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60 Jahre 20. Juli 1944

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    Der 20. Juli 1944 ist ein sperriges Gedenkdatum. War in der alten Bundesrepublik lange Zeit die Vorstellung einer isolierten Militärrevolte weit verbreitet, wurde in der DDR der gescheiterte Attentatsversuch auf Hitler bis in die achtziger Jahre hinein als reaktionärer Junkeraufstand denunziert, um das Dogma von der zentralen Rolle des kommunistischen Widerstands gegen die Nationalsozialisten zu untermauern. Seit der deutschen Vereinigung kommt es zu einer Renaissance des schwierigen Datums. In der Öffentlichkeit ist präsent, dass es auch einen deutschen Widerstand gab. Doch es waren nur allzu wenige in Deutschland, die den Schritt zur tatbereiten Opposition wagten. Und gewiss war es nicht eine westliche, parlamentarische Demokratie oder gar die freiheitlich-demokratische Grundordnung der späteren Bundesrepublik, die den Verschwörern um Stauffenberg nach einem erfolgreichen Putsch als Staats- und Regierungsform vorschwebten. Erstes Ziel war das Bemühen, endlich den verbrecherisch vom Zaun gebrochenen Krieg und den Völkermord an den Juden zu beenden. Die inneren Kämpfe, welche die auf Hitler vereidigten Militärs ausgefochten hatten, belegen, dass ihre Entscheidung ethisch begründet war. Darin liegt die Bedeutung der Tat jener mutigen Männer und Frauen des 20. Juli 1944: Sie verteidigten in unmenschlicher Zeit die Traditionen europäischer Menschlichkeit.

       
  • Hans-Georg Golz

    Editorial

    War in der alten Bundesrepublik lange Zeit die Vorstellung einer isolierten Militärrevolte am 20. Juli 1944 weit verbreitet, wurde in der DDR der Attentatsversuch als reaktionärer Junkeraufstand denunziert. Weiter...

    Hochzeitsbild von Freya Deichmann (links) mit Helmuth James Graf von Moltke vom 18. Oktober 1931. Rechts die beiden Mütter. Quelle: commons.wikimedia.org

    Freya von Moltke

    Die Verteidigung europäischer Menschlichkeit

    Der deutsche Widerstand erscheint in der Rückschau schwach, und politisch verändert hat er nichts. Doch jede Handlung gegen das Unrecht der nationalsozialistischen Diktatur hat sich gelohnt, weil sie die europäische Menschlichkeit in Deutschland lebendig gehalten hat. Weiter...

    Peter Steinbach

    Der 20. Juli 1944 - mehr als ein Tag der Besinnung und Verpflichtung

    Die positive Würdigung Stauffenbergs im 60. Jahr nach dem Attentat wirft die Frage auf, wie der Geschichte des Widerstands verpflichtete Normen entwickelt worden sind. Heute ist die Widerstandsgeschichte bestrebt, unterschiedliche Entwicklungen zu integrieren. Weiter...

    Tilman Mayer

    Die geschichtspolitische Verortung des 20. Juli 1944

    Geschichtspolitik hat nicht den besten Ruf. Tatsache ist, dass die historische Erinnerungsarbeit z.T. Deutungsmonopole hervorgebracht hat, gegen die vorzugehen die wissenschaftliche Redlichkeit gebietet, zumal sie die politische Kultur herausfordern. Weiter...

    Gerd R. Ueberschär

    Auf dem Weg zum 20. Juli 1944

    In der deutschen Zeitgeschichtsforschung haben mehrere Untersuchungen ein Motivbündel der militärischen Verschwörer erkennen lassen, das schon vor dem Krieg bestand und am 20. Juli 1944 zur Tat Stauffenbergs führte. Weiter...

    Ulrich Pfeil

    "Nicht alle Deutschen haben ein Herz aus Stein"

    Die Résistance wurde zum Anknüpfungspunkt nationaler Identität in Frankreich. Dass in den transnationalen Kommunikationskanälen nur wenig Platz für eine Würdigung des deutschen Widerstands zur Verfügung stand, lag auch an den Ungleichzeitigkeiten im Umgang mit den Totalitarismen. Weiter...

    Eberhard Görner

    Der 20. Juli 1944 im deutschen Film

    Es gibt im deutschen Kino, Ost wie West, seit 1945 nur wenige Spielfilme, die sich mit dem deutschen Widerstand auseinandergesetzt haben. Nach der Wiedervereinigung wurden die Defizite deutlich, die das Thema widerspiegelt. Weiter...