Zahlen und Fakten: Europa

Die fünf größten Forschungssektoren in Europa

12.5.2012
Je nach Sitz der Unternehmen konzentrieren sich die FuE-Investitionen sehr unterschiedlich auf die fünf größten Forschungssektoren. Wie in den Jahren zuvor tätigten die Unternehmen mit Firmensitz in Deutschland auch 2010 besonders hohe Investitionen im Bereich 'Automobilbau/-teile'.

FuE – ForschungssektorenKlicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Die 1.000 Unternehmen mit eingetragenem Firmensitz in Europa, die am meisten für Forschung und Entwicklung (FuE) ausgeben, investierten im Jahr 2010 gut 162 Milliarden Euro im Bereich FuE. Dabei entfielen zwei Fünftel der Investitionen auf nur zwei Sektoren: 'Pharmaindustrie' (21,4 Prozent) und 'Automobilbau/-teile' (18,7 Prozent). Werden noch die Sektoren 'Telekommunikationsausrüstung/-anlagen (ohne Festnetz)' (6,9 Prozent), 'Chemie' (5,5 Prozent) sowie 'Luft- und Raumfahrt/Verteidigung' (5,3 Prozent) hinzugezählt, steigt der entsprechende Anteil auf 57,8 Prozent.

Auf die Top 5 der Forschungssektoren der 1.000 Unternehmen mit den größten FuE-Ausgaben folgten die Sektoren 'Elektroteile und -geräte' (3,9 Prozent), 'Banken' und 'Industriemaschinen' (jeweils 3,5 Prozent), 'Software' (2,9 Prozent) sowie 'Telekommunikation (Festnetz)' (2,7 Prozent). Die Top 10 der Forschungssektoren hatten im Jahr 2010 einen Anteil von 74,2 Prozent an den Ausgaben, die insgesamt auf die 45 hier unterschiedenen Forschungssektoren entfielen.

Nach Angaben des Joint Research Centre der Europäischen Kommission stammten im Jahr 2010 knapp 95 Prozent der FuE-Ausgaben der 1.000 Unternehmen mit den höchsten FuE-Ausgaben von Unternehmen, die ihren Sitz in Deutschland (29,3 Prozent), Frankreich (15,5 Prozent), Großbritannien (13,6 Prozent), der Schweiz (12,7 Prozent), den Niederlanden (6,1 Prozent), Schweden (4,7 Prozent), Italien (4,2 Prozent), Finnland (3,9 Prozent), Dänemark (2,5 Prozent) sowie Spanien (2,2 Prozent) hatten.

Je nach Sitz der hier betrachteten Unternehmen konzentrierten sich im Jahr 2010 die FuE-Investitionen sehr unterschiedlich auf die fünf größten Forschungssektoren. Wie in den Jahren zuvor tätigten die Unternehmen mit eingetragenem Firmensitz in Deutschland auch 2010 besonders hohe Investitionen im Bereich 'Automobilbau/-teile' – der FuE-Anteil dieses Sektors an den gesamten FuE-Ausgaben der Unternehmen mit Sitz in Deutschland lag bei 46,7 Prozent. Hingegen verteilten sich die FuE-Ausgaben der Unternehmen mit Sitz in Frankreich gleichmäßiger auf die Bereiche 'Automobilbau/-teile' (21,5 Prozent), 'Pharmaindustrie' (18,9 Prozent) und 'Telekommunikationsausrüstung/-anlagen' (10,4 Prozent).

Die Pharmabranche hatte einen sehr hohen Anteil an den FuE-Ausgaben der Unternehmen mit Sitz in der Schweiz (66,3 Prozent), Dänemark (43,0 Prozent) und Großbritannien (37,4 Prozent). In den Niederlanden hatte allein durch den Luft- und Raumfahrtkonzern EADS der Sektor 'Luft- und Raumfahrt/Verteidigung' im Jahr 2010 einen Anteil von 31,2 Prozent an den FuE-Ausgaben der hier betrachteten Unternehmen mit Sitz in den Niederlanden. Und auch in Finnland und Schweden wurde der Forschungsschwerpunkt durch einzelne Unternehmen bestimmt: Durch die Firmen Nokia und Ericsson hatte der Bereich 'Telekommunikationsausrüstung/-anlagen' im Jahr 2010 einen entsprechenden Anteil von 79,1 bzw. 39,4 Prozent.

Bezogen auf die hier dargestellten Staaten war der Ausgabenanteil, der 2010 für die fünf größten Forschungssektoren aufgewendet wurde, bei den Unternehmen mit Sitz in Spanien mit Abstand am niedrigsten (7,0 Prozent), darauf folgten die Unternehmen in den Niederlanden (41,4 Prozent) und in Schweden (43,4 Prozent). Am höchsten war der entsprechende Anteil bei den Unternehmen mit Sitz in Finnland (82,0 Prozent) und der Schweiz (74,0 Prozent). Bei den Unternehmen mit Sitz in Deutschland entfielen auf die fünf größten Forschungssektoren 67,3 Prozent der FuE-Ausgaben.

Auf der Ebene der einzelnen Unternehmen waren im Jahr 2010 die FuE-Ausgaben des Pharmakonzerns Roche am höchsten (7,18 Mrd. Euro). Zweiter der Branche war ebenfalls ein Unternehmen mit eingetragenem Firmensitz in der Schweiz – Novartis mit 6,02 Milliarden Euro. In dem Bereich 'Automobilbau/-teile' wurde die Liste von den Automobilherstellern Volkswagen (6,26 Mrd. Euro) und Daimler (4,85 Mrd. Euro) angeführt. Nokia (4,94 Mrd. Euro) und Ericsson (3,02 Mrd. Euro) standen auf Platz eins und zwei des Sektors 'Telekommunikationsausrüstung/-anlagen'. Die nach FuE-Ausgaben größten Unternehmen des Chemiesektors waren Bayer (3,21 Mrd. Euro) und BASF (1,51 Mrd. Euro). Beim Sektor 'Luft- und Raumfahrt/Verteidigung' standen die Konzerne EADS und Finmeccanica (Italien) mit FuE-Ausgaben in Höhe von 3,08 bzw. 1,97 Milliarden Euro an der Spitze.

Datenquelle



Europäische Kommission: The 2011 EU Industrial R&D Investment Scoreboard

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Alle Angaben beziehen sich auf die 1.000 Unternehmen, die gemessen an ihren Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) am größten sind. Die fünf größten Forschungssektoren sind die, in die diese 1.000 Unternehmen am meisten investieren. Die Unternehmen werden den Staaten zugeordnet, in denen sich ihr eingetragener Firmensitz befindet. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die FuE-Ausgaben dieser Unternehmen sowohl im Inland als auch im Ausland getätigt werden.

Lesebeispiel: Von den weltweit 1.000 Unternehmen mit den höchsten FuE-Ausgaben im Jahr 2010 hatten 195 ihren eingetragenen Firmensitz in Deutschland. Von den FuE-Ausgaben dieser 195 Unternehmen entfielen 46,7 Prozent auf den Forschungssektor 'Automobilbau/-teile' bzw. insgesamt 67,3 Prozent auf die fünf größten Forschungssektoren. Das nach FuE-Ausgaben größte Unternehmen mit Sitz in Deutschland – Volkswagen – investierte im Jahr 2008 wiederum 71 Prozent seiner FuE-Ausgaben in Europa, 11 Prozent in Nordamerika und 18 Prozent in anderen Staaten der Welt.

Um wenigstens eingeschränkt Angaben über die Unternehmen machen zu können, die ihren Sitz zwar in Europa aber außerhalb der EU haben, wurde hier das Ranking "FuE Top 1000 EU" mit dem Ranking "FuE Top 1000 Nicht-EU" des "2011 EU Industrial R&D Investment Scoreboard" zusammengeführt. In dem daraus resultierenden Ranking stammen 943 Unternehmen aus der EU und 57 Unternehmen aus Nicht-EU-Staaten (konkret aus Island, Liechtenstein, Norwegen, Russland, der Schweiz und der Türkei). Ausgehend von diesen 1.000 Unternehmen und bezogen auf den eingetragenen Firmensitz der Unternehmen gehört die Schweiz zu den zehn Staaten, auf die 2010 die größten FuE-Investitionen entfielen.

Problematisch an der Zusammenführung der beiden Rankings ist, dass davon auszugehen ist, dass es einige europäische Unternehmen aus Nicht-EU-Staaten gibt, die zwar nicht in dem Ranking "FuE Top 1000 Nicht-EU" aufgeführt sind, deren FuE-Ausgaben aber trotzdem höher sind, als die einiger der 943 Unternehmen aus der EU. Allerdings kann ausgeschlossen werden, dass dadurch andere Staaten in der Grafik dargestellt werden müssten.

Weitere Informationen zu den "Firmensitzen der nach FuE-Ausgaben 1.000 größten Unternehmen" erhalten Sie hier...

Weitere Informationen zu den "Unternehmen mit den höchsten FuE-Ausgaben" erhalten Sie hier...

Weitere Informationen zur "Forschungsintensität" erhalten Sie hier...

Tabelle: Die fünf größten Forschungssektoren* in Europa**



Nach Sitz der Unternehmen***, Anteile an den Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) in Prozent, 2010

  Pharma-
industrie
Automobil-
bau/-teile
Telekommu-
nikations-
ausrüstung/
-anlagen (ohne Festnetz)
Chemie Luft- und
Raumfahrt/
Verteidigung
sonstige
Deutschland 8,6 46,7 0,1 11,5 0,3 32,7
Frankreich 18,9 21,5 10,4 1,8 6,5 41,0
Großbritannien 37,4 0,7 1,8 0,9 5,5 53,6
Schweiz 66,3 0,4 6,4 0,9 26,0
Niederlande 0,2 1,6 8,5 31,2 58,6
Schweden 1,5 0,4 39,4 0,5 1,7 56,6
Italien 3,7 32,0 0,7 29,4 34,1
Finnland 1,3 0,2 79,1 1,3 0,1 18,0
Dänemark 43,0 1,9 0,6 0,2 54,3
Spanien 4,7 0,4 2,0 93,0

* Sektoren, in die die 1.000 Unternehmen mit den höchsten FuE-Ausgaben mit Sitz in Europa 2010 am meisten investierten.
** bezogen auf 943 Unternehmen, die das Ranking "FuE Top 1000 EU" anführen sowie 57 Unternehmen mit eingetragenem Firmensitz in Europa, die im Ranking "FuE Top 1000 Nicht-EU" des "2011 EU Industrial R&D Investment Scoreboard" aufgeführt sind.
*** ausgehend von den 1.000 Unternehmen mit den höchsten FuE-Ausgaben und bezogen auf den eingetragenen Firmensitz dieser Unternehmen entfielen die größten Investitionen auf die hier dargestellten 10 Staaten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die FuE-Ausgaben der Unternehmen sowohl im Inland als auch im Ausland getätigt werden.


Quelle: Europäische Kommission: The 2011 EU Industrial R&D Investment Scoreboard


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