Zahlen und Fakten: Europa

Bevölkerungsstand und -entwicklung

23.7.2011
In den 27 Staaten der Europäischen Union (EU) lebten im Jahr 2010 rund 500 Mio. Einwohner. Wird der Bevölkerungsstand von 51 europäischen Staaten betrachtet, steigt die Einwohnerzahl auf 812 Mio.

Bevölkerungsstand und -entwicklung, 2010 und 2060Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



In den 27 Staaten der Europäischen Union (EU) lebten im Jahr 2010 rund 500 Millionen Einwohner. Die fünf bevölkerungsreichsten EU-Staaten hatten dabei nach Angaben des Department of Economic and Social Affairs (UN/DESA) einen Anteil von 62,7 Prozent an der Gesamtbevölkerung der EU. Zusammen waren das 314 Millionen Einwohner in Deutschland (82,3 Mio. Einwohner), Frankreich (62,8 Mio.), Großbritannien (62,0 Mio.), Italien (60,6 Mio.) und Spanien (46,1 Mio.). Werden noch die nächsten fünf bevölkerungsreichsten Staaten – Polen, Rumänien, Niederlande, Griechenland und Belgien – hinzugenommen, steigt der Anteil an der EU-Bevölkerung auf 82,4 Prozent und der Bevölkerungsstand auf 412 Millionen.

Bei einer Betrachtung aller 51 europäischen Staaten/Gebiete (siehe Tabelle unten) lag die Einwohnerzahl Europas im Jahr 2010 bei 812 Millionen. Dabei hatten die fünf bevölkerungsreichsten Staaten einen Anteil von 52,1 Prozent an der Gesamtbevölkerung Europas. Neben den EU-Staaten Deutschland, Frankreich und Großbritannien gehörten die Nicht-EU-Staaten Russland (143,0 Mio. Einwohner) und die Türkei (72,8 Mio.) zu den fünf bevölkerungsreichsten Staaten des Kontinents. Die Top 10 – also die Top 5 plus Italien, Spanien, die Ukraine, Polen und Rumänien – hatten einen Anteil von 78,2 Prozent an der Gesamtbevölkerung Europas. Auf der anderen Seite lag der Anteil der 20 bevölkerungsärmsten europäischen Staaten/Gebiete bei lediglich 1,8 Prozent an der europäischen Gesamtbevölkerung.

Während das UN/DESA für die Jahre 2010 bis 2060 einen Anstieg der Weltbevölkerung um 39,4 Prozent prognostiziert, ist Europa die einzige Region der Welt, für die in diesem Zeitraum ein Bevölkerungsrückgang angenommen wird (minus 4,9 Prozent). Schon von 1960 bis 2010 hatte Europa mit 22,2 Prozent die niedrigste Wachstumsrate von allen Regionen. Zum Vergleich: Die Bevölkerung Afrikas nahm zwischen 1960 und 2010 um 257 Prozent zu, die Asiens um 144 Prozent und die Bevölkerung Nordamerikas um 69 Prozent.

Den größten Anteil am prognostizierten Bevölkerungsrückgang in Europa zwischen 2010 und 2060 haben bezogen auf die absoluten Zahlen Russland (minus 22,2 Mio.), die Ukraine (minus 11,4 Mio.), Deutschland (minus 9,9 Mio.), Polen (minus 4,7 Mio.) und Rumänien (minus 4,1 Mio.). Prozentual ist der Rückgang in Bulgarien (minus 33,5 Prozent), der Republik Moldau (minus 30,6 Prozent), Bosnien und Herzegowina (minus 29,1 Prozent), der Ukraine (minus 25,0 Prozent) sowie in Belarus (minus 21,0 Prozent) am höchsten. Trotz des insgesamt negativen Trends nimmt das UN/DESA für 21 Staaten eine Zunahme des Bevölkerungsstandes an. Großbritannien, Frankreich und Spanien haben dabei mit einer Bevölkerungszunahme von 11,5, 11,2 bzw. 3,8 Millionen Einwohnern den größten absoluten Anteil. Prozentual sind die Zuwächse in Andorra (plus 72,0 Prozent), Luxemburg (plus 42,1 Prozent) sowie Irland (plus 40,4 Prozent) am höchsten. Wird Europa – wie beim Statistischen Bundesamt – noch weiter gefasst, ist die Türkei der Staat mit dem höchsten absoluten Bevölkerungszuwachs in den Jahren 2010 bis 2060: plus 18,0 Millionen Einwohner.

Sowohl nach den Prognosen des UN/DESA als auch von Eurostat wird sich der Bevölkerungsstand der 27 EU-Staaten in den Jahren 2010 bis 2060 leicht erhöhen – und zwar um 0,7 (UN/DESA) bzw. 3,2 Prozent (Eurostat). Dabei geht Eurostat von einer Bevölkerungszunahme zwischen 2010 und 2035 von 501 auf 525 Millionen Einwohner aus. Etwa im Jahr 2040 erreicht der Bevölkerungsstand einen Spitzenwert von 526 Millionen und wird danach schrittweise auf 517 Millionen im Jahr 2060 zurückgehen. Nach den Prognosen von Eurostat wird Deutschland bis 2045 durch Großbritannien als bevölkerungsreichster Staat der EU abgelöst; 2050 werden auch in Frankreich mehr Menschen leben als in Deutschland. Laut UN/DESA werden Großbritannien und Frankreich bis 2060 einen größeren Bevölkerungsstand haben als Deutschland.

Die Bevölkerungsentwicklung wird von zwei Faktoren bestimmt: erstens von der "natürlichen" Veränderung des Bevölkerungsstandes, also von der Differenz zwischen der Zahl der Lebendgeburten und der Todesfälle. Zweitens vom "Wanderungssaldo", also von der Zahl der Menschen, die zu- und abwandern. Bis Ende der 1980er-Jahre war die natürliche Veränderung des Bevölkerungsstandes die mit Abstand wichtigste Komponente des Bevölkerungswachstums. Seit den frühen 1960er-Jahren ist hier jedoch ein nachhaltiger Rückgang zu verzeichnen. Hingegen haben internationale Wanderungsbewegungen an Bedeutung gewonnen und sind seit Anfang der 1990er-Jahre zur wichtigsten Triebkraft des Bevölkerungswachstums geworden.

Datenquelle



United Nations – Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2011). World Population Prospects: The 2010 Revision; Eurostat: Jahrbuch der Regionen 2010, Online-Datenbank: Bevölkerungsprognosen

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Eine Übersicht der 48 Staaten/Gebiete, die das Department of Economic and Social Affairs (UN/DESA) zu Europa zählt, finden Sie »hier...«
Das Statistische Bundesamt erweitert Europa noch um Grönland, die Türkei und Zypern.

Tabelle: Bevölkerung



Bevölkerungsstand in absoluten Zahlen und Bevölkerungsentwicklung in Prozent, europäische Staaten, 2010 und 2060*

  Bevölkerung
2010
Bevölkerung
2060
absolute Entwicklung 2010-2060 relative Entwicklung 2010-2060
in Tsd. in Prozent
Russland 142.958 120.761 -22.197 -15,5
Deutschland 82.302 72.371 -9.931 -12,1
Türkei 72.752 90.800 18.048 24,8
Frankreich 62.787 73.953 11.165 17,8
Groß-
britannien
62.036 73.538 11.502 18,5
Kanalinseln 7 153 149 -4 -2,8
Insel Man 83 83 0,3 0,4
Gibraltar 29 27 -2 -8,1
Italien 60.551 57.399 -3.152 -5,2
Spanien 1 46.077 49.857 3.780 8,2
Ukraine 45.448 34.086 -11.362 -25,0
Polen 38.277 33.554 -4.723 -12,3
Rumänien 21.486 17.430 -4.056 -18,9
Niederlande 16.613 16.984 371 2,2
Griechenland 11.359 11.476 116 1,0
Belgien 10.712 11.721 1.009 9,4
Portugal 10.676 8.676 -1.999 -18,7
Tschechische Republik 10.493 10.558 65 0,6
Ungarn 9.984 9.073 -911 -9,1
Serbien 2 9.856 8.369 -1.488 -15,1
Belarus 9.595 7.579 -2.016 -21,0
Schweden 9.380 11.138 1.758 18,7
Österreich 8.394 8.244 -150 -1,8
Schweiz 7.664 7.663 -1 0,0
Bulgarien 7.494 4.986 -2.508 -33,5
Dänemark 5.550 5.910 360 6,5
Grönland 57 48 -9 -15,8
Färöer 49 55 7 13,5
Slowakei 5.462 5.059 -403 -7,4
Finnland 3 5.365 5.636 271 5,1
Norwegen 4 4.883 6.269 1.386 28,4
Irland 4.470 6.274 1.804 40,4
Kroatien 4.403 3.699 -704 -16,0
Bosnien und Herzegowina 3.760 2.665 -1.095 -29,1
Moldau, Republik 5 3.573 2.478 -1.094 -30,6
Litauen 3.324 2.705 -619 -18,6
Albanien 3.204 2.762 -442 -13,8
Lettland 2.252 1.823 -429 -19,0
Mazedonien, ehem. j.R. 2.061 1.770 -291 -14,1
Slowenien 2.030 1.946 -83 -4,1
Estland 1.341 1.201 -140 -10,4
Zypern 6 1.104 1.327 223 20,2
Montenegro 631 583 -49 -7,8
Luxemburg 507 721 213 42,1
Malta 417 407 -9 -2,2
Island 320 444 124 38,6
Andorra 85 146 61 72,0
Liechtenstein 36 46 10 28,7
Monaco 35 36 1 2,1
San Marino 32 34 2 6,8
Vatikanstadt 0,46 0,47 0,01 1,7

* Angaben auf Basis der im Jahr 2010 zur Verfügung stehenden Daten

1 einschließlich Kanarische Inseln, Ceuta und Melilla
2 einschließlich Kosovo
3 einschließlich Åland Inseln
4 einschließlich Svålbard und Jan Mayen Inseln
5 einschließlich Transnistrien
6 einschließlich türkisch-zyprischer Nordteil der Insel
7 bezieht sich auf Guernsey und Jersey


Quelle: United Nations – Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2011). World Population Prospects: The 2010 Revision


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