Basilius-Kathedrale

15.10.2010 | Von:
Prof. Dr. Jörg Stadelbauer

Geografie und Klima

Arm an Bodenschätzen ist die Weite der Russischen Tafel im europäischen Teil des Landes; nur im äußersten Nordosten geht sie mit den Kohlelagerstätten von Workuta in die Gebirgssenke vor dem Ural über, im zentralen Teil finden sich innerhalb der Antiklinale (weiträumige Aufwölbung des Gesteinsuntergrunds) von Voronesh die Eisenerze der Kursker Magnetanomalie – hier wird durch die Wirkung des größten bekannten Eisenerzbeckens die Nadel des Kompasses von ihrer Nordrichtung abgelenkt. Im Süden wird die Russische Tafel vom Senkensystem begrenzt, in dem die Kohle des Donbass lagert. Erzvorkommen finden sich vor allem in alt gefalteten, d. h. in der Erdgeschichte vergleichsweise früh entstandenen, Gebirgen (Gebirgszug der Chibiny auf der Kola-Halbinsel, Ural, Altai, Sajany sowie andere sibirische Gebirgszüge), Lagerstätten von Steinkohle in den Vorsenken dieser alten Gebirge, etwa im Kusnezker Becken. Unter den heutigen wirtschaftlichen und technischen Rahmenbedingungen sind umfangreiche Kohlevorkommen in Sibirien wie die Lagerstätten des Tunguska-Beckens nicht nutzbar.

Russland - WirtschaftWirtschaft. Klicken Sie PDF-Icon hier um die PDF zu öffnen. (© www.kartographie-kaemmer.de)
Die große Entfernung von den bevölkerungsreichen Ortschaften bewirkte, dass die Erschließung zahlreicher Bodenschätze erst spät erfolgte. Entlegene Lagerstätten von Buntmetallerzen, wie die von Norilsk mit Kupfer-, Kobalt- und Nickelerzen, wurden aus strategischen Interessen erschlossen. In den subarktischen Bergbaugebieten auf der Kola-Halbinsel, im Petschora-Becken (Workuta) und bei Norilsk ist der Bergbau mit hohen Emissionen und massiven Landschaftsschäden verbunden.

Lagerstätten von Erdöl und Erdgas befinden sich vor allem in weitgespannten geologischen Becken wie der Kaspischen Senke, dem westlichen Uralvorland, der Senke in Nordkaukasien oder dem Westsibirischen Tiefland. Russland verfügt über außerordentlich umfangreiche Lagerstätten, doch ist ihre Nutzung mit einem hohen Aufwand für die Schaffung der erforderlichen Infrastruktur verbunden, aber wenn die einzelnen Bohrungen ergiebig sind, lohnt sich dies. Westsibirien gehört deshalb heute zu den reichsten Gebieten Russlands mit den höchsten Durchschnittseinkommen. Schätzungen über die wirtschaftlich nutzbaren Vorräte gehen bei allen Bodenschätzen weit auseinander und sind von technologischer Entwicklung, Weltmarkt und der Erkundung neuer Lagerstätten abhängig. Die Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen bestimmt in hohem Maß Russlands Wirtschaftsaktivitäten, da die Transformation eine partielle Deindustrialisierung bewirkt hat. Bei den Exporten von Bodenschätzen stehen Erdöl aus dem mittleren und Erdgas aus dem nördlichen Westsibirien an erster Stelle. Die Erdgasregion reicht inzwischen bis auf die Jamal-Halbinsel, denn die westeuropäische Nachfrage garantiert einen sicheren Markt und fordert den Bau neuer Pipelines. Allerdings sind die Erschließungsarbeiten im hohen Norden teuer. Daher wird das sowjetische Modell der Arbeitsorganisation, das auf zeitlich befristeten Einsätzen von Arbeitern aus weiter südlich gelegenen Wohnsiedlungen beruht, mit Modifikationen beibehalten. Die Einwohnerzahlen zahlreicher Siedlungen im hohen Norden stagnieren oder sind sogar rückläufig.

Unter den übrigen Bodenschätzen kommt Gold und Diamanten nach wie vor große geoökonomische Bedeutung zu. In der Phase verstärkter Regionalisierung verstand es die Republik Sacha (Jakutien), sich umfassende Mitspracherechte bei der Erschließung und Vermarktung ihrer Diamantvorkommen zu sichern. Bei der Förderung der "klassischen" Bodenschätze für die Schwermetallurgie, Eisenerze und Steinkohle, musste Russland dagegen Einbußen hinnehmen, die sich aus veränderten Marktbedingungen, vor allem aber auch aus der Überalterung der Förder- und Aufbereitungsstätten erklären lassen.