Zahlen und Fakten: Europa

Entwicklung des realen BIP

23.7.2011
Im Krisenjahr 2009 war in der EU nur in Polen ein Wirtschaftswachstum zu verzeichnen. In den anderen 26 Staaten lag das reale BIP im Jahr 2009 zwischen 1,7 Prozent und 18,0 Prozent niedriger als 2008.

Entwicklung des realen BIP im Krisenjahr 2009.Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 hat fast überall auf der Welt zu einem deutlich abgeschwächten Wirtschaftswachstum oder zur Rezession geführt. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) der ökonomisch hochentwickelten Staaten ist nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IMF – International Monetary Fund) im Jahr 2009 zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg geschrumpft: um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

In der Europäischen Union (EU) fiel der Rückgang mit 4,3 Prozent noch stärker aus. Unter den 27 Mitgliedstaaten der EU war nur in Polen ein Wirtschaftswachstum zu verzeichnen (plus 1,7 Prozent). In den anderen 26 Staaten lag das reale BIP im Jahr 2009 zwischen 1,7 Prozent (Zypern) und 18,0 Prozent (Lettland) niedriger als 2008. In Litauen und Estland war der Rückgang mit 14,7 bzw. 13,9 Prozent ebenfalls zweistellig. In weiteren neun Staaten – Finnland, Slowenien, Irland, Rumänien, Ungarn, Bulgarien, Schweden, Dänemark und Italien – verringerte sich das reale BIP um 5 oder mehr Prozent. Auch in Deutschland war der Rückgang mit 4,7 Prozent leicht stärker als im EU-Durchschnitt.

Die von der Krise stark getroffenen baltischen Staaten sind allerdings auch die Staaten, in denen im Zeitraum 1999 bis 2008 der Mittelwert der Wachstumsraten des realen BIP mit 6,9 Prozent (Lettland) bzw. 6,2 Prozent (Estland und Litauen) am höchsten war. Darauf folgten Bulgarien, Irland, Rumänien und die Slowakei mit einem entsprechenden Mittelwert von 5 oder mehr Prozent. Ausgehend von einem höheren Niveau fiel das Wachstum des realen BIP zwischen 1999 und 2008 in Italien (Mittelwert: 1,2 Prozent), Deutschland (1,5 Prozent), Portugal und Dänemark (jeweils 1,6 Prozent) sowie Frankreich (2,0 Prozent) am niedrigsten aus.

Insgesamt erhöhte sich die Wachstumsrate des realen BIP der EU-27-Staaten zwischen 1996 und 2000 von jährlich 1,8 auf 3,9 Prozent, fiel dann bis 2002/2003 auf 1,2 bzw. 1,3 Prozent und stieg wiederum bis 2006 auf einen Wert von 3,3 Prozent. Während das Wachstum 2007 mit 3,0 Prozent ebenfalls hoch war, ist es 2008 bereits durch die Krise beeinflusst gewesen: Das reale BIP wuchs um lediglich 0,5 Prozent, in acht der 27 EU-Staaten war die Entwicklung negativ. Im Jahr 2009 sank das reale BIP der EU-27-Staaten sogar um 4,3 Prozent, erst 2010 stieg es erneut (plus 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Dabei fiel das Wachstum in Schweden (plus 5,7 Prozent), der Slowakei (plus 4,0 Prozent), Polen (plus 3,8 Prozent), Deutschland (plus 3,6 Prozent) und Luxemburg (plus 3,5 Prozent) am höchsten aus; in Griechenland (minus 4,5 Prozent), Rumänien (minus 1,3 Prozent), Irland (minus 1,0 Prozent), Lettland (minus 0,3 Prozent) und Spanien (minus 0,1 Prozent) war die Entwicklung erneut negativ. Nach Prognosen von Eurostat wird das BIP-Wachstum der EU in den Jahren 2011 (1,8 Prozent) und 2012 (1,9 Prozent) auf dem Niveau des Jahres 2010 liegen. Für Deutschland prognostiziert Eurostat ein reales BIP-Wachstum von 2,6 Prozent im Jahr 2011 und 1,9 Prozent in 2012.

Datenquelle



Eurostat: Online-Datenbank: Wachstumsrate des realen BIP (Stand: 06/2011)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Das BIP ist gegenwärtig das wichtigste gesamtwirtschaftliche Produktionsmaß.

Zur Berechnung der Wachstumsrate des BIP in Volumeneinheiten wird das in aktuellen Preisen gemessene BIP zu Preisen des Vorjahres bewertet. Daraus ergibt sich eine sogenannte verkettete Reihe, bei der Preisänderungen keinen Einfluss auf die Wachstumsrate ausüben.

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Tabelle: Entwicklung des realen BIP



Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent, europäische Staaten, 2005 bis 2011

  2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011*
Europäische Union (EU-27) 2,0 3,3 3,0 0,5 -4,3 1,8 1,8
Lettland 10,6 12,2 10,0 -4,2 -18,0 -0,3 3,3
Litauen 7,8 7,8 9,8 2,9 -14,7 1,3 5,0
Estland 9,4 10,6 6,9 -5,1 -13,9 3,1 4,9
Finnland 2,9 4,4 5,3 0,9 -8,2 3,1 3,7
Slowenien 4,0 5,8 6,8 3,7 -8,1 1,2 1,9
Irland 6,0 5,3 5,6 -3,5 -7,6 -1,0 0,6
Rumänien 4,2 7,9 6,3 7,3 -7,1 -1,3 1,5
Ungarn 3,2 3,6 0,8 0,8 -6,7 1,2 2,7
Bulgarien 6,4 6,5 6,4 6,2 -5,5 0,2 2,8
Schweden 3,2 4,3 3,3 -0,6 -5,3 5,7 4,2
Dänemark 2,4 3,4 1,6 -1,1 -5,2 2,1 1,7
Italien 0,7 2,0 1,5 -1,3 -5,2 1,3 1,0
Großbritannien 2,2 2,8 2,7 -0,1 -4,9 1,4 1,7
Slowakei 6,7 8,5 10,5 5,8 -4,8 4,0 3,5
Deutschland 0,8 3,4 2,7 1,0 -4,7 3,6 2,6
Tschech. Rep. 6,3 6,8 6,1 2,5 -4,1 2,3 2,0
Niederlande 2,0 3,4 3,9 1,9 -3,9 1,8 1,9
Österreich 2,5 3,6 3,7 2,2 -3,9 2,1 2,4
Spanien 3,6 4,0 3,6 0,9 -3,7 -0,1 0,8
Luxemburg 5,4 5,0 6,6 1,4 -3,6 3,5 3,4
Malta 4,2 1,9 4,6 5,4 -3,3 3,2 2,0
Belgien 1,7 2,7 2,9 1,0 -2,8 2,2 2,4
Frankreich 1,8 2,5 2,3 -0,1 -2,7 1,5 1,8
Portugal 0,8 1,4 2,4 0,0 -2,5 1,3 -2,2
Griechenland** 2,3 5,2 4,3 1,0 -2,0 -4,5 -3,5
Zypern 3,9 4,1 5,1 3,6 -1,7 1,0 1,5
Polen 3,6 6,2 6,8 5,1 1,7 3,8 4,0
 
Island 7,5 4,6 6,0 1,4 -6,9 -3,5 1,5
Türkei 8,4 6,9 4,7 0,4 -4,5 8,9* 6,1
Schweiz 2,6 3,6 3,6 2,1 -1,9 2,6 1,9
Norwegen 2,7 2,3 2,7 0,7 -1,7 0,3 2,7
Mazedonien, ehem. j.R. 4,4 5,0 6,1 5,0 -0,9 0,7* 2,5

* Prognose
** 2005 bis 2010: vorläufige Werte


Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Wachstumsrate des realen BIP (Stand: 06/2011)


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