Eine Frau geht an einer Weltkarte, die aus Kinderporträts besteht, am Freitag (18.06.2010) im JuniorMuseum in Köln vorbei.

20.9.2017 | Von:
Vera Hanewinkel
Jochen Oltmer

Die Einwandererbevölkerung Deutschlands

Deutschland ist ein Einwanderungsland. Wie sehr Zuwanderungen in Vergangenheit und Gegenwart die Bevölkerung des Landes geprägt haben, wird am Blick auf Einwanderer und ihre Nachkommen deutlich, die seit 2005 auch als "Bevölkerung mit Migrationshintergrund" statistisch erfasst werden.

Zwei Väter verbringen am 05.06.2015 am Rheinufer in Köln (Nordrhein-Westfalen) einen freien Tag am Wasser.Zwei Väter verbringen am Rheinufer in Köln mit ihren Kindern einen freien Tag am Wasser. (© picture-alliance/dpa)

Seit dem Mikrozensus 2005 ist es statistisch nicht nur möglich, zwischen in Deutschland lebenden deutschen und ausländischen Staatsangehörigen zu unterscheiden. Darüber hinaus werden nun auch Personen erfasst, die einen "Migrationshintergrund" haben. Der Definition des Statistischen Bundesamtes zufolge hat eine Person einen Migrationshintergrund, "wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzt."[1] Die Einführung dieser Kategorie erlaubt es, gesellschaftliche Integrationsprozesse nicht nur von Ausländern, sondern auch von eingebürgerten Zugewanderten der ersten Generation und ihren Nachkommen zu beschreiben. Dadurch werden auch Benachteiligungen beobachtbar, die auf strukturelle Barrieren und gesellschaftliche Schließungsprozesse verweisen, die es Mitgliedern einer bestimmten sozialen Gruppe erschweren, Zugang zu zentralen gesellschaftlichen Bereichen zu erhalten (z.B. zu Bildung oder bestimmten beruflichen Positionen), wodurch Möglichkeiten eines sozialen Aufstiegs verhindert werden. Die Verwendung des Begriffs "mit Migrationshintergrund" außerhalb statistischer Betrachtungen ist allerdings umstritten, da er auch in Deutschland geborene und aufgewachsene Kinder von Zugewanderten als "anders" und damit "nicht richtig zugehörig" kategorisiert.

Nach Ergebnissen des Mikrozensus 2016 haben rund 18,6 Millionen in Deutschland lebende Menschen bzw. 22,5 Prozent der Bevölkerung Deutschlands einen Migrationshintergrund. Darunter fallen neun Millionen ausländische Staatsangehörige (10,9 Prozent der Bevölkerung) und 9,6 Millionen Deutsche (11,7 Prozent der Bevölkerung). Die meisten Menschen mit Migrationshintergrund haben Wurzeln in der Türkei (15,1 Prozent), Polen (10,1 Prozent) und der Russischen Föderation (6,6 Prozent). Wie sehr die Bevölkerung Deutschlands durch Migration geprägt wurde und wird zeigt sich besonders an der Gruppe der unter Fünfjährigen: 38,1 Prozent haben einen Migrationshintergrund.

Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund verteilt sich regional sehr unterschiedlich. In den alten Bundesländern weisen vor allem die Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin sowie die Flächenstaaten Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen einen hohen Anteil an Personen mit Migrationshintergrund auf: Mehr als 26 Prozent der Einwohner dieser Bundesländer sind Eingewanderte und deren Nachkommen. In allen neuen Bundesländern liegt der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund dagegen unter sieben Prozent (vgl. Abbildung).

Bevölkerung mit Migrationshintergrund in den BundesländernBevölkerung mit Migrationshintergrund in den Bundesländern (PDF-Icon Grafik zum Download) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Dieser Text ist Teil des Migrationsprofils Deutschland.

Fußnoten

1.
Statistisches Bundesamt (2017): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Bevölkerung mit Migrationshintergrund – Ergebnisse des Mikrozensus 2016. Fachserie 1 Reihe 2.2. Wiesbaden. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/ (Zugriff: 24.8.2017).
Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/ Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/
Autoren: Vera Hanewinkel, Jochen Oltmer für bpb.de
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.


Kurzdossiers

Zuwanderung, Flucht und Asyl: Aktuelle Themen

Ein Kurzdossier legt komplexe Zusammenhänge aus den Bereichen Zuwanderung, Flucht und Asyl sowie Integration auf einfache und klare Art und Weise dar. Es bietet einen fundierten Einstieg in eine bestimmte Thematik, in dem es den Hintergrund näher beleuchtet und verschiedene Standpunkte wissenschaftlich und kritisch abwägt. Darüber hinaus enthält es Hinweise auf weiterführende Literatur und Internet-Verweise. Dies eröffnet die Möglichkeit, sich eingehender mit der Thematik zu befassen. Unsere Kurzdossiers erscheinen bis zu 6-mal jährlich.

Mehr lesen