Mitarbeiter der bpb beim 55-jährigen Jubiläum im Jahr 2007. Foto: Volker Lannert

Gründung und Aufbau 1952-1961

10.7.2011
Am 25. November 1952 wird die Bundeszentrale für Heimatdienst, ab 1963 Bundeszentrale für politische Bildung, aus der Taufe gehoben. Sie soll den demokratischen Gedanken in der Bevölkerung verankern und totalitären Bestrebungen entgegenwirken.

Bundespräsident Theodor Heuss ehrt 1958 Gewinner des "6. Großen Weihnachtspreisausschreibens" - Vorläufer des heutigen Schülerwettbewerbs zur politischen Bildung.Bundespräsident Theodor Heuss ehrt 1958 Gewinner des "6. Großen Weihnachtspreisausschreibens" - Vorläufer des heutigen Schülerwettbewerbs zur politischen Bildung. (© bpb)

Der 25. November 1952 markiert den offiziellen Beginn der staatlichen politischen Bildung in der Bundesrepublik Deutschland. Mit Erlass des Bundesministers des Innern Robert Lehr (CDU) wurde an diesem Tag die Bundeszentrale für Heimatdienst, 1963 umbenannt in Bundeszentrale für politische Bildung, als nicht rechtsfähige Bundesanstalt im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern aus der Taufe gehoben. Schon ein halbes Jahr zuvor hatten die ersten Mitarbeiter ihre Büros bezogen und die Arbeit aufgenommen.

Der Beginn fiel in eine Zeit großer Unsicherheit. Die alliierte Kriegskoalition war mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der DDR im Jahr 1949 endgültig zerbrochen, beide Teile Deutschlands trugen schwer an den ökonomischen, sozialen und mentalen Folgen der nationalsozialistischen Diktatur. Millionen von Vertriebenen waren zu integrieren. Als Folge der Kriegszerstörungen herrschte große Wohnungsnot, nicht zuletzt musste nach zwölf Jahren der Diktatur, nach Krieg und Holocaust ein geistiger Neuanfang in Deutschland gemacht werden. Fernab von Europa geriet Korea zum Schauplatz des ersten der Stellvertreterkriege, die das Zeitalter des Ost-West-Konflikts kennzeichnen sollten. Vor diesem Hintergrund sah sich die Bundeszentrale für Heimatdienst vor die Aufgabe gestellt, "den demokratischen und europäischen Gedanken im deutschen Volke zu festigen und zu verbreiten" - so die Formulierung im Gründungserlass.

Aufgabenstellung
Bundesinnenminister Lehr hatte in einem Vortrag im Hamburger Überseeclub im Herbst 1951 die neue Einrichtung bewusst in die Tradition der "Reichszentrale für Heimatdienst" gestellt, die in der Weimarer Republik den Menschen ihre neue Rolle als Staatbürgerinnen und -bürger in der Demokratie nahe bringen sollte.

Wenn die Väter der Bundeszentrale für Heimatdienst – neben Minister Lehr war dies vor allem der Staatssekretär im Bundesinnenministerium Hans Ritter von Lex - nun einen "positiven Verfassungsschutz" einforderten, so betonten sie die Aufgabenstellung, die sie der staatlichen politischen Bildung zuwiesen. Sie sollte durch staatsbürgerliche Erziehung dazu beitragen, den demokratischen Gedanken in der Bevölkerung zu verankern. Zeitgemäße politische Bildung sollte die Bürgerinnen und Bürger mit der parlamentarischen Regierungsform und ihren Institutionen sowie den politischen Spielregeln der Demokratie vertraut machen. Totalitäre Bestrebungen aller Art, insbesondere der Kommunismus sollten bekämpft werden, die Teilhabe aller demokratischen Kräfte am politischen Prozess galt es zu fördern. Darüber hinaus war der Gedanke der europäischen Aussöhnung grundlegend.

Organisation
Als erster Direktor der Bundeszentrale für Heimatdienst wurde Dr. Paul Franken berufen. Der 1903 geborene Historiker hatte sich im Widerstand engagiert. Er zählte zu den engsten Vertrauten Konrad Adenauers. Zu Beginn des Jahres 1953 waren bereits 26 Mitarbeiter/innen in der neuen Behörde beschäftigt, die ungeachtet der beschränkten Räumlichkeiten im Dienstgebäude in Bad Godesberg schnell weiter wuchs. 1956 zählte man bereits vierzehn Referate, darunter eines für Film und Funk und eines für Psychologie, das die Aufgabe hatte, besondere "Werbemittel" zu entwickeln, mit denen auch politisch nicht interessierte Bürgerinnen und Bürger erreicht werden sollten. Um angesichts der immer wieder aufbrechenden konfessionellen Auseinandersetzungen jener Jahre den Proporz bei der Förderung freier Träger der politischen Bildung zu gewährleisten, wurde schon bald das Referat für Bildungseinrichtungen und Verbände in zwei Referate geteilt, die jeweils mit einem Katholiken und einem Protestanten besetzt wurden. Auch die finanzielle Ausstattung wuchs stetig, vom Gründungsjahr 1952 bis zum Jahr 1960 vervierfachte sich der Etat auf rund 8,5 Mio. DM.

Zu den Strukturen, die aus der Weimarer Zeit übernommen wurden, zählte die Einrichtung eines Kuratoriums. Dieses sollte, wie es im Erlass für die Bundeszentrale für Heimatdienst formuliert wurde, "die überparteiliche Haltung und die politische Wirksamkeit der Arbeit der Bundeszentrale" überwachen. Das Kuratorium setzte sich anfänglich aus 15 Bundestagsabgeordneten der CDU, CSU, SPD, FDP, der Deutschen Partei und der Fraktion Föderalistische Union zusammen. Im Dezember 1952 fand die konstituierende Sitzung des Gremiums statt. Die Einrichtung eines Wissenschaftlichen Beirats, die ebenfalls erwogen worden und im Erlass auch festgehalten war, wurde zunächst nicht vollzogen.

Inhaltliche Arbeit
Die inhaltlichen Schwerpunkte der Arbeit der Bundeszentrale für Heimatdienst in diesen Aufbaujahren wurden durch die zeitspezifischen Umstände vorgegeben. Im Zentrum standen die Information über den neuen demokratischen Staat, seine Werte und Institutionen sowie die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Eine herausragende Rolle nahm der Widerstand gegen den Nationalsozialismus ein, insbesondere der 20. Juli 1944. Mit der Verschärfung des Kalten Krieges seit Mitte der 1950er Jahre wurden dann die Abwehr des Kommunismus und die Abgrenzung gegenüber dem anderen deutschen Staat, der bei der Niederschlagung des Aufstandes vom 17. Juni 1953 seinen autoritären Charakter offenbart hatte, immer mehr zu zentralen Themenfeldern. In diesen Kontext gehört die Gründung des Ostkollegs der Bundeszentrale für Heimatdienst im November 1957. Das Tagungshaus, das der Bundeszentrale für Heimatdienst unterstand und seinen ersten Sitz auf dem Kölner Stadtwaldgürtel hatte, sollte, wie im Erlass vom 28. November 1957 formuliert, "durch Studientagungen zur geistig-politischen Auseinandersetzung mit dem internationalen Kommunismus beitragen". Insbesondere war an die Schulung von Personen gedacht, die direkte Auseinandersetzungen mit Gesprächspartnern aus dem Ostblock zu führen hatten sowie an Multiplikatoren, die in die Lage versetzt werden sollten, mit fundiertem Wissen gegen den Kommunismus zu argumentieren. Bis zur Jahreswende fanden die drei ersten Veranstaltungen statt; in den Jahren darauf wuchs die Zahl der Seminare und Tagungen stetig. Die wissenschaftliche Verantwortung für die Arbeitsplanung des Ostkollegs wurde einem Direktorium aus zwölf namhaften Ostwissenschaftlern und Experten für internationale Beziehungen übertragen. Die Leitung der Tagungsstätte, in der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Seminare auch untergebracht und verpflegt wurden, lag bei einem vom Direktorium aus seiner Mitte gewählten und vom Bundesminister des Innern jeweils für ein Jahr bestellten Direktor. Für die laufende Geschäftsführung wurde ihm ein Studienleiter als hauptamtlicher ständiger Stellvertreter zur Seite gestellt.

Publikationen und Veranstaltungen der Bundeszentrale für Heimatdienst
Zu den frühesten Publikationen der Bundeszentrale für Heimatdienst zählte seit 1952 die Wochenzeitung Das Parlament, deren Auflage bis Ende ihres ersten Jahrzehnts auf rund 80.000 Exemplare stieg. Das Parlament berichtete über alle wichtigen Debatten des Deutschen Bundestages, des Bundesrates, des Europäischen Parlamentes und des Europarates. Die Zeitung sollte die Verbindung zwischen den Wählern/innen und den Mandatsträgern gewährleisten und Bürgerinnen und Bürgern einen Einblick in die Arbeit von Legislative und Exekutive vermitteln. Im Jahr 1952 erschien auch die Erstausgabe der Informationen zur politischen Bildung. Die zur Fortbildung von Lehrern konzipierten Hefte erlebten in der Regel zahlreiche Auflagen und Überarbeitungen.

Ende 1952 wurde das erste Große Weihnachtspreisausschreiben veranstaltet, das dann als Großes (Schüler)Preisausschreiben fast zwei Jahrzehnte fortgeführt wurde. Zweck des Preisausschreibens, das sich an Schulklassen mit 14- bis 16-jährigen Schülern/innen wandte, war es, den durch die Informationen zur politischen Bildung verbreiteten Lehrstoff durch Aufgaben und Rätsel über staatsbürgerliche Themen zu ergänzen und durch die gemeinsame Lösungsarbeit in der Klasse den Unterricht zu beleben. Auch der 1957 erstmals erschienene Wandkalender, der ab 1958 den Namen "Unsere Gegenwart" trug, war für Schule und Unterricht konzipiert. In Zusammenarbeit mit der Ständigen Konferenz der Kultusminister wurden in diesen Tagen auch die ersten Fachtagungen zu pädagogischen Fragestellungen durchgeführt.

Im Jahr 1953 erweiterte sich das Publikationsangebot um die ersten Bände der Schriftenreihe und die Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, Aus Politik und Zeitgeschichte. Beide Publikationsreihen erscheinen bis zum heutigen Tag.

Mit dem Ziel der Förderung des europäischen Bewusstseins wurde 1954 die erste Wandzeitung "Europa im Werden" publiziert, die in Schulen, Betrieben und öffentlichen Dienststellen ausgehängt wurden. 1958 kam in erster Auflage das Grundgesetz heraus, dessen Verbreitung ein zentrales Anliegen der Bundeszentrale für Heimatdienst sein und bleiben würde; im Laufe der folgenden Jahrzehnte wurde der jeweils aktualisierte Text millionenfach nachgedruckt.

Weitere Maßnahmen, die im ersten Jahrzehnt der staatlichen politischen Bildung initiiert wurden, waren die Förderung von Publikationen anderer Verlage zu politisch relevanten Themen sowie die finanzielle Unterstützung der Tagungs- und Seminararbeit freier Bildungsträger. 1959 wurden bereits mehr als achtzig Einrichtungen mit insgesamt über 1 Mio. DM gefördert. Auch der Bedeutung der audiovisuellen Medien für die politische Bildungsarbeit wurde durch die Bereitstellung und Förderung von "Lehr- und Anschauungsfilmen" sowie von politisch bildenden Spielfilmen und Wochenschaubeiträgen Rechnung getragen. Hier nahm die bis heute stattfindende filmpädagogische Arbeit ihren Anfang, indem die nicht gewerblichen Nutzungsrechte von relevanten Filmen erworben wurden, um sie für die politische Bildung in Schulen und Institutionen zur Verfügung zu stellen.

Das Referat "Psychologie, besondere Werbemaßnahmen" unterstützte mit dem Brettspiel "Wir spielen Regierung", mit Fahrradwimpeln in den Landesfarben und mit auf Poststempeln verbreiteten politischen Sinnsprüchen wie "Jeder Bürger halte Wache, denn der Staat ist seine Sache", das Anliegen, die Identifizierung mit der Demokratie in der Bevölkerung zu fördern. Um ein Massenpublikum zu erreichen, wurden außerdem Lesezirkelbeilagen in hohen Auflagen produziert, die z.B. über Grundfragen der Demokratie, über die europäische Zusammenarbeit oder die Geschichte des jüdischen Volkes informierten.



 

bpb

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