Zahlen und Fakten: Europa
18.10.2018

Natürliche Bevölkerungsentwicklung und Wanderungssaldo

Bevölkerungsentwicklung nach Komponenten, Europäische Union und Deutschland, 1961 bis 2017

Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Demographische Veränderung (Stand: 08/2018)
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Die natürliche Bevölkerungsentwicklung (Differenz zwischen Lebendgeburten und Sterbefällen) sowie der Saldo aus Zu- und Abwanderung bestimmen den Bevölkerungsstand insgesamt. Der Anteil beider Faktoren hat sich im Zeitverlauf erheblich verändert und unterscheidet sich zudem von Land von zu Land. Bezogen auf die Europäische Union hat die Nettozuwanderung seit 1992 einen größeren Anteil am Bevölkerungswachstum als die natürliche Veränderung des Bevölkerungsstandes. Bei der Hälfte der EU-Mitgliedstaaten ging eine positive natürliche Veränderung des Bevölkerungsstandes in den Jahren 2000 bis 2016 mit einem positiven Wanderungssaldo einher, in sechs EU-Staaten waren beide Faktoren negativ. In Deutschland stieg der Bevölkerungsstand, weil die Zuwanderung höher war als der natürliche Bevölkerungsrückgang.

Fakten

Die Entwicklung des Bevölkerungsstandes wird von zwei Faktoren bestimmt: Zum einen von der natürlichen Veränderung des Bevölkerungsstandes, also von der Differenz zwischen der Zahl der Lebendgeburten und der Zahl der Todesfälle. Zum anderen vom Wanderungssaldo, also von der Zahl der Menschen, die zu- und abwandern. Bis Ende der 1980er-Jahre war die natürliche Veränderung des Bevölkerungsstandes die mit Abstand wichtigste Komponente des Bevölkerungswachstums in der Europäischen Union (EU). Seit den frühen 1960er-Jahren ist hier jedoch ein nachhaltiger Rückgang zu verzeichnen. Hingegen haben internationale Wanderungsbewegungen an Bedeutung gewonnen. Seit 1992 haben diese durchgehend einen größeren Anteil am Bevölkerungswachstum als die natürliche Veränderung des Bevölkerungsstandes.

Im Jahr 2016 lag der Bevölkerungsstand der 28 EU-Mitgliedstaaten bei 510 Millionen. Zwischen 2000 und 2016 erhöhte sich der Bevölkerungsstand der EU laut Eurostat um 25,8 Millionen. Davon entfielen 4,8 Millionen auf das natürliche Bevölkerungswachstum und 21,1 Millionen auf den positiven Wanderungssaldo dieser Jahre. Damit hatte die Zuwanderung einen Anteil von 81,5 Prozent am gesamten Bevölkerungswachstum im Zeitraum 2000 bis 2016. Der Spitzenwert wurde dabei im Jahr 2015 mit 106,8 Prozent erreicht: Während die natürliche Bevölkerungsentwicklung rückläufig war (minus 117 Tsd.), lag der Wanderungssaldo bei plus 1,85 Millionen Personen – insgesamt erhöhte sich der Bevölkerungsstand im Jahr 2015 entsprechend um 1,74 Millionen.

Bei der Hälfte der EU-Mitgliedstaaten ging eine positive natürliche Veränderung des Bevölkerungsstandes in den Jahren 2000 bis 2016 mit einem positiven Wanderungssaldo einher. Der Anteil der Zuwanderung am gesamten Bevölkerungswachstum lag dabei zwischen 28,7 Prozent in Frankreich und 95,7 Prozent in Österreich. Laut Eurostat waren in diesem Zeitraum auch in Aserbaidschan, Bosnien und Herzegowina, Island, Liechtenstein, Norwegen sowie in der Schweiz sowohl die natürliche Bevölkerungsentwicklung als auch der Wanderungssaldo positiv.

In vier EU-Staaten (Deutschland, Italien, Portugal und Tschechien) stieg der Bevölkerungsstand, weil die Zuwanderung höher war als der natürliche Bevölkerungsrückgang. In Griechenland und Ungarn wurde der natürliche Bevölkerungsrückgang durch die Zuwanderung gedämpft aber nicht kompensiert (so auch in Russland und Serbien). In weiteren sechs EU-Staaten (Bulgarien, Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Rumänien) haben sich beide Faktoren negativ entwickelt und damit zu einem anhaltenden Bevölkerungsrückgang geführt. Eine Entwicklung die außerhalb der EU auch für Belarus, die Republik Moldau und die Ukraine gilt.

Schließlich sind Polen und die Slowakei die einzigen EU-Mitgliedstaaten, die in den Jahren 2000 bis 2016 einen natürlichen Bevölkerungszuwachs und gleichzeitig einen negativen Wanderungssaldo hatten. In der Slowakei war dabei der natürliche Bevölkerungszuwachs höher als die Nettoabwanderung – der Bevölkerungsstand hat sich entsprechend erhöht. In Polen war hingegen die Nettoabwanderung höher als der natürliche Bevölkerungszuwachs – der Bevölkerungsstand hat sich entsprechend verringert.

Wie in der Slowakei war zwischen 2000 und 2016 auch in Armenien, der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien, Montenegro und in der Türkei der natürliche Bevölkerungszuwachs höher als der negative Wanderungssaldo. In Albanien und Georgien verlief die Entwicklung wie in Polen: Der Bevölkerungsstand sank, weil der negative Wanderungssaldo höher war als der natürliche Bevölkerungszuwachs.

Auch in Zukunft werden einzelne Staaten Europas zu den wichtigsten Einwanderungsländern weltweit gehören. Nach Angaben des UN/DESA wird die weltweite Nettozuwanderung in die ökonomisch entwickelten Staaten in den Jahren 2015 bis 2050 bei insgesamt 82 Millionen Personen liegen – das sind durchschnittlich 2,3 Millionen Personen pro Jahr. Von diesen 2,3 Millionen Personen werden laut UN/DESA rund 925.000 auf Europa entfallen – insbesondere auf Deutschland (224 Tsd.), das Vereinigte Königreich (171 Tsd.), Russland (109 Tsd.) Italien (93 Tsd.) und Frankreich (80 Tsd.). Gleichzeitig geht das UN/DESA davon aus, dass die Geburtenziffer in Europa im selben Zeitraum lediglich moderat steigen wird – von gegenwärtig rund 1,6 auf rund 1,8 im Jahr 2050. Entsprechend dieser Berechnungen werden die internationalen Wanderungsbewegungen auch in naher Zukunft den größeren Anteil am Bevölkerungswachstum in Europa haben.

Datenquelle

Eurostat: Online-Datenbank: Population change – Demographic balance and crude rates at national level (Stand: 04/2018); United Nations – Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2017). World Population Prospects: The 2017 Revision

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Die natürliche Bevölkerungsentwicklung ist die Differenz zwischen der Zahl der Lebendgeburten und der Zahl der Sterbefälle in einem bestimmten Zeitraum. Dabei ist die natürliche Bevölkerungsentwicklung positiv, wenn die Zahl der Lebendgeburten höher ist als die Zahl der Sterbefälle (Zuwachs der Bevölkerung). Entsprechend ist bei einer negativen natürlichen Bevölkerungsentwicklung die Zahl der Sterbefälle höher als die Zahl der Lebendgeburten (Abnahme der Bevölkerung).

Der Wanderungssaldo ist die Differenz zwischen Zu- und Abwanderung. Der Saldo ist positiv, wenn mehr Personen zuwandern als abwandern und negativ, wenn die Abwanderung überwiegt. Aus dem Wanderungssaldo können jedoch keine abschließenden Aussagen über das Ausmaß der Zu- und Abwanderung abgeleitet werden, da beispielsweise ein niedriger Wanderungssaldo mit sehr hohen Zu- und Abwanderungsströmen, die sich rechnerisch ausgleichen, einhergehen kann.

Weiterführende Informationen zu den Wanderungssalden europäischer Staaten finden Sie hier...

Weiterführende Informationen zu den Wanderungen über die Grenzen Deutschlands finden Sie hier...

Im Gegensatz zur Europäischen Kommission zählt das UN Department of Economic and Social Affairs (UN/DESA) Armenien, Aserbaidschan, Georgien, die Türkei und Zypern nicht zu Europa. Eine Übersicht zu diesem Thema finden Sie hier...

Weiterführende Informationen zur Entwicklung der Geburtenziffer in Europa finden Sie hier...

Bevölkerungsentwicklung

Natürliche Bevölkerungsentwicklung und Wanderungssaldo, Europäische Union und Deutschland, 1961 bis 2017

Europäische Union (EU-28) 1 natürliche
Bevölkerungs-
entwicklung
Wanderungs-
saldo
Bevölkerungs-
entwicklung
insgesamt
in Tsd.
2017 -204 1.330 1.126
2016 20 1.222 1.242
2015 -117 1.854 1.737
2014 196 1.101 1.297
2013 87 1.761 1.848
2012 220 895 1.115
2011 395 714 1.109
2010 505 770 1.274
2009 511 714 1.225
2008 578 1.216 1.793
2007 477 1.535 2.012
2006 468 1.397 1.864
2001-2005 231 1.408 1.639
1996-2000 209 672 880
1991-1995 481 698 1.179
1986-1990 1.028 431 1.459
1981-1985 1.227 -75 1.151
1976-1980 1.671 234 1.905
1971-1975 2.170 359 2.529
1966-1970 2.927 -169 2.758
1961-1965 3.369 218 3.587
Deutschland 1 natürliche
Bevölkerungs-
entwicklung
Wanderungs-
saldo
Bevölkerungs-
entwicklung
insgesamt
in Tsd.
2017 -148 476 328
2016 -119 465 346
2015 -188 1.166 978
2014 -153 584 430
2013 -212 455 244
2012 -196 392 196
2011 -190 295 106
2010 -181 130 -51
2009 -189 -11 -200
2008 -162 -54 -215
2007 -142 45 -97
2006 -149 26 -123
2001-2005 -124 160 36
1996-2000 -70 158 88
1991-1995 -98 511 413
1986-1990 2 -27 568 541
1983-1985 -118 -57 -175
1980 -93 312 219
1975 -149 -198 -347
1966/67/70 257 -105 153
1961-1965 386 282 668

1 bei Zeiträumen sind die Durchschnittswerte angegeben.

2 bis einschließlich 1990: Westdeutschland


Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Demographische Veränderung (Stand: 08/2018)

Bevölkerungsentwicklung

Natürliche Bevölkerungsentwicklung und Wanderungssaldo, ausgewählte europäische Staaten, 2000 bis 2016 und 2017

2017 natürliche
Bevölkerungs-
entwicklung
Wanderungs-
saldo
Bevölkerungs-
entwicklung
insgesamt
in Tsd.
Europäische Union (EU-28) -204 1.330 1.126
Vereinigtes Königreich 148 282 429
Deutschland -148 476 328
Frankreich 165 68 233
Spanien -31 164 132
Schweden 23 102 125
Belgien 10 51 61
Irland 32 22 54
Österreich 4 45 49
Niederlande 19 17 37
Dänemark 8 24 32
Tschechien 3 28 31
Malta 1 15 15
Luxemburg 2 9 11
Finnland -3 13 10
Zypern 3 6 9
Slowakei 4 4 8
Polen -1 5 4
Estland -2 5 3
Slowenien 0 1 1
Lettland -8 -8 -16
Portugal -23 5 -19
Ungarn -37 18 -19
Griechenland -36 7 -29
Litauen -11 -28 -39
Kroatien -17 -32 -49
Bulgarien -46 -6 -52
Italien -191 85 -105
Rumänien -71 -50 -121
   
Türkei 865 130 996
Schweiz 20 42 63
Norwegen 16 21 37
Island 2 8 10
Georgien 5 -2 3
Mazedonien, ehem. j.R. 1 0 2
Liechtenstein 0 0 0
Montenegro 1 -1 0
Moldau -3 0 -3
Albanien 9 -15 -6
Belarus -17 4 -13
Armenien 11 -24 -13
Serbien -39 0 -39
Ukraine -210 12 -198
2000 bis 2016 natürliche
Bevölkerungs-
entwicklung
Wanderungs-
saldo
Bevölkerungs-
entwicklung
insgesamt
in Tsd.
Europäische Union (EU-28) 4.787 21.051 25.838
Vereinigtes Königreich 2.886 4.137 7.023
Frankreich 4.427 1.786 6.214
Spanien 1.131 4.927 6.058
Italien -757 4.423 3.666
Deutschland -2.573 4.461 1.888
Niederlande 794 423 1.218
Schweden 259 874 1.134
Belgien 291 772 1.063
Irland 636 370 1.007
Österreich 33 738 771
Dänemark 128 291 419
Finnland 131 201 332
Tschechien -28 328 301
Zypern 62 103 164
Luxemburg 32 122 154
Slowenien 18 76 94
Malta 15 57 72
Portugal -80 140 61
Slowakei 49 -13 37
Griechenland -82 74 -7
Estland -42 -46 -87
Polen 66 -212 -146
Kroatien -174 -26 -200
Ungarn -619 221 -398
Lettland -162 -270 -432
Litauen -190 -474 -664
Bulgarien -674 -415 -1.089
Rumänien -793 -2.018 -2.811
   
Türkei 14.836 -1.911 12.925
Aserbaidschan 1.631 162 1.794
Schweiz 264 985 1.249
Norwegen 287 493 780
Bosnien und Herzegowina 1 2 64 66
Island 41 18 59
Mazedonien, ehem. j.R. 91 -39 52
Montenegro 35 -15 20
Armenien 1 185 -172 13
Liechtenstein 2 3 5
Republik Moldau -53 -39 -91
Albanien 1 299 -451 -151
Serbien -546 83 -463
Belarus 1 -499 -20 -519
Georgien 1 85 -846 -761
Russland 1 -7.502 3.668 -3.834
Ukraine 1 -4.213 -1 -4.214

1 Albanien ohne 2009/2010/2012, Armenien ohne 2012/2014, Belarus ohne 2013, Bosnien und Herzegowina ohne 2015, Georgien ohne 2009/2012/2013, Russland 2000 bis 2011, Ukraine ohne 2014.


Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Population change (Stand: 04/2018), Demographische Veränderung (Stand: 08/2018)


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