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Die baltischen Staaten


2.5.2011
Russlands Verhältnis zum Baltikum ist von wiederkehrenden Konflikten geprägt. Moskau betrachtet die Staaten Estland, Lettland und Litauen als einen verhältnismäßig einheitlichen Raum. Dafür gibt es gute Gründe in der historischen Entwicklung.

Von rechts: Estnischer Regierungsminister, Verteidigungsminister Jaak Aaviksoo, Ministerpräsident Andrus Ansip und Minister für Bevölkerungsangelegenheiten Urve Palo, legen Blumen am Bronzenen Soldaten Denkmal für sowjetische Soldaten auf dem Friedhof der estnischen Streitkräfte in Tallinn.Der bronzene Soldat in Tallinn im Mai 2007. Die von der estnischen Regierung angekündigte Verlegung der Statue aus dem Jahr 1947 sorgte im Frühjahr 2007 für Störungen im estnisch-russischen Verhältnis (© AP)

Historische Entwicklung



Nach dem Nordischen Krieg von 1700 bis 1721 wurden Teile des heutigen Estlands und Lettlands sowie infolge der dritten Teilung Polens 1795 große Gebiete des heutigen Litauens dem Zarenreich als russische Provinzen eingegliedert. In den Zerfallsprozessen des Reiches und der Oktoberrevolution erlangten die drei Staaten ihre Unabhängigkeit, die das bolschewistische Russland 1920 anerkannte - allerdings nur 20 Jahre lang: In geheimen Zusatzabkommen zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag (Hitler-Stalin-Pakt) vom 23. August 1939 und dem Grenz- und Freundschaftsvertrag vom 28. September desselben Jahres wurden die baltischen Staaten dem sowjetischen Einzugsbereich überlassen. Der Grundstein für die Beseitigung ihrer Souveränität war damit gelegt.

Russland innerhalb der GUSRussland innerhalb der GUS. Zum Öffnen der PDF klicken Sie auf das Bild. (© www.kartographie-kaemmer.de)
Unter massivem Druck und Gewaltandrohung wurden Estland, Lettland und Litauen 1940 von der Sowjetunion annektiert. Nach damaliger sowjetischer und heutiger russischer Lesart "baten" sie Moskau um die Entsendung und Stationierung von Truppen zu ihrem Schutz und traten der UdSSR "freiwillig" bei. Im Juni 1940 begannen Massendeportationen von Einwohnern, die vermeintlich oder tatsächlich dem sowjetischen System ablehnend gegenüberstanden.

Nach der Beendigung der deutschen Besetzung des Baltikums 1944 und der Rückkehr der Sowjetmacht wurden die Deportationen und Repressalien gegen die Bevölkerung wieder aufgenommen. Gleichzeitig wurden ethnische Russen und andere slawische Bevölkerungsgruppen hauptsächlich aus der Russischen, Ukrainischen und Weißrussischen Sowjetrepublik planmäßig in die baltischen Länder umgesiedelt, um diese ehemals selbständigen Republiken enger an die Moskauer Zentralmacht zu binden. Die Entwicklung von Unabhängigkeitsbestrebungen sollte so verhindert werden. Industrialisierungsprozesse zogen weitere Arbeitsimmigration aus der Sowjetunion nach sich. Dies hatte zur Folge, dass Esten und Letten drohten, in ihren eigenen Ländern zur Minderheit zu werden. Zusammen mit den Litauern konnten sie jedoch die Gunst der Stunde in der Gorbatschow-Ära nutzen, um ihre Unabhängigkeit 1991 wieder zu erlangen. Dem Charakter des Baltikums als einer Region mit ähnlichen Interessen und Problemen entsprechend, wurden die baltischen Staaten im März 2004 in die NATO und im Mai 2004 in die EU als Vollmitglieder aufgenommen.

Russlands heutiges Verhältnis zu den drei Staaten ist weiterhin stark von der Geschichte geprägt und belastet. Die zentralen Streitpunkte sind dabei die Umstände des Beitritts der baltischen Staaten zur Sowjetunion 1940, der völkerrechtliche Status der Annexion und die Bewertung der Zeitperioden von 1940-1941 und 1944-1991.


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