Nächtliche Skyline von Shanghai
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1949 bis Heute

Politische Geschichte Chinas


7.8.2008
Am 1. Oktober 1949 rief Mao Zedong die Volksrepublik China aus. Es folgten Jahrzehnte des politischen Wandels – von der "Hundert-Blumen-Bewegung" über den "Großen Sprung" bis zur Kulturrevolution von 1966. Die sozialistische Modernisierung im Anschluss bereitete auch den Boden für einen beispiellosen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufbruch Chinas. Seine Dynamik hält bis heute an.

Nicht genau datiertes Schwarz-Weiß-Foto aus dem Sommer 1949: Der Führer der Kommunistischen Partei Chinas Mao Tse-tung, in der Mitte mit dunkler Jacke, wird von einer Gruppe von kommunistischer Offiziere während des Zugs nach Peking begrüßt. Rechts der Oberbefehlshaber der kommunistischen Streitkräfte, General Chu Teh. Nach den entscheidenden Siegen im Bürgerkrieg über die Nationalisten unter General Chiang Kai-shek im Vorjahr durch die Kommunisten, rief Mao am 1. Oktober die Volksrepublik China aus.Mao Zedong der Parteivorsitzender der KP China (im dunklen Anzug) begrüßt eine Offiziersgruppe in Peking, der Stadt, die Mao zur Hauptstadt Chinas machte, rechts von Mao General Chi Teh, Sommer 1949. (© AP)

Der Machtergreifung der Kommunistischen Partei und ihrer militärischen Verbände im Jahr 1949 waren jahrzehntelange innerchinesische Konflikte zwischen einzelnen politischen Richtungen und Fraktionen, aber auch zwischen China und anderen Staaten vorausgegangen. Dabei wurde auch den westlichen Mächten deutlich, dass eine neue Ära für die politischen Verhältnisse in Ostasien angebrochen war und sie mit der Eigenständigkeit politischer Akteure zu rechnen hatten.

In der Endphase des Zweiten Weltkriegs war China zu einem der wichtigen Kriegsschauplätze zwischen Japan und den Alliierten geworden. Die chinesischen Streitkräfte aber hatten ihre Glaubwürdigkeit bei der eigenen Bevölkerung längst verloren. Die wirtschaftlichen Verhältnisse und das soziale Elend waren derart katastrophal, dass auch massive Waffenlieferungen Amerikas den Zusammenbruch der Guomindang-Herrschaft unter General Tschiang Kaishek nicht verhindern konnten. Überlegungen auf amerikanischer Seite, stärker die kommunistischen Kräfte zu unterstützen und in den Kampf gegen Japan einzubinden, wurden schließlich verworfen. Dies begünstigte die radikal-sozialistische Politik in den von den Kommunisten kontrollierten Gebieten.

Proklamation der Volksrepublik China



Das Kriegsende in Europa schuf neue Möglichkeiten für Machtverschiebungen in Ostasien, wo Russland Anfang August 1945 mit einer großen Streitmacht in der Mandschurei zum Angriff gegen Japan einmarschierte. Trotz zwischenzeitlicher Vereinbarungen der Nationalregierung mit den Kommunisten und der Verständigung auf die Errichtung einer Demokratie in China, scheiterte die Wiedergewinnung der Macht durch die Nationalregierung, insbesondere, weil sie die demokratischen Prinzipien bald selbst verwarf und den Provinzen eine stärkere Autonomie versagte. Die Kommunisten konnten sich daher, nicht zuletzt auch wegen ihres durch ein erfolgreich eingeleitetes Bodenreformprogramm gestärkten Rückhalts in der Bevölkerung mehr und mehr durchsetzen; ebenso trieben ihnen die von amerikanischer Seite gestützten Vergeltungsaktionen der Nationalregierung weitere Anhänger in die Arme. Die sorgfältig geplante Machtübernahme und die Proklamation der Volksrepublik China konnten die Kommunisten durch einen demonstrativen Truppeneinzug in Peking am 1. Oktober 1949 inszenieren, während sich die Nationalregierung nach Taiwan zurückzog.

Die Kommunistische Partei (KP) mit dem Ständigen Ausschuss des Politbüros an der Spitze und die Regierung mit dem Staatsrat unter Vorsitz des Ministerpräsidenten standen nun vor gigantischen Aufgaben – und bewiesen zunächst eine glückliche Hand. Massenorganisationen und Verbände wirkten in die Breite und hielten das Land zusammen. Vor allem aber war es gelungen, die in den 1920er-Jahren erzielten Errungenschaften der Zentralisierung des Militärs für die Volksbefreiungsarmee aufrechtzuerhalten und den Zusammenhalt des Landes durch Verwaltungsmaßnahmen zu sichern.

Die außenpolitische Anlehnung der Volksrepublik an die Sowjetunion kam in der Reise Mao Zedongs nach Moskau am 16. Dezember 1949 zum Ausdruck, seiner ersten Auslandsreise überhaupt. Diese Beziehungen waren von Anfang an belastet, doch konzentrierte sich der junge Staat auf die Innenpolitik und die Konsolidierung seiner Macht. Die Wiedereingliederung Tibets und Taiwans blieben das Ziel, das zum Teil mit dem Einmarsch der Volksbefreiungsarmee in Lhasa 1951 erreicht wurde. Mit dem im Juni 1950 ausbrechenden Koreakrieg änderte sich die Lage, doch erst nach Einmarsch amerikanischer Truppen in Pyongyang trat China in den Krieg ein, der insbesondere für Koreaner und Chinesen sehr verlustreich werden sollte, bevor er mit einem Waffenstillstand 1953 beendet wurde. Die seither aufrechterhaltene militärische Präsenz der USA in der Region bildete auch den Aktionsrahmen im Hinblick auf territoriale Streitfragen. Bis auf einige Grenzscharmützel mit der Sowjetunion und Indien sowie mit Vietnam fungierten in den folgenden Jahrzehnten die USA als Friedensgarant in der Region.

Politik des "Großen Sprungs"



Innenpolitisch führten die Erfahrungen des Koreakrieges zu einer Radikalisierung der inzwischen auf mehr als fünf Mio. Mitglieder angewachsenen Partei und ihrer Politik. Hierzu gehörten Massenkampagnen und mit der Aufstellung eines ersten Fünfjahresplans (1953-1957) im Jahre 1953 eine Planwirtschaft sowjetischen Musters. Bei dem vorrangigen Ausbau der Schwerindustrie kam es zu einer engen Zusammenarbeit mit sowjetischen Beratern. Die im Frühjahr 1956 von Mao Zedong eingeleitete "Hundert-Blumen-Bewegung", Ausdruck eines Richtungsstreits innerhalb der Partei, erhielt durch die Proteste in Polen, Ungarn und auch in Tibet eine neue Wendung und führte im Jahre 1957 zu einer kurzen Phase liberaler Meinungsvielfalt. Als diese auszuufern drohte, wechselte Mao seinen Standpunkt, und es kam zu einer beispiellosen Verfolgung von mehr als 300.000 Intellektuellen, die als "Rechtsabweichler" gebrandmarkt wurden. Schwaches Wirtschaftswachstum und kaum Steigerungen bei der Nahrungsmittelproduktion führten zu einer neuen Debatte im Vorfeld des zweiten Fünfjahresplans, bei der sich Mao Zedong schließlich mit einer auf Massenmobilisierung, eine "permanente Revolution" anstrebenden Politik durchsetzte, die zum "Großen Sprung" führte. Mit einer Bewegung zur Einrichtung von "Volkskommunen" 1958 hoffte man in den folgenden Jahren die Erträge für die etwa 600 Millionen Einwohner, davon vierfünftel Landbevölkerung, zu steigern. Doch schwindende Getreideerträge und zugleich Getreideausfuhr in die Sowjetunion führten zu einem solchen Versorgungsmangel, der zwischen 1959 und 1962 zu mindestens 30 Mio. Hungertoten führte.

Der Abzug sowjetischer Berater 1960 bedeutete eine weitere Schwächung, die durch fortdauernde innerparteiliche Auseinandersetzungen noch verstärkt wurde. Doch gelang es Mao durch Ernennung des Kampfgefährten Lin Biao zum Verteidigungsminister, das Militär hinter sich zu bringen und mithilfe eines 1963 einsetzenden beispiellosen Personenkultes seine Position abzusichern. Dieser steigerte sich im Sommer 1966 zu einem ersten Höhepunkt der "Großen Proletarischen Kulturrevolution", bei der Studenten und Schüler gegen das Establishment mobilisiert wurden. Es kam im ganzen Land zu Zerstörungen und Gewalttätigkeiten, Schulen und Hochschulen wurden geschlossen, und Millionen Jugendliche wurden aufgefordert, alte Tempel, Bau- und Kunstwerke zu vernichten und dadurch mit den Autoritäten abzurechnen. Innerhalb der Partei wurden einzelne wie der Stellvertretende Vorsitzende des Zentralkomitees der KP Liu Shaoqi und der Generalsekretär der KP Deng Xiaoping aus ihren Ämtern entfernt und öffentlich gedemütigt.

Trotz der Ausrichtung an Parolen Mao Zedongs verbanden sich die zum großen Teil aus Unzufriedenheit gespeisten Proteste zunächst mit unterschiedlichen Forderungen und führten etwa in Schanghai zu Konflikten einzelner Gruppen untereinander. Auf die Bildung der Schanghaier Volkskommune gab es bereits im Frühjahr 1967 erste Versuche zu einer Mäßigung, und im Sommer 1967 kam es mit dem sogenannten "Wuhan-Zwischenfall" zu einem größeren Zusammenstoß zwischen Radikalen und dem Militär. Bemühungen, aus dem landesweiten Chaos wieder zu geordneten Verhältnissen zurückzukehren, führten von Ende 1967 bis 1969 zu einer Reihe von Kampagnen, die – mit den Begriffen der "Selbstkritik" und der "Säuberung" – insbesondere die Mitglieder der KP Chinas mit teils grausamen und erniedrigenden Prozeduren unterwarfen. Andererseits setzten sich zunehmend Kräfte der Mäßigung durch. Obwohl Lin Biao 1969 zum designierten Nachfolger Mao Zedongs bestimmt worden war, verfolgte Mao seither doch wieder eine Stärkung der Partei. Komplottpläne Lin Biaos gegen Mao endeten schließlich Ende 1971 mit einem Flugzeugabsturz, bei dem Lin Biao ums Leben kam.


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