22.5.2007 | Von:
Josef Ohler

Stimmen zum Buch

  • Zum Interview mit Norbert Linke
  • Norbert Linke hat ein Handbuch für moderne Radionachrichten geschrieben, das auch bei den Profis der Branche auf überwiegend positive Resonanz stößt.

    Anmerkungen zum Buch von Josef Ohler, Mitherausgeber des Handbuchs "Die Nachricht", Rainer Hirsch, stellvertretender Nachrichtenchef von Radio Hamburg und Martin Knabenreich, Chefredakteur von Radio Bielefeld.


    Josef Ohler, Mitherausgeber "Die Nachricht"

    Linke ist Nachrichtenprofi und Überzeugungstäter - ein engagierter Journalist. Mit seinem Buch will er dazu beitragen, dass es in der deutschen Radiolandschaft auch in Zukunft "Qualitätsnachrichten" geben wird - bei den öffentlich-rechtlichen Sendern und bei den privat-kommerziellen. Zweifellos eine lobenswerte Absicht! Und es gelingt ihm auch, die Organisation, Redaktion und Präsentation von Nachrichten treffend zu beschreiben. Dass er sich als langjähriger Nachrichtenchef von HIT RADIO FFH weitgehend auf die Verhältnisse bei den Privaten bezieht, kann man verstehen.


    Kernstück der Fibel sind Arbeitstipps für den Nachrichtenredakteur: Themenauswahl, Recherche, Aufbereitung, Leadsatz, Sprache, Sprechen. Die meisten dieser Tipps sind brauchbar, z. B. wenn Linke empfiehlt, öfter die Perspektive zu wechseln und eine Geschichte nicht vom Akteur her, sondern aus dem Blickwinkel des Hörers zu erzählen: Kredite werden künftig teuerer und nicht Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen erhöht. Sinnvolle Ratschläge hat er auch für die Programmverantwortlichen parat, z. B. zum Qualitätsmanagement (Airchecks, Inhaltsanalysen) und zum Programmformat (Regionalität ja, Provinzialität nein).

    Nicht korrekt finde ich, dass Linke so tut, als habe bisher noch niemand etwas über das Thema Nachrichtenarbeit publiziert. Die vorhandene Praktiker- und Fachliteratur ( z. B. Arnold, Schneider, Schwiesau/Ohler, von La Roche, Weischenberg, Zehrt, Zschunke) erwähnt er mit keinem Wort. Linke darf seine Leser nicht unterschätzen. Die wollen zwar Tipps für das "How to do", aber viele wollen auch wissen, wo die Tipps herkommen. Weil der Bezug zur Fachliteratur fehlt, erscheinen manche Begriffsdefinitionen etwas eigenwillig, z. B. wenn der Autor bei den Nachrichtenfaktoren die Begriffe Tragweite und Bedeutung auseinander hält: Tragweite im Sinne von "Bedeutung für die Zukunft", Bedeutung als" Wirkung in der Breite". Andere Unterscheidungen übernimmt Linke, ohne eine Quelle zu nennen, etwa die Einteilung der Nachrichten in A-, B- und C-Themen. Ein paar Behauptungen zur "ARD"-Praxis sind unzutreffend, so wenn er sagt, im Gegensatz zu den Privaten benutzten die ARD-Redakteure den Begriff "O-Ton" nur für originale Äußerungen von Akteuren und nicht auch für andere Audio-Einspielungen, beispielsweise für Korrespondentenberichte.

    Linkes Empfehlungen für das Sprechen von Nachrichten sind durchweg zweckdienlich, er vergisst nur darauf aufmerksam zu machen, dass man auch einen längeren Satz vernünftig gliedern, d. h. in Sinnschritte auflösen kann. Außerdem fehlt der Hinweis, dass es schon beim Schreiben darauf ankommt, ans Sprechen zu denken und die zentrale Neuigkeit, den Sinnkern, im Satz möglichst weit hinten zu platzieren. Ein paar Sprachschnitzer gehen offensichtlich auf Flüchtigkeit zurück, z. B. wenn das (auch von Bastian Sick so vehement verteidigte) Genitiv-s wegbleibt: "...des Film-Starlet", "des Profikicker...".

    Fazit: ein engagiertes, nützliches Buch, kleine Schönheitsfehler eingeschlossen.