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6.11.2017 | Von:
Wolfram Hilpert

Politische Bildung als Aufgabe. Inklusivität als Anspruch

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Das Konzept der bpb-Reihe „einfach POLITIK“ im Kontext des didaktischen Diskurses

Wenn Bürgerinnen und Bürgern nicht verstehen können, was in der Politik geschieht, dann grenzt sie dies aus dem politischen Leben aus. Und Ausgrenzung, Exklusion von Bürgerinnen und Bürgern, schwächt und schädigt Demokratie. Denn Demokratie beruht auf Teilhabe aller. Ausgrenzungen delegitimieren den politischen Entscheidungsprozess und spalten die Gesellschaft.
„Demokratie stärken – Zivilgesellschaft fördern“ ist das Motto der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Es ist auch - kurz gefasst - die Beschreibung der ihr gestellten Aufgabe. Immer stärker rückt in den Fokus, dass der Auftrag „Demokratie stärken!“ die Entwicklung und Erstellung sehr unterschiedlicher, gerade auch niederschwelliger und leicht verständlicher Informationen über Politik verlangt.
Es gibt in der Bundeszentrale für politische Bildung einige Ansätze, exkludierte Zielgruppen zu erreichen und so Demokratie zu stärken. Einer dieser Ansätze ist die Reihe „einfach POLITIK“.
„einfach POLITIK“ nennt die Bundeszentrale für politische Bildung eine Reihe mit Heften, Plakaten, Webseiten und Hörbüchern, die in einfacher Sprache Politisches beschreibt und erklärt. Die Hefte „einfach POLITIK“ haben derzeit inklusive Nachdrucke eine Auflage von über 80.000 Stück. Alleine im August 2017 brachte es „Politik: Einfach für alle“, in dem Webseiten und Hörbücher der Reihe abgerufen werden können, auf 37.000 Aufrufe.

Das Konzept der Reihe „einfach POLITIK“ ist das Resultat eines intensiven Erarbeitungsprozesses. Im Folgenden wird der didaktische und inklusionspädagogische Diskurs beschrieben, der den Prozess begleitet und befruchtet hat.

Zunächst im Vorgriff ein Überblick über den Prozess und über dessen wichtigste Ergebnisse:
  1. Die Analyse des Inklusionsbegriffs war und ist entscheidend für die Reihenkonzeption und muss dies auch sein. Inklusion ist ein Begriff, der in sozialwissenschaftlichen Zusammenhängen eine gesellschaftpolitische Aufgabe beschreibt, die dazu beiträgt, soziale Spaltungen in der Gesellschaft zu überwinden oder illegitime Grenzen durchlässig zu machen. Eine politische Bildung, die die Teilhabe aller in einer demokratischen Gesellschaft fördern will, kommt nicht umhin, von diesem weiteren Inklusionsbegriff auszugehen und die Verengung, die der Begriff im schulpolitischen Diskurs erfahren hat, nicht mitzumachen. „Inklusion“ ist nicht ohne den Komplementärbegriff „Exklusion“ zu verstehen. Wenn Inklusion die Überwindung von Exklusion, dann müssen beide Begriffe zusammen gedacht werden. Wer inklusive Materialien erstellt, muss mögliche Exklusionsprozesse durch diese Materialien vermeiden. Und er muss das Ziel der gesellschaftlichen und politischen Teilhabe im Blick behalten.

  2. Die Frage, wie die Zielgruppe der Reihe sinnvoll definiert wird, wurde immer wieder reflektiert. Und dies wird weiterhin geschehen. Ein Ergebnis des Reflexionsprozesses zur Bestimmung der Zielgruppe ist: Eine zu enge und starre Festlegung ist dann, wenn Inklusion das Ziel der Materialien sein soll, aufgrund von möglichen Exklusionseffekten (siehe Punkt 1) problematisch.

  3. Bei den Konzeptionsüberlegungen geht es um nichts weniger als um die Suche nach Wegen, wie Bildungstexte sowohl gut als auch einfach gestaltet werden können. Für die politische Bildung ist dies eine herausfordernde bedeutsame Aufgabe. Allerdings gibt es -dies soll hier nicht unerwähnt bleiben- auch weitergehende Aufgaben für eine inklusive politische Bildung. Es muss auch Bildungsangebote geben, die aufgrund des Bedarfs der Zielgruppe auf Texte verzichten. Hier gibt es noch großen Handlungsbedarf.
    Doch zurück zur Frage, wie Bildungstexte gut und einfach gestaltet werden können: Einfache, inhaltlich reduzierte Textdarstellungen bedürfen hoher fachlicher Kompetenz. Einfach ist nicht einfach. Gute und einfache Bildungstexte setzen die Zusammenarbeit verschiedener Fachleute voraus: Fachleute für einfache Formulierungen, für politische Bildung, für wissenschaftliche oder juristische Fragen. Von besonderer Bedeutung ist das Feedback der Zielgruppe.
    Die Erstellung der Texte der Reihe „einfach Politik“ erfolgt in Kooperation mit dem Lehrstuhl von Frau Prof. Lindmeier des Institutes für Sonderpädagogik der Universität Hannover in einem Team unter Leitung von Frau Dorothee Meyer. Es schreiben in mehreren Erarbeitungsschleifen einerseits ein Team von Experten für einfache Sprache, andererseits inklusive Gruppen mit Menschen mit Behinderung sowie Studentinnen und Studenten an den Texten (vgl. http://www.bpb.de/241078). Die Inklusivität des Prozesses ebenso wie die fachliche Qualität hat auch für unsere Kooperationspartner bei der Texterstellung größte Bedeutung.


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