Zahlen und Fakten: Europa

Erwerbstätigkeit

30.10.2011
Zwischen 1999 und 2008 stieg die Erwerbstätigenquote in der Europäischen Union kontinuierlich von 61,8 auf 65,9 Prozent. Erst die globale Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 hat diesen Trend gestoppt.

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Fakten



Nachdem 1997 ein Kapitel zur Beschäftigung in den Vertrag von Amsterdam aufgenommen wurde, steht die Arbeitsmarktstatistik im Mittelpunkt zahlreicher Politikbereiche der Europäischen Union (EU). Auf EU-Ebene wurden die Ziele einer Gesamtbeschäftigungsquote von 70 Prozent und einer Beschäftigungsquote der Frauen von 60 Prozent vereinbart. Die Beschäftigungs- oder auch Erwerbstätigenquote entspricht dabei dem Anteil der 15- bis unter 65-jährigen Erwerbstätigen an der gleichaltrigen Bevölkerung. Seit 2001 wird darüber hinaus eine Erwerbstätigenquote der 55- bis unter 65-jährigen Personen von 50 Prozent angestrebt.

Zwischen 1999 und 2008 stieg die Erwerbstätigenquote der EU-27 kontinuierlich von 61,8 auf 65,9 Prozent. Erst die globale Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 hat diesen Trend gestoppt: 2009 lag die Erwerbstätigenquote bei 64,6 Prozent, 2010 bei 64,2 Prozent. Sowohl die Werte der einzelnen EU-Mitgliedstaaten als auch die der weiteren europäischen Staaten, für die Eurostat in diesem Zusammenhang Daten zur Verfügung stellt, weichen erheblich von den EU-Durchschnittswerten ab. Am höchsten waren die Erwerbstätigenquoten im Jahr 2010 in der Schweiz (78,6 Prozent), Island (78,2 Prozent), Norwegen (75,3 Prozent), den Niederlanden (74,7 Prozent) und Dänemark (73,4 Prozent). In Schweden, Österreich und Deutschland lagen die Erwerbstätigenquoten ebenfalls bei mehr als 70 Prozent. Auf der anderen Seite der Skala standen 2010 Mazedonien (ehem. j.R.) mit 43,5 Prozent, die Türkei (46,3 Prozent), Kroatien (54,0 Prozent) sowie die EU-Staaten Ungarn (55,4 Prozent) und Malta (56,0 Prozent). Unter den Mitgliedstaaten der EU waren im selben Jahr neun weitere, deren Erwerbstätigenquote ebenfalls unter 60 Prozent lag.

Zur Erhöhung der Erwerbstätigenquote der EU zwischen 1999 und 2008 haben fast alle EU-Staaten beigetragen. Unter den 24 Staaten, für die Eurostat Daten zur Verfügung stellt, war nur einer – Rumänien –, in dem die Quote in diesem Zeitraum rückläufig war (minus 6,6 Prozent). In Spanien, Lettland, Estland, Italien, Griechenland und Slowenien lag die Steigerung der Erwerbstätigenquote zwischen 19,5 und 10,3 Prozent. Für den Rückgang der Erwerbstätigenquote von 2008 bis 2010 waren 23 der 27 EU-Mitgliedstaaten verantwortlich. In Lettland, Estland, Irland, Litauen und Spanien lag der Rückgang der Quote zwischen 13,6 und 8,9 Prozent. In lediglich vier Staaten nahm die Erwerbstätigenquote auch in den Jahren 2008 bis 2010 zu. Und zwar in Luxemburg (plus 2,8 Prozent), Malta (plus 1,3 Prozent), Deutschland (plus 0,6 Prozent) und Polen (plus 0,2 Prozent).

Um die Arbeitsmarktstatistik zu vervollständigen, ist es sinnvoll, neben der Erwerbstätigenquote auch die Erwerbsquote zu betrachten. Die Erwerbsquote entspricht dem Anteil der 15- bis unter 65-jährigen Erwerbspersonen – also nicht nur der Erwerbstätigen, sondern auch der Arbeitslosen – an der gleichaltrigen Bevölkerungsgruppe. Die Erwerbsquote gibt zusätzlich Auskunft über das Arbeitskräftepotenzial, weil sie auch die 15- bis unter 65-Jährigen berücksichtigt, die aktiv nach Arbeit suchen, aber keine Arbeit finden. Ein Beispiel: Sowohl in Lettland als auch in Polen lag die Erwerbstätigenquote im Jahr 2010 bei 59,3 Prozent. Die Erwerbsquote lag jedoch in Lettland bei 73,2 Prozent und damit 7,6 Prozentpunkte höher als in Polen (65,6 Prozent). Der Grund hierfür ist die deutlich höhere Arbeitslosenquote in Lettland (2010: 18,7 Prozent, Polen: 9,6 Prozent). Gerade mit Blick auf die Arbeitsmarktpolitik beziehungsweise das oben genannte Ziel, die Erwerbstätigenquote auf 70 Prozent zu steigern, macht es einen großen Unterschied, ob Arbeitsplätze für Arbeitslose oder für Nichterwerbspersonen (zum Beispiel Personen, die voll durch die Betreuung ihrer Kinder eingebunden sind) geschaffen werden sollen.

Im Jahr 2010 lag die Erwerbsquote der 27 EU-Staaten bei 71,0 Prozent. Island (84,7 Prozent), die Schweiz (82,4 Prozent), Dänemark (79,5 Prozent), Schweden (79,5 Prozent) sowie die Niederlande (78,2 Prozent) belegten die Spitzenplätze. Deutschland lag mit 76,6 Prozent ebenfalls klar über dem EU-Durchschnitt. Die niedrigsten Erwerbsquoten hatten hingegen Malta, Kroatien, Italien, Ungarn, Rumänien und Mazedonien (ehem. j.R.) – die Quoten lagen hier zwischen 60,3 und 64,2 Prozent. Niedriger war die Erwerbsquote nur noch in der Türkei (51,9 Prozent), was vor allem an der niedrigen Erwerbsbeteiligung der Frauen liegt. Die Erwerbsquote der Frauen in der Türkei betrug 2010 lediglich 29,6 Prozent. Zum Vergleich: EU-weit lag die Erwerbsquote der Frauen bei 64,5 Prozent, also mehr als doppelt so hoch.

Datenquelle



Eurostat: Online-Datenbank: Erwerbstätigkeit (hauptsächliche Angabe und Quote) – Jahresdurchschnitte, Erwerbsquoten nach Geschlecht, Altersgruppe und Staatsangehörigkeit (Stand: 09/2011)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Die Erwerbstätigenquote entspricht dem Anteil der 15- bis unter 65-jährigen Erwerbstätigen an der Bevölkerung im Alter von 15 bis unter 65 Jahren.

Die Erwerbsquote entspricht dem Anteil der 15- bis unter 65-jährigen Erwerbspersonen (Erwerbstätige und Arbeitslose) an der gleichaltrigen Bevölkerungsgruppe.

Erwerbstätige sind Personen im Alter von mindestens 15 Jahren, die in der Berichtswoche (der EU-Arbeitskräfteerhebung) gegen Entgelt, zur Gewinnerzielung oder zur Mehrung des Familieneinkommens mindestens eine Stunde gearbeitet haben oder nicht gearbeitet haben, jedoch einen Arbeitsplatz hatten, von dem sie vorübergehend abwesend waren (zum Beispiel aufgrund von Krankheit, Urlaub, Streik, Aus- oder Weiterbildungsmaßnahmen).

Tabelle: Erwerbstätigkeit



Ausgewählte europäische Staaten, Erwerbstätigenquote und Erwerbsquote in Prozent, 2010

  Erwerbstätigen-
quote*
Erwerbs-
quote**
in Prozent
Europäische Union 64,2 71,0
Euroraum (17 Länder) 64,2 71,4
Schweiz 78,6 82,4
Island 78,2 84,7
Norwegen 75,3 78,1
Niederlande 74,7 78,2
Dänemark 73,4 79,5
Schweden 72,7 79,5
Österreich 71,7 75,1
Deutschland 71,1 76,6
Zypern 69,7 74,4
Großbritannien 69,5 75,5
Finnland 68,1 74,5
Slowenien 66,2 71,5
Portugal 65,6 74,0
Luxemburg 65,2 68,2
Tschechische Republik 65,0 70,2
Frankreich 64,0 70,6
Belgien 62,0 67,7
Estland 61,0 73,8
Irland 60,0 69,5
Bulgarien 59,7 66,5
Griechenland 59,6 68,2
Lettland 59,3 73,2
Polen 59,3 65,6
Slowakei 58,8 68,7
Rumänien 58,8 63,6
Spanien 58,6 73,4
Litauen 57,8 70,5
Italien 56,9 62,2
Malta 56,0 60,3
Ungarn 55,4 62,4
Kroatien 54,0 61,5
Türkei 46,3 51,9
Mazedonien, ehem. j.R. 43,5 64,2

* die Erwerbstätigenquote entspricht dem Anteil der 15- bis unter 65-jährigen Erwerbstätigen an der Bevölkerung im Alter von 15 bis unter 65 Jahren.
** die Erwerbsquote entspricht dem Anteil der 15- bis unter 65-jährigen Erwerbspersonen (Erwerbstätige und Arbeitslose) an der gleichaltrigen Bevölkerungsgruppe.


Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Erwerbstätigkeit (hauptsächliche Angabe und Quote) – Jahresdurchschnitte, Erwerbsquoten nach Geschlecht, Altersgruppe und Staatsangehörigkeit (Stand: 09/2011)


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