Einleitung
Gelenkte Demokratie, simulierte Demokratie oder autoritäre Präsidialherrschaft: Das politische System der Russischen Föderation hat viele Bezeichnungen. Das "System Putin" ist eine Mischung aus Autokratie und Oligarchie.
Unter dem Stern des Kreml regiert die Demokratie. Eine "defekte Demokratie" wie es einige Experten nennen. (© AP)Das politische System Russlands gewann in den neunziger Jahren unter der Präsidentschaft Boris Jelzins ein erstes noch unklares Profil: Experten des Systemvergleichs nannten es eine "defekte Demokratie". Tatsächlich umfasste das Regime Elemente der Demokratie ebenso wie des Autoritarismus und der Anarchie. Es verwandelte sich unter der Präsidentschaft von Vladimir Putin (2000 - 2008) in eine streng "gelenkte Demokratie". Wie dieser von einem russischen Publizisten geprägte Begriff nahelegt, wurden die Verfassungsprinzipien gebeugt und die demokratischen Institutionen und Verfahrensweisen manipuliert.
Im Ergebnis entstand ein autoritäres System mit der Besonderheit förmlich fortbestehender demokratischer Einrichtungen. Diese gaukeln demokratische Verhältnisse lediglich vor. Nicht zufällig sprechen kritische Beobachter von einer "simulierten Demokratie".
Eine weitere Besonderheit des Systems ist eine dualistische Machtstruktur. Das heißt, dass neben der äußeren Erscheinungsform einer autoritären Präsidialherrschaft die Geschicke des Staates durch schwer durchschaubare informelle politische Netzwerke gestaltet und gelenkt werden. Herrschaftstypologisch verkörpert das Regime einen Zwitter aus Autokratie und Oligarchie. Seit Frühjahr 2008 regiert eine politische Doppelspitze von Präsident Dmitrij Medwedjew und Premierminister Putin. Dies änderte wenig am autoritären "System Putin", in dem die Kontrolle über Medien und Parteien obenan steht. Wichtigstes Herrschaftsinstrument ist das staatliche Fernsehen, das die Zustimmung der Gesellschaft sicherzustellen hat.
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