Zahlen und Fakten: Europa

Außenhandel der EU-27

23.7.2011
Die größten Handelsbilanzüberschüsse erzielte die EU-27 im Jahr 2010 gegenüber den USA, den Vereinigten Arabischen Emiraten und der Schweiz. Beim Handel mit China entstand das höchste Defizit.

Außenhandel der EU-27, 1999 - 2010Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Für die einzelnen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) hat der Binnenmarkt eine sehr große Bedeutung: Bezogen auf die Ex- und Importe wickelte die EU im Jahr 2010 knapp zwei Drittel ihres Warenhandels innerhalb der eigenen Grenzen ab. Entsprechend entfiel aber auch ein gutes Drittel der Warenaus- und einfuhren auf den Handel mit Staaten außerhalb der EU.

Zwischen 1999 und 2010 verdoppelte sich der Warenexport der EU-27-Staaten von 683,1 auf 1.348,8 Milliarden Euro (plus 97,5 Prozent) und der Warenimport von 743,3 auf 1.501,8 Milliarden Euro (plus 102,0 Prozent). Im Durchschnitt der Jahre 1999 bis 2009 hatte die EU einen Anteil von 18,1 Prozent am Weltwarenexport (2009: 17,2 Prozent). Beim Weltwarenimport lag der entsprechende Anteil der EU bei 19,1 Prozent (2009: 18,0 Prozent).

Bezogen auf den Warenwert und den Handel mit Staaten außerhalb der EU – also den Extra-EU-Handel – waren Deutschland (379 Mrd. Euro), Frankreich (154 Mrd. Euro), Italien (144 Mrd. Euro), Großbritannien (141 Mrd. Euro) und die Niederlande (99 Mrd. Euro) die größten Exporteure im Jahr 2010. Bei den Importen ändert sich lediglich die Reihenfolge der Staaten. Zwar war Deutschland mit Einfuhren in Höhe von 292 Milliarden Euro auch der größte Importeur, darauf folgen aber zunächst die Niederlande (208 Mrd. Euro) und erst dann kamen Großbritannien (205 Mrd. Euro), Italien (165 Mrd. Euro) und Frankreich (145 Mrd. Euro). Zusammen entfielen auf diese fünf Staaten 68,0 Prozent des Extra-EU-Exports und 67,6 Prozent des Extra-EU-Imports.

Das Handelsbilanzdefizit der EU-27-Staaten lag 2010 bei 152,98 Milliarden Euro. Bezogen auf den Extra-EU-Handel hatten im Jahr 2010 Deutschland (plus 86,5 Mrd. Euro), Irland (plus 22,0 Mrd. Euro) und Schweden (plus 14,1 Mrd. Euro) die höchsten Handelsbilanzüberschüsse. Auf der anderen Seite hatten im selben Jahr die Niederlande (minus 108,5 Mrd. Euro), Großbritannien (minus 64,1 Mrd. Euro) und Spanien (minus 40,9 Mrd. Euro) die höchsten Handelsbilanzdefizite. Das Hohe Defizit der Niederlande lässt sich zum Teil damit erklären, dass die Niederlande als Handelsumschlagsplatz zahlreiche Güter importieren, um sie verarbeitet oder unverarbeitet in andere EU-Mitgliedstaaten zu exportieren. Entsprechend steht dem Defizit beim Extra-EU-Handel ein Handelsbilanzüberschuss beim Intra-EU-Handel in Höhe von 151,1 Milliarden Euro gegenüber – der größte Überschuss des Jahres 2010 (Deutschland: plus 65,9 Mrd. Euro).

Beim Extra-EU-Export waren im Jahr 2010 die USA (17,9 Prozent aller EU-27-Exporte), China (8,4 Prozent), die Schweiz (7,8 Prozent), Russland (6,4 Prozent) und die Türkei (4,5 Prozent) die wichtigsten Absatzmärkte der 27 EU-Staaten – 45,1 Prozent aller Ausfuhren der EU-27 entfielen auf diese fünf Staaten. Auf der anderen Seite importierte die EU-27 die meisten Waren aus China (18,8 Prozent), den USA (11,3 Prozent), Russland (10,5 Prozent), der Schweiz (5,6 Prozent) sowie aus Norwegen (5,3 Prozent) – damit stammte mehr als die Hälfte aller Importe der EU-27 aus diesen fünf Staaten (51,5 Prozent).

Die größten Handelsbilanzüberschüsse erzielte die EU-27 im Jahr 2010 gegenüber den USA (plus 72,6 Mrd. Euro), den Vereinigten Arabischen Emiraten (plus 22,0 Mrd. Euro), der Schweiz (plus 21,3 Mrd. Euro), der Türkei (plus 19,1 Mrd. Euro) und Australien (plus 16,9 Mrd. Euro). Beim Handel mit China entstand mit einem Minus von 168,9 Milliarden Euro das mit Abstand höchste Handelsbilanzdefizit der EU-27. Darauf folgten die Defizite gegenüber Russland (minus 71,9 Mrd. Euro), Norwegen (minus 37,3 Mrd. Euro), Libyen (minus 22,0 Mrd. Euro) und Japan (minus 21,2 Mrd. Euro).

Bezogen auf einzelne Produktgruppen entfielen im Jahr 2010 41,5 Prozent der Exporte des Euroraums (2010: 16 Staaten) auf den Bereich "Maschinenbauerzeugnisse und Fahrzeuge". "Sonstige bearbeitete Waren" hatten einen Anteil von 24,4 Prozent und auf "Chemische Erzeugnisse" entfielen 17,4 Prozent. Insgesamt hatten diese drei Produktgruppen einen Anteil von 83,3 Prozent an den Ausfuhren des Euroraums.

Bei den Importen standen ebenfalls "Maschinenbauerzeugnisse und Fahrzeuge" an erster und "sonstige bearbeitete Waren" an zweiter Stelle (31,2 bzw. 24,2 Prozent). 21,6 Prozent der Importe des Euroraums entfielen auf "Mineralische Brennstoffe, Schmiermittel und verwandte Erzeugnisse". Der Anteil ist dabei tendenziell gestiegen (1999: 10,3 Prozent) und er erreichte 2008 mit 24,6 Prozent seinen bisherigen Höchstwert – für diese Entwicklung sind allerdings in erster Linie Preis- und nicht Verbrauchssteigerungen verantwortlich. Schließlich hatten "Chemische Erzeugnisse" einen Anteil von 10,5 Prozent an den Importen des Euroraums. Insgesamt entfielen auf diese vier Produktgruppen 87,5 Prozent der Einfuhren des Euroraums.

In der Produktgruppe "Mineralische Brennstoffe, Schmiermittel und verwandte Erzeugnisse" ist im Jahr 2010 mit einem Minus in Höhe von 264,3 Milliarden Euro das größte produktgruppenbezogene Handelsbilanzdefizit des Euroraums entstanden. Der höchste Überschuss entstand mit 155,9 Milliarden Euro im Bereich "Maschinenbauerzeugnisse und Fahrzeuge".

Russland ist der wichtigste Energielieferant der EU. Ungefähr 85 Prozent der Ausfuhren der EU-27 nach Russland im Jahr 2010 waren Industrieerzeugnisse, bei den Einfuhren entfielen hingegen fast drei Viertel auf Energie – während die wichtigsten Exportgüter der EU-27-Staaten Arzneimittel, Kraftfahrzeuge, elektronische Geräte und Luftfahrzeuge waren, importiert die EU aus Russland vor allem Öl, Gas und Kohle.

Ausgehend vom Warenwert und bezogen auf die Staaten, die nicht Mitglied der EU sind, exportierte Deutschland im Jahr 2010 den größten Anteil seiner Waren in die USA (6,8 Prozent des Gesamtexports). Darauf folgten China (5,6 Prozent), die Schweiz (4,3 Prozent) und Russland (2,7 Prozent). Bei den Einfuhren belegte China den ersten Platz – mit einem Anteil von 9,5 Prozent am Gesamtimport lag China auch vor allen europäischen Staaten. Darauf folgten die USA (5,6 Prozent) und wiederum die Schweiz und Russland (4,0 bzw. 3,9 Prozent).

Werden die Außenhandelsumsätze – also Einfuhren und Ausfuhren – zusammen betrachtet, war China mit einem Umsatz von 130,2 Milliarden Euro im Jahr 2010 der wichtigste Handelspartner Deutschlands außerhalb der EU. 7,4 Prozent des gesamten Außenhandelsumsatzes von Deutschland entfielen auf den Handel mit China (USA: 6,3 Prozent).

Außerhalb der EU erzielte Deutschland die größten Handelsbilanzüberschüsse im Jahr 2010 gegenüber den USA (20,5 Mrd. Euro), der Schweiz (9,2 Mrd. Euro), den Vereinigten Arabischen Emiraten (7,1 Mrd. Euro) und der Türkei (6,3 Mrd. Euro). Die größten Handelsbilanzdefizite hatte Deutschland im selben Jahr gegenüber China (22,9 Mrd. Euro), Norwegen (9,7 Mrd. Euro), Japan (9,0 Mrd. Euro) und Russland (5,4 Mrd. Euro).

Datenquelle



Eurostat: Online-Datenbank: Extra-Handel der EU-27, Intra-Handel der EU-27, EU-Anteil am Welthandel, Extra-EU-Handel nach Partner, Extra-Euroraum-Handel nach Produktgruppen (Stand: 06/2011)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Die Handelsbilanz ist auf einen Zeitraum bezogen und gibt den Saldo der Warenausfuhren und -einfuhren eines Staates oder einer Staatengruppe an. Bei einem Handelsbilanzüberschuss bzw. -defizit erhöht sich die Gläubiger- bzw. Schuldnerposition gegenüber dem Ausland. Da die Handelsbilanz eine Teilbilanz der Leistungsbilanz ist, kann ein Ungleichgewicht der Handelsbilanz durch die Salden anderer Teilbilanzen ausgeglichen werden.

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Mitglieder des Euroraums im Jahr 2010: Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien und Zypern. Seit 2011 ist der Euro auch die Währung in Estland.

Tabelle: Außenhandel der EU-27



Import, Export und Handelsbilanzdefizit der Europäischen Union (EU) in absoluten Zahlen,
1999 bis 2010

  Waren-
import
Waren-
export
Handels-
bilanz-
defizit
in Mio. Euro
1999 743.295 683.083 -60.212
2000 992.695 849.740 -142.956
2001 979.143 884.707 -94.436
2002 936.967 891.899 -45.068
2003 935.265 869.237 -66.028
2004 1.027.522 952.955 -74.567
2005 1.179.569 1.052.720 -126.849
2006 1.352.787 1.160.101 -192.686
2007 1.435.015 1.240.556 -194.459
2008 1.566.309 1.309.885 -256.424
2009 1.206.475 1.097.142 -109.333
2010 1.501.761 1.348.778 -152.983

Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: EU-Anteil am Welthandel (Stand: 06/2011)


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