben, je nach Schätzung, zwischen 100 und 150 größtenteils unerforschte Pflanzen- und Tierarten aus. Und das UNEP geht davon aus, dass gegenwärtig mindestens tausendmal mehr Arten pro Jahr sterben, als es ohne den Einfluss des Menschen der Fall wäre – andere Quellen gehen sogar von einer zehntausendfach höheren Rate aus.
Die Hauptgründe für das Artensterben bestehen fort oder haben sich sogar verschärft: Schrumpfende Lebensräume, Übernutzung von Ökosystemen und Nahrungsbeständen, die Einführung von fremden Pflanzen und Tieren, Schadstoffbelastungen und der Klimawandel.
Sowohl bei Wirbeltieren und Nichtwirbeltieren als auch bei Pflanzen verdeutlicht die von der IUCN veröffentlichte "Rote Liste", dass das Ausmaß der Bedrohung der Arten auffallend hoch ist. So waren beispielsweise im Jahr 2004 1.101 Säugetiere gefährdet – das waren 23 Prozent aller hinsichtlich ihrer Gefährdung bewerteten Säugetiere und 20 Prozent aller beschriebenen Säugetiere. Bei den Amphibien, bei denen alle beschriebenen Arten auch bewertet wurden, war im selben Jahr fast jedes dritte Tier bedroht. Und bei den Vogelarten sind bereits zwölf Prozent gefährdet.
Wird allein der Anteil bedrohter Arten an den bewerteten Arten betrachtet, waren unter den Wirbeltieren die Reptilien (61 Prozent) und Fische (46 Prozent) am stärksten gefährdet oder vom Aussterben bedroht.
Bei der Beurteilung von Nichtwirbeltieren und Pflanzen besteht das Problem, dass die Anzahl der beschriebenen Arten und die Zahl der davon bewerteten Arten sehr weit auseinander liegen. Während der Anteil der bedrohten Arten unter den bewerteten Arten schnell hoch ausfallen kann, verleitet der Anteil der bedrohten Arten unter den beschriebenen Arten dazu, die Bedrohung der Art zu unterschätzen.
So wurden beispielsweise von den Insekten, die mit 950.000 beschriebenen Arten den größten Anteil unter den Nichtwirbeltieren haben, nur 771 bewertet. Bei 559 bedrohten Insektenarten im Jahr 2004 galten damit über 70 Prozent der bewerteten Insektenarten als gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Bezogen auf die beschriebenen Insektenarten schrumpft der Anteil jedoch auf marginale 0,06 Prozent.
Trotz dieser Einschränkung kann es nur als dramatisch bezeichnet werden, dass 57 Prozent aller bewerteten Nichtwirbeltiere und sogar 70 Prozent aller bewerteten Pflanzen vom Aussterben bedroht oder gefährdet sind.
Datenquellen
The World Conservation Union (IUCN): Red List of Threatened Species™; United Nations Environment Programme (UNEP): Global Biodiversity Outlook 2
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Ein vereinfachtes Beispiel soll dazu dienen, den Unterschied zwischen beschriebenen und bewerteten Arten zu verdeutlichen. Angenommen, es existieren von einer Tier- oder Pflanzengattung weltweit 100.000 Arten. Wenn von diesen 100.000 Arten nur 10.000 entdeckt und erfasst werden, liegt die Anzahl der "beschriebenen Arten" bei 10.000. Da es schwierig und extrem aufwändig ist, bei 10.000 Arten zu überprüfen, ob sie bedroht sind oder nicht, wird nur ein Teil der beschriebenen Arten "bewertet". Wenn beispielsweise 1.000 der 10.000 beschriebenen Arten bewertet werden und sich dabei herausstellt, dass 500 Arten vom Aussterben bedroht sind, entsprechen diese 500 Arten 50 Prozent der 1.000 bewerteten Arten und 5 Prozent der 10.000 beschriebenen Arten.
Die bewerteten Arten sind immer ein Bestandteil der beschriebenen Arten, denn jede Art, die bewertet wird, muss vorher auch erfasst worden sein.
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