Zahlen und Fakten: Europa
19.2.2019

Entwicklung des realen BIP

Zuwachs/Rückgang im jeweiligen Zeitraum in Prozent, ausgewählte europäische Staaten, 2008/2009, 2009 bis 2017

Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Wachstumsrate des realen BIP (09/2018); eigene Berechnungen
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Im Zuge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 ging das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Europäischen Union (EU) um 4,3 Prozent zurück. Dabei war das reale BIP in 27 der 28 EU-Staaten im Jahr 2009 niedriger als 2008. Nach dem Höhepunkt der Krise haben die europäischen Staaten unterschiedlich schnell und unterschiedlich stark zu positiven Wachstumsraten zurückgefunden. Am stärksten erhöhte sich das reale BIP zwischen 2009 und 2017 in der Türkei, Irland und Malta. Am schwächsten war das Wachstum in Italien, Portugal und Zypern. Die größte Ausnahme bildet allerdings Griechenland: Von 36 europäischen Staaten ist Griechenland der einzige Staat, bei dem das reale BIP im Jahr 2017 niedriger war als im Jahr 2009 (-21,7 Prozent).

Fakten

Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 hat fast überall auf der Welt zu einem deutlich abgeschwächten Wirtschaftswachstum oder zur Rezession geführt. Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg schrumpfte das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) der ökonomisch entwickelten Staaten. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds lag der Rückgang 2009 bei 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

In der Europäischen Union (EU) fiel der Rückgang des realen BIP von 2008 auf 2009 mit 4,3 Prozent noch stärker aus. Unter den 28 Mitgliedstaaten der EU war nur in Polen ein Wirtschaftswachstum zu verzeichnen (plus 2,8 Prozent). In den anderen 27 Staaten war das reale BIP im Jahr 2009 niedriger als 2008 – der Rückgang lag dabei zwischen 2,0 Prozent in Zypern und 14,8 Prozent in Litauen. In Estland und Lettland reduzierte sich das BIP mit 14,7 bzw. 14,4 Prozent ebenfalls zweistellig. In weiteren zehn Staaten – Finnland, Slowenien, Kroatien, Ungarn, Rumänien, Deutschland, Italien, der Slowakei, Schweden und Irland – verringerte sich das reale BIP um 5 oder mehr Prozent. Auch unter den acht Nicht-EU-Staaten, für die Eurostat Daten bereitstellt (siehe Tabelle unten), war mit Albanien nur einer, in dem die Wirtschaft von 2008 auf 2009 wuchs.

In den Jahren nach 2008/2009 haben die europäischen Staaten beim realen BIP unterschiedlich schnell und unterschiedlich stark zu positiven Wachstumsraten zurückgefunden. Am stärksten erhöhte sich das reale BIP zwischen 2009 und 2017 in der Türkei (69,6 Prozent), Irland (64,3 Prozent), Malta (49,8 Prozent) und Estland (33,2 Prozent). Aber auch in Litauen, Polen, Luxemburg, der Slowakei sowie Rumänien nahm das reale BIP in diesem Zeitraum zwischen 25 und 30 Prozent zu (Deutschland: 18,4 Prozent / EU-28: 13,0 Prozent).

Andere Staaten waren auch nach 2008/2009 in einzelnen oder mehreren Jahren von einem Rückgang des BIP betroffen. Entsprechend war das reale BIP in Spanien (5,5 Prozent), Kroatien (4,0 Prozent), Zypern (2,3 Prozent), Portugal (2,3 Prozent) sowie Italien (1,3 Prozent) im Jahr 2017 nur geringfügig höher als 2009. Die größte Ausnahme bildet allerdings Griechenland: Von den 36 hier betrachteten Staaten ist Griechenland der einzige Staat, bei dem das reale BIP im Jahr 2017 niedriger war als im Jahr 2009. Der Rückgang in diesem Zeitraum lag insgesamt bei 21,7 Prozent.

Datenquelle

Eurostat: Online-Datenbank: Wachstumsrate des realen BIP (09/2018); eigene Berechnungen

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Das BIP ist gegenwärtig das wichtigste gesamtwirtschaftliche Produktionsmaß. Das reale BIP ist unabhängig von Preisveränderungen, da es zu den Preisen eines Basisjahres (hier 2005), also in konstanten Preisen, berechnet wird.

Informationen zum BIP pro Kopf erhalten Sie hier...

Weitere Informationen zur globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 erhalten Sie hier...

Entwicklung des realen BIP

Index (2005 = 100), ausgewählte europäische Staaten, 2006 bis 2017

2012 2013 2014 2015 2016 2017 Entwicklung
des BIP
2009 bis 2017,
in Prozent 1
Index (2005 = 100)
Europäische
Union (EU-28)
106,0 106,4 108,3 110,8 113,0 115,7 13,0
Euroraum
(19 Länder)
105,0 104,8 106,2 108,5 110,5 113,2 10,9
Irland 106,3 107,7 117,2 146,6 153,9 165,0 64,3
Malta 114,8 120,1 129,9 142,3 149,7 159,7 49,8
Estland 110,1 112,1 115,4 117,6 121,7 127,7 33,2
Litauen 116,6 120,7 124,9 127,4 130,3 135,3 29,7
Polen 134,5 136,4 140,9 146,3 150,7 157,6 29,5
Luxemburg 115,2 119,5 126,4 130,1 134,1 137,2 27,5
Slowakei 131,8 133,8 137,6 142,9 147,6 152,7 27,1
Rumänien 118,2 122,3 126,5 131,4 137,7 147,2 25,0
Schweden 110,7 112,1 115,0 120,1 123,4 126,0 23,5
Lettland 108,1 110,7 112,8 116,2 118,8 124,1 22,0
Tschechien 114,0 113,5 116,5 122,7 125,8 131,2 18,8
Deutschland 110,9 111,5 113,9 115,9 118,4 121,0 18,4
Ungarn 99,1 101,1 105,4 109,0 111,4 115,8 17,8
Bulgarien 121,0 122,1 123,7 128,1 133,1 137,9 17,7
Vereinigtes
Königreich
105,1 107,2 110,4 112,9 114,9 116,9 16,6
Österreich 110,5 110,5 111,3 112,5 114,8 117,8 12,4
Dänemark 102,6 103,5 105,2 106,9 109,0 111,5 12,4
Slowenien 106,6 105,4 108,6 111,1 114,5 120,1 11,6
Belgien 109,3 109,6 111,0 112,5 114,1 116,1 11,2
Frankreich 106,7 107,3 108,4 109,6 110,9 113,3 11,0
Niederlande 107,7 107,6 109,1 111,3 113,8 117,1 10,8
Finnland 105,4 104,5 103,9 104,0 106,6 109,6 8,4
Spanien 101,3 99,6 101,0 104,6 108,0 111,2 5,5
Kroatien 100,2 99,7 99,6 102,0 105,6 108,6 4,0
Zypern 110,3 103,9 102,6 104,6 109,7 114,3 2,3
Portugal 97,2 96,2 97,0 98,8 100,7 103,5 2,3
Italien 96,2 94,6 94,7 95,5 96,6 98,1 1,3
Griechenland 83,0 80,3 80,9 80,6 80,5 81,6 -21,7
     
Türkei 136,5 148,1 155,8 165,3 170,6 183,2 69,6
Island 109,1 113,6 116,0 121,2 130,1 135,3 23,7
Albanien 134,5 135,8 138,3 141,3 146,1 151,7 21,6
Mazedonien,
ehem. j.R.
123,8 127,4 132,0 137,1 141,1 141,1 20,0
Schweiz 114,5 116,7 119,5 120,9 122,6 123,9 14,5
Norwegen 108,8 109,9 112,1 114,4 115,7 118,1 13,3
Bosnien und
Herzegowina
115,4 118,0 119,3 123,0 126,8 11,1
Serbien 114,6 117,6 115,4 116,4 119,6 121,9 7,4
2006 2007 2008 2009 2010 2011
Index (2005 = 100)
Europäische
Union (EU-28)
103,3 106,5 107,0 102,4 104,6 106,5
Euroraum
(19 Länder)
103,2 106,4 106,9 102,1 104,3 105,9
Irland 105,0 110,6 105,7 100,4 102,3 106,1
Malta 101,8 105,9 109,4 106,6 110,4 111,8
Estland 110,3 118,8 112,4 95,9 98,1 105,5
Litauen 107,4 119,3 122,4 104,3 106,0 112,3
Polen 106,2 113,6 118,4 121,7 126,1 132,4
Luxemburg 105,2 114,0 112,6 107,6 112,9 115,7
Slowakei 108,5 120,2 127,0 120,1 126,1 129,6
Rumänien 108,1 115,6 125,2 117,8 114,5 116,8
Schweden 104,7 108,3 107,6 102,0 108,1 111,1
Lettland 111,9 123,1 118,8 101,7 97,7 104,0
Tschechien 106,9 112,9 115,9 110,4 112,9 114,9
Deutschland 103,7 107,1 108,3 102,2 106,4 110,4
Ungarn 103,9 104,3 105,3 98,3 99,0 100,7
Bulgarien 106,9 114,7 121,6 117,2 118,7 121,0
Vereinigtes
Königreich
102,5 105,1 104,7 100,3 102,1 103,7
Österreich 103,5 107,3 108,9 104,8 106,7 109,8
Dänemark 103,9 104,8 104,3 99,2 101,1 102,4
Slowenien 105,7 113,0 116,7 107,6 108,9 109,6
Belgien 102,5 106,0 106,8 104,4 107,2 109,1
Frankreich 102,4 104,9 105,2 102,1 104,1 106,4
Niederlande 103,5 107,4 109,8 105,7 107,1 108,8
Finnland 104,1 109,5 110,3 101,1 104,2 106,9
Spanien 104,2 108,2 109,3 105,4 105,4 104,4
Kroatien 104,9 110,5 112,7 104,4 102,9 102,6
Zypern 104,7 110,0 114,0 111,7 113,2 113,6
Portugal 101,6 104,1 104,3 101,2 103,1 101,3
Italien 102,0 103,5 102,4 96,8 98,4 99,0
Griechenland 105,7 109,2 108,9 104,2 98,4 89,5
   
Türkei 107,1 112,5 113,4 108,0 117,2 130,2
Island 105,2 115,1 117,4 109,4 105,7 107,7
Albanien 105,9 112,3 120,7 124,8 129,4 132,6
Mazedonien,
ehem. j.R.
105,1 111,9 118,1 117,6 121,6 124,4
Schweiz 104,0 108,3 110,6 108,2 111,5 113,4
Norwegen 102,4 105,5 106,0 104,2 104,9 106,0
Bosnien und
Herzegowina
105,4 111,6 117,6 114,1 115,1 116,3
Serbien 104,9 111,1 117,1 113,5 114,1 115,7

1 Bosnien und Herzegowina: 2016 statt 2017 / Albanien, Mazedonien (ehem. j.R.): 2017 geschätzt


Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Wachstumsrate des realen BIP (09/2018); eigene Berechnungen


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