"Die Freiheit führt das Volk“: Das berühmte Gemälde von Eugène Delacroix (1830) mit Frankreichs Nationalfigur Marianne.

29.9.2015 | Von:
Claire Demesmay

Pierre Bourgeois

Der Bauunternehmer von Hong Kong

Pierre Bourgeois baute schon Brücken und Tunnel in Kolumbien, Südafrika und der Schweiz. Heute arbeitet der Bauunternhemer in China. Als Weltbürger unterwegs fühlt sich Burgeois trotzdem "durch und durch als Franzose". Er ist vom Potenzial der französischen Industrie überzeugt, wünscht sich von seiner Heimat manchmal aber noch mehr Zukunftsorientierung.

Von seinem Büro in Hong Kong aus plant Pierre Bourgeois den Bau der neuen Metrostationen der Millionenstadt.Von seinem Büro in Hong Kong aus plant Pierre Bourgeois den Bau der neuen Metrostationen der Millionenstadt. (© privat)

Hong Kong ist aufgewacht, der Verkehr ist schon dicht. In den lauten Straßen vom Wanchai eilen Businessleute zu ihrem ersten Meeting, während die Händler in den engen Lädchen auf Kunden warten. In seinem Büro, mit Blick auf die Wolkenkratzer der Stadt, bereitet Pierre Bourgeois ein Arbeitstreffen über den Bau der neuen Hongkonger Metrolinie vor. Den Vertrag dafür unterschrieb im Frühling 2013 seine Firma, das französische Bauunternehmen VINCI; die Bauarbeiten für die neue Linie sollen nicht weniger als 68 Monate dauern.

Seit 2010 leitet Monsieur Bourgeois in Hong Kong die Niederlassung von VINCI Construction Grands Projets, eine Firma, die in großen Infrastrukturprojekten wie Tunnel- und Brückenbau spezialisiert ist. In dieser Funktion ist er für 450 Mitarbeiter verantwortlich, darunter Franzosen, aber auch Chinesen und Nepalesen. Sein Arbeitsalltag ist vielfältig und besteht nicht nur darin, für den richtigen Ablauf der Baustellen zu sorgen: Parallel dazu muss er auch u.a. neue Projekte initiieren, an Ausschreibungen teilnehmen und technische Workshops organisieren. Dazu gehört viel Netzwerkpflege. Interkulturelle Missverständnisse scheinen aber selten zu sein, was laut Bourgeois am Sprachgebrauch (alle Geschäftsgespräche finden auf Englisch statt) und an der langjährigen Präsenz von westlichen Baufirmen in der Stadt liegt.

Für den Franzosen hat das Leben im Ausland nichts Ungewöhnliches. Seine erste Auslandserfahrung hat er schon als Kleinkind gemacht: Er war noch nicht ein Jahr alt, als sein Vater mit der ganzen Familie nach Mauretanien gezogen ist, um dort in einem Eisenbergwerk zu arbeiten. Diese Erfahrung hat ihn so stark geprägt, dass er sich gleich nach seinem Studium des Bauingenieurwesens entschied, als Expat auf einer Baustelle in Kolumbien zu arbeiten. Dort lernte er auch seine zukünftige Frau kennen. Es folgten Stellen als Bauingenieur und anschließend Bauleiter in Südafrika, in der Schweiz und in China. Pierre Bourgeois ist von Natur aus ein neugieriger Mensch. Von einem Leben im Ausland erhofft er sich, neue Kulturen kennenzulernen und einen Einblick in die globalen Herausforderungen unserer Zeit zu bekommen. Er ist in erster Linie von der "technischen Modernität Asiens" fasziniert.Gleichzeitig sorgt er sich aber darum, dass "Europa dabei zurückbleibt". Insbesondere von Frankreich wünscht er sich mehr Zukunftsorientierung und Reformbereitschaft.

Und doch bleibt der Bauunternehmer optimistisch: Die Europäer haben viele Stärken, wie die Fähigkeit, offen zu diskutieren, zu hinterfragen und sogar sich selbst infrage zu stellen, stellt er fest. Diese Einstellung ermögliche es, kreativ und leistungsfähig zu sein, was in einem internationalen Kontext sehr zu schätzen sei. Bourgeois‘ Optimismus gilt übrigens auch für Frankreich. Weil er vom Potenzial der französischen Industrie im Ausland überzeugt ist, engagiert er sich seit 2015 als Außenhandelsrat Frankreichs. Damit will er französischen Unternehmen helfen, sich in Hong Kong zu entwickeln.

Pierre Bourgeois ist zugleich überzeugter Europäer und Patriot. Obwohl der größte Teil seiner Karriere im Ausland stattfand, fühlt er sich "durch und durch als Franzose" und ist "sich über seine Wurzeln tief bewusst und ziemlich stolz". Das Gefühl, zu einem Land zu gehören und dort zu Hause zu sein, hält er für eine große Chance. Es ist ihm auch bewusst, dass seine beiden erwachsenen Töchter, die ihre ganze Kindheit im Ausland verbrachten, diese Chance nicht erben konnten. Sein größter Wunsch ist nun, dass sie als Weltbürgerinnen glücklich werden.


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