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Gender und ländliche Entwicklung in Afrika

22.5.2002

IV. Herausforderungen für die Agrarpolitik



Solche Forderungen für Veränderungen auf der Mikroebene können jedoch nur dann erfolgreich sein, wenn auch die Agrarpolitik und die ländliche Entwicklungsplanung neue Akzente setzt. Im Zuge der internationalen Welt-Frauendekade (1975 - 1985) und nach der Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking haben zwar einige afrikanische Regierungen die dort eingegangenen Verpflichtungen erfüllt und versucht, durch Veränderungen auf institutioneller Ebene Frauen zu fördern. Dennoch haben sich daraus noch keine positiven Impulse für Kleinbäuerinnen ergeben. Eine Abkehr vom überholten Konzept der Kommerzialisierung kleinbäuerlicher Familienbetriebe unter männlicher Leitung und die Ausrichtung der Agrarplanung an Frauen als Produzentinnen wäre ein wichtiger Beitrag, um die landwirtschaftlichen Potenziale von Frauen zu stärken. [27]

Für eine derartige Umorientierung gäbe es vielfältige Ansatzpunkte, denn die Innovationsinteressen der Kleinbäuerinnen umfassen sowohl die Subsistenz- als auch die Marktproduktion. Studien aus Gambia, Ghana, Kamerun, Kenia, Tansania und Simbabwe zeigen, dass Frauen neues Saatgut und neue Anbaumethoden anwenden, wenn sie diese in den vorhandenen Anbauzyklus sowie die dabei erforderlichen Arbeitsprozesse integrieren können. Eine derartige Aufgeschlossenheit resultiert aus dem Selbstverständnis, Produzentin zu sein, und wird vom Wissen darüber getragen, durch eine Anbaudiversifizierung Ertragsrisiken reduzieren zu können. [28]

Um einen dahingehenden Strukturwandel einzuleiten, sollten jedoch mehr Agrarberaterinnen ausgebildet und eingesetzt werden. Diese müssen in der Weise geschult werden, dass sie konstruktiv mit den haushaltsinternen Differenzen und den Geschlechterkonflikten umgehen können. Vor allem aber sollte ihr Augenmerk auf die Förderung von Witwen, geschiedenen Frauen und verarmten Ehefrauen in polygamen Haushalten gerichtet sein. [29] Wenn die Agrarberatung jungen, gebildeten Frauen eine sichere Berufsperspektive bieten würde, wären zumindest einige nicht mehr gezwungen, in die Städte abzuwandern, sondern könnten ihre Kompetenzen für die Situationsverbesserung von Frauen im ländlichen Raum einsetzen. Dem Abzug der Wissens- und Innovationspotentiale vom Land in die Städte könnte auf diesem Wege gegengesteuert werden.

Darüber hinaus gilt es, arbeitssparende Geräte für das zeitintensive Jäten, Ernten, Verarbeiten und den Transport von Anbauprodukten zu entwickeln, die den lokalspezifischen Anforderungen der Frauen entsprechen und ihre Mehrfachbelastungen reduzieren sollten. [30] Des Weiteren sollte nicht an situationsspezifischen Gesundheits- und Bildungsprogrammen gespart werden, um die Lebensqualität und die Zukunftsperspektiven junger Mädchen und Frauen gerade in Zeiten einer ansteigenden HIV-/Aids-Rate nicht weiter zu beeinträchtigen. [31] Neben Erleichterungen im Kreditzugang bleiben aber die Verbesserung des Landzugangs und die Sicherung der Landrechte von Frauen der zentrale Dreh- und Angelpunkt, um einen wirklichen Strukturwandel einzuleiten.

Dies bedeutet jedoch, dass von Regierungsseite ernsthaft Geschlechterhierarchien und soziale Machtungleichheiten angegangen werden müssten, um die Verhandlungsmacht von De-jure- und De-facto-Haushaltsleiterinnen zu stärken und ihrer Marginalisierung infolge fortschreitender sozioökonomischer Destabilisierungsprozesse gegenzusteuern. [32] Wegen der erforderlichen personellen und finanziellen Ressourcen, die für eine derartige Trendwende und ein differenziertes Vorgehen notwendig sind, ist die intensive Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Entwicklungsorganisationen und Basisgruppen erforderlich. Wenn die Interessen von Frauen als Produzentinnen in den Mittelpunkt der Projektarbeit rücken und partizipative Planungsansätze Differenzen zwischen Kleinbäuerinnen konstruktiv aufgreifen, könnte damit ihre Interessenartikulation gestärkt werden. Dies wäre nicht zuletzt ein Schritt zu einer demokratischeren Entwicklung in den ländlichen Regionen Afrikas.


Fußnoten

27.
Vgl. Jean Due, Policies to overcome the negative effects of structural adjustment programs on African female-headed households, in: Christina Gladwin (Hrsg.), Structural adjustment and African women farmers, Gainesville 1991, S. 103 - 127; Gabriele Zdunnek/Peter Ay, Food production, transformation process and change of gender-specific division of labour in rural Africa, in: Uwe Kracht/Manfred Schulz (Hrsg.), Food security and nutrition, Münster-Hamburg 1999, S. 219-236.
28.
Vgl. Food and Agricultural Organization (FAO), Women, agriculture and development. A synthesis report of the Africa region, Rom 1995.
29.
Vgl. Frances Tanner/Francç,oise Léevesque/Johanna Zumstain, Training for life. Vocational education for rural women in Africa, in: Entwicklung und ländlicher Raum, (1989) 1, S. 12 f.
30.
Vgl. Deborah Faye Bryceson/John Howe, Rural transport in Africa. Reducing the burden on women?, in: World Development, 21 (1993) 3, S. 1715 - 1728; Judith Osuala, Extending appropriate technology to rural African women, in: Women's Studies International Forum, 10 (1985) 3, S. 481 - 487; Yvette Stevens/Eugenia Date-Bah, Food production and procession and technological intervention, in: ILO (Hrsg.), Rural development and women in Africa, Genf 1984, S. 17 -" 23.
31.
Vgl. Christel Adick, Grundbildung für Mädchen und Frauen im ländlichen Raum, in: Entwicklung und ländlicher Raum, (1994) 3, S. 17 - 19.
32.
Vgl. Valentine Udoh James/Melanie Marshall James, The current and future directions for African women farmers, in: Valentine Udoh James (Hrsg.), Women and sustainable development in Africa, Westport 1994, S. 15 - 34.

 

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