Basilius-Kathedrale

8.10.2012 | Von:
Agnieszka Łada

Analyse: Das Bild des Westens. Russische Ansichten zu Polen und Deutschland

Auf dem Weg zu einem Trialog?

Die Aufbruchsstimmung in Teilen der russischen Gesellschaft hält an. Sie steht in direktem Zusammenhang mit der Reisefreiheit und den Erfahrungen der entstehenden Mittelschicht und der jungen Generation. In den vergangenen fünfundzwanzig Jahren hat ein großer Teil der städtischen Gesellschaft direkte Erfahrungen im Westen sammeln können. Dies führte zu Veränderungen in der Wahrnehmung des Westens aber vor allem zu einem kritischen Blick auf das eigene Land. Zugleich sieht die russische Gesellschaft in Deutschland und Polen keine Bedrohung für das eigene Land. Vielmehr betrachtet sie die Aktivitäten der westlichen Nachbarn im postsowjetischen Raum neutral. Es gibt allerdings eine Reihe von offenen Fragen, die das russisch-polnische Verhältnis belasten. Dazu gehören historische Themen, die aber in Fachkreisen diskutiert werden sollten. Hier bietet sich eine Fortsetzung des Historiker-Dialoges an, der in den letzten Jahren gute Arbeit gute Arbeit geleistet und eine Grundlage für die polnisch-russische Annäherung geschaffen hat. Die Flugzeugkatastrophe von Smolensk und deren Folgen haben jedoch negative Auswirkungen gehabt. Der anfänglichen Trauer und gegenseitigen Sympathiebekundungen folgte eine Welle von Verdächtigungen und Anschuldigungen seitens konservativer Kreise in Polen, die bis heute einen polnisch-russischen Dialog sehr erschwert. Die Distanzierung der katholischen Kirche von der Anschlagtheorie, die erst im Vorfeld des Patriarchenbesuches in Polen erfolgte, hegt neue Hoffnungen hinsichtlich der polnisch-russischen Kooperation. In politischer Hinsicht stellt sich die Frage, ob eine deutsch-polnische Kooperation bei der Gestaltung einer Russland-Politik einen Nukleus europäischer Ost-Politik sein kann. Entscheidend ist hier die künftige Haltung der Bundesregierung, die Polen als zunehmend wichtiger Akteur in der EU bei der Gestaltung der Russland-Politik einbeziehen sollte. Vieles deutet darauf hin, aber eine Institutionalisierung des Prozesses steht nicht auf der Tagesordnung. Eine Analyse der deutsch-polnischen Kooperation zeigt, dass dies bisher ansatzweise in der Kooperation der Außenminister geschehen ist. Langsam entstehen auch andere, kleine trilaterale Projekte. Ihre Ergebnisse kann man aber noch nicht beurteilen. Oft ist auch das Engagement der russischen Seite eher gering. Eine Chance stellt eine Zusammenarbeit an der zivilgesellschaftlichen Ebene dar. In diesem Bereich könnte auch ein deutsch-polnisch-russischer Trialog eine symbolische Bedeutung für die weitere Entwicklung in Russland erhalten.

Lesetipp
Grzegorz Gromadzki, Jacek Kucharczyk, Agnieszka Łada, Cornelius Ochmann, Yuriy Taran, Łukasz Wenerski: Menschen - Geschichte - Politik. Russische Ansichten zu Polen und Deutschland, Warschau: Institute of Public Affairs 2012.

Über das Projekt
Der vorliegende Artikel entstand im Rahmen des Projektes: "Wahrnehmung Polens und Deutschlands in Russland", realisiert in Zusammenarbeit mit der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und dank der finanziellen Unterstützung des polnischen Außenministeriums. Die Ergebnisse des Projekts wurden in dem unter "Lesetipps"zitierten Band publiziert. Diesem Band sind Teile des vorliegenden Textes entnommen. Die Ausführungen stützen sich auf eine Repräsentativumfrage, die das Institut für Öffentliche Angelegenheiten in Warschau beim Lewada-Zentrum in Moskau in Auftrag gegeben hat. Die Erhebung wurde im Zeitraum vom 11. bis 21. November 2011 durchgeführt und erfasste einer repräsentative Auswahl von 1.591 volljährigen russischen Bürgern.


Russland

Gesellschaft und Kultur

Das Russlandbild in den deutschen Medien

Putin- und Moskaufixiertheit dominiert die deutsche Berichterstattung über das riesige Land. Gelingt die kritische Darstellung zwischen Selbstinszenierung des Regimes und Lebenswirklichkeit im Land? Es gilt: vor Ort wird meist ein differenziertes Bild gezeichnet. Doch welche Medien können sich sowas überhaupt noch leisten?

Mehr lesen

Opposition activists carry the Ukrainian national flag during an action of protest against the current regime in Kiev, Ukraine, Saturday, May 18, 2013. (AP Photo/Efrem Lukatsky)
Dossier Ukraine

Ukraine

Die Ukraine-Analysen bieten einen aktuellen Einblick in die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklungen in der Urkaine. Sie machen aktuelles Wissen von Wissenschaft und Forschung verfügbar.

Mehr lesen

Polen-Analysen: Chronik
Dossier: Polen

Polen-Analysen

Die Polen-Analysen widmen dem größten östlichen Nachbarn Deutschlands regelmäßig einen Themenschwerpunkt. Dabei beleuchten sie aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen in Polen.

Mehr lesen

Angesichts der Ukraine-Krise wollen einige Nato-Mitglieder den Kurs gegen Russland verschärfen und fordern dauerhafte Truppenstützpunkte in Osteuropa. Zwingt Putin die Nato zu einem Strategiewechsel?

Mehr lesen auf eurotopics.net

Kiew wirft Russland eine Invasion in die Ostukraine vor. Laut Nato-Angaben sollen bis zu 1.000 russische Soldaten auf ukrainischem Territorium operieren. Wer kann Moskau Einhalt gebieten?

Mehr lesen auf eurotopics.net