Zahlen und Fakten: Europa

Energieabhängigkeitsquote

12.5.2012
Seit 2004 übersteigen die Nettoenergieeinfuhren der EU-27 die Primärenergieerzeugung. 2008 beruhten 54,6 Prozent des Bruttoverbrauchs an Energie auf Nettoeinfuhren, 2010 waren es 52,7 Prozent.

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Fakten



Die Primärenergieerzeugung der Europäischen Union (EU) lag im Jahr 2010 bei insgesamt 830,8 Millionen Tonnen Rohöleinheiten (t ROE). 1996 lag sie in denselben Ländern noch bei 982,2 Millionen Tonnen – also gut 18 Prozent höher als 2010. Laut Eurostat ist dieser rückläufige Trend auf die Erschöpfung der Rohstoffvorkommen zurückzuführen bzw. darauf, dass die Erzeuger die Nutzung der Ressourcen als unwirtschaftlich erachten. Parallel zur rückläufigen Primärenergieerzeugung haben sich die Energieimporte erhöht. Inzwischen deckt die EU-27 mehr als der Hälfte ihres Energiebedarfs durch Energielieferungen aus Nicht-EU-Staaten ab. Die Energieabhängigkeitsquote – also der Anteil der Nettoenergieeinfuhren am Bruttoverbrauch – stieg zwischen 1994 und 2003 von 42,9 auf 49,0 Prozent. Seit 2004 übersteigen die Nettoenergieeinfuhren der EU-27 die Primärenergieerzeugung. 2008 beruhten 54,6 Prozent des Bruttoverbrauchs an Energie der EU-27 auf Nettoeinfuhren, 2010 waren es 52,7 Prozent.

Rund drei Viertel des Energieverbrauchs der EU entfallen auf Öl, Gas und Kohle. Die Abhängigkeit von Nicht-EU-Staaten fällt jedoch je nach Energieträger unterschiedlich hoch aus. Beim Öl (Rohöl und Mineralölerzeugnisse) lag die Energieabhängigkeitsquote bereits im Jahr 2000 bei 75,7 Prozent und hat sich bis zum Jahr 2010 weiter auf 84,3 Prozent erhöht. Beim Gas stieg der Anteil der Nettoenergieeinfuhren am Bruttoverbrauch im selben Zeitraum von 48,9 auf 62,4 Prozent. Niedriger – aber ebenfalls hoch – ist die Energieabhängigkeitsquote in Bezug auf die Kohle: Zwischen 2000 und 2010 nahm diese von 30,5 auf 39,3 Prozent zu.

Auf der Ebene der EU-Mitgliedstaaten war die Energieabhängigkeitsquote im Jahr 2010 in Zypern (100,9 Prozent) und Malta (100,8 Prozent) am höchsten. Luxemburg ist nahezu vollständig von Energieimporten aus anderen Staaten abhängig (96,8 Prozent) und auch in Irland (85,6 Prozent), Italien (83,8 Prozent) und Litauen (81,9 Prozent) lag die Quote im selben Jahr bei mehr als 80 Prozent. In Deutschland entsprachen im Jahr 2010 die Nettoenergieeinfuhren 59,8 Prozent des Bruttoverbrauchs. Auf der anderen Seite war die Abhängigkeit von Energieimporten in Estland (12,9 Prozent), Rumänien (21,7 Prozent), der Tschechischen Republik (25,6 Prozent) und Großbritannien (28,3 Prozent) am niedrigsten. Schließlich war Dänemark 2010 der einzige Nettoexporteur unter den EU-Staaten (-18,2 Prozent) und damit als einziger Staat unabhängig von Energieimporten aus anderen Staaten (einschließlich EU).

Datenquelle



Eurostat: Online-Datenbank: Versorgung, Umwandlung, Verbrauch – alle Produkte – jährliche Daten (Stand: 03/2012)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Weitere Informationen zu den "Energieimporten der EU-27" erhalten Sie hier...

Energieprodukte, die direkt aus natürlichen Ressourcen gefördert oder gewonnen werden, werden als primäre Energiequellen bezeichnet, während die in Umwandlungsanlagen aus primären Energiequellen erzeugten Energieprodukte sogenannte abgeleitete Produkte sind. Unter Primärenergieerzeugung wird die inländische Erzeugung primärer Energie durch Ausbeutung natürlicher Quellen beispielsweise in Kohlebergwerken, Rohölfeldern, Wasserkraftanlagen oder bei der Erzeugung von Biobrennstoffen verstanden.

Die Energieabhängigkeitsquote entspricht den Nettoenergieeinfuhren dividiert durch den Bruttoverbrauch. Der Bruttoverbrauch ist gleich dem Bruttoinlandsverbrauch zuzüglich der Energie für die grenzüberschreitende Seeschifffahrt (Bunker). Bei einer negativen Abhängigkeitsquote ist das Land/die betrachtete Einheit Nettoexporteur von Energie. Werte von mehr als 100 Prozent bedeuten, dass Energieprodukte bevorratet wurden.

Der Bruttoinlandsverbrauch entspricht der Energiemenge, die zur Deckung des Inlandsverbrauchs der betrachteten geografischen Einheit erforderlich ist. Laut der von Eurostat angewandten Definition ist er definiert als Primärerzeugung zuzüglich Einfuhren, rückgewonnenen Produkten und Bestandsveränderungen, abzüglich Ausfuhren und Brennstoffversorgung von Bunkern (für Hochseeschiffe aller Flaggen). Er beschreibt den gesamten Energiebedarf eines Landes (bzw. einer Einheit wie der EU) und setzt sich zusammen aus dem Verbrauch der Energiewirtschaft, Netz- und Umwandlungsverlusten, dem Endenergieverbrauch der Endnutzer und statistischen Differenzen.

Tabelle: Energieabhängigkeitsquote*



In Prozent**, ausgewählte europäische Staaten, 2010

Europäische Union (EU) 52,7
Zypern 100,9
Malta 100,8
Luxemburg 96,8
Irland 85,6
Italien 83,8
Litauen 81,9
Belgien 76,9
Spanien 76,7
Portugal 75,4
Griechenland 69,1
Slowakei 62,6
Österreich 61,8
Deutschland 59,8
Ungarn 58,3
Frankreich 49,3
Slowenien 49,3
Finnland 48,1
Lettland 41,6
Bulgarien 40,3
Schweden 36,5
Polen 31,5
Niederlande 30,7
Großbritannien 28,3
Tschechische Republik 25,6
Rumänien 21,7
Estland 12,9
Dänemark -18,2

* Anteil der Nettoenergieeinfuhren am Bruttoverbrauch
** Werte > 100 Prozent = Bevorratung von Energieprodukten / negative Werte = Nettoenergieexporteur


Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Versorgung, Umwandlung, Verbrauch – alle Produkte – jährliche Daten (Stand: 03/2012)


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