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Die Staaten im Kaukasus


2.5.2011
Moskaus Verhältnis zu den südkaukasischen Ländern Georgien, Armenien und Aserbaidschan ist wie in den anderen Nachbarstaaten von seinem Anspruch auf den post-sowjetischen Raum als russische Einflusssphäre geprägt. Das hat zum Teil historische Gründe.

Eine Kolonne russischer Panzerfahrzeuge bewegt sich auf einer Straße der abtrünnigen Provinz Abchasien in der Nähe Zugdid.Russische Soldaten während des Georgienkriegs 2008 (© AP)

Historische Grundlagen



Die Gebiete nördlich und südlich des Kaukasus-Gebirges wurden dem Zarenreich im 18. und 19. Jahrhundert im Zuge imperialer Expansion eingegliedert. Nach dem Ersten Weltkrieg unternahmen die drei südkaukasischen Länder Anstrengungen, ihre Unabhängigkeit zu erringen. Dieses Bemühen wurde allerdings vom bolschewistischen Regime in Moskau blutig unterdrückt, wobei der Georgier Josef Stalin als Volkskommissar für Nationalitätenfragen eine herausragende Rolle spielte. Im Jahre 1922 wurden die drei Staaten sowie Abchasien als vierte südkaukasische Sozialistische Sowjetrepublik in eine Transkaukasische Föderative Sowjetrepublik eingebunden.

Dieses Konstrukt stellte sich allerdings aufgrund der enormen historischen, kulturellen, religiösen und ethnischen Unterschiede und subregionalen Konflikte sowie des Widerstands der örtlichen Kommunisten als kurzlebig heraus. In seiner Eigenschaft als Generalsekretär der Kommunistischen Partei löste Stalin die Transkaukasische Föderation 1936 wieder auf und schlug Georgien, Armenien und Aserbaidschan der Sowjetunion zu; Abchasien wurde als Autonome Republik Teil des georgischen Staatsverbands. Die Unabhängigkeitsbestrebungen im Vielvölkerstaat Sowjetunion erfassten jedoch auch den Kaukasus, und im Verlauf des Zusammenbruchs der Union wurden die drei Staaten in ihren jeweiligen Republikgrenzen unabhängig.

Bedeutung der Region



Aus der Sicht der Moskauer Machtelite hat der Südkaukasus erhebliche strategische Bedeutung. Er ist ein wichtiges Verbindungsglied auf dem Landweg von Russland in die Türkei, Iran und in andere Länder des Mittleren Ostens. Dafür gibt es vier mögliche Verbindungswege:
  • erstens, die imperiale Heerstraße vom nordossetischen Wladikawkas über Tiflis und Eriwan;.
  • zweitens die Küstenstraße von Sotschi über das abchasische Suchumi und die georgischen Hafenstädte Poti and Batumi;.
  • drittens vom dagestanischen Machatschkala nach Baku; .
  • und viertens über den Roki-Tunnel.
Kennzeichen für die Zerrissenheit der Region, politische und ethnische Konflikte und eine fehlgeleitete russische Politik ist allerdings die Tatsache, dass die ersten zwei Verbindungswege blockiert sind. Der im Georgien-Krieg für Russland strategisch wichtige Roki-Tunnel mag derzeit für die Kontrolle Südossetiens von Bedeutung sein, der mögliche Verbindungsweg weiter nach Süden endet jedoch an der "Grenze" zum georgischen Kernland; außerdem ist der Tunnel (auf 2.000 Meter Höhe) im Winter und Frühjahr praktisch nicht passierbar.
Russland innerhalb der GUSRussland innerhalb der GUS. Zum Öffnen der PDF klicken Sie auf das Bild. (© www.kartographie-kaemmer.de)
Die wirtschaftliche Bedeutung der Region für Russland hat im Vergleich zu der, welche die drei Republiken in der Sowjetära hatten, abgenommen. Bakus Erdöl- und Erdgasvorkommen sind heute weniger wichtig verglichen mit denen Russlands selbst und der zentralasiatischen Länder Turkmenistan und Kasachstan, mit denen Moskau langfristige Lieferverträge abgeschlossen hat. Die Anzahl der in den drei Ländern lebenden Russen ist ebenfalls zurückgegangen.

Was also sind die Triebkräfte der Kaukasuspolitik des Kremls? Wie bei fast allen Problemen der immer internationalen Politik gibt es mehrere Faktoren. Dazu gehören im vorliegenden Fall seine Unfähigkeit oder Mangel an Willen, kleinere Länder als gleichberechtigt anzusehen, seine Entschlossenheit, Russland wieder als "Großmacht" (welikaja derschawa) international und als "führende Macht" im GUS-Raum wiederherzustellen und zu verhindern, dass andere internationale Akteure - die USA, die NATO und die EU - Russland aus der von ihm beanspruchten Einflusszone "verdrängen". Diese Beweggründe kennzeichnen die russische Politik in allen drei südkaukasischen Ländern, in Georgien allerdings in ganz besonderem Maße.


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